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Kalenderblatt / Archiv | Beitrag vom 13.04.2012

"Die Zeit der Dorfmusik ist vorbei"

Vor 50 Jahren eröffnete der Hamburger Star-Club mit einem Konzert der Beatles

Von Michael Kleff

Der "Star-Club" auf der Großen Freiheit in St. Pauli, in der schon Musikgrößen wie The Beatles. (picture alliance / dpa / Fritz G. Blumenberg)
Der "Star-Club" auf der Großen Freiheit in St. Pauli, in der schon Musikgrößen wie The Beatles. (picture alliance / dpa / Fritz G. Blumenberg)

Er war der berühmteste Musikklub seiner Zeit: der Hamburger Star-Club. Am 13. April 1962 eröffnete er im Vergnügungsviertel St. Pauli. Die Liste der dort aufgetretenen Gruppen liest sich wie das Rocklexikon der Sechzigerjahre - von den Beatles über Cream bis hin zu Vanilla Fudge.

"Die Zeit der Dorfmusik ist vorbei. Die Not hat ein Ende! Der Star-Club eröffnet am 13. April."

Horst Fascher erinnert sich an das von ihm erfundene Motto, mit dem feuerrote Plakate in ganz Hamburg die Eröffnung des Star-Clubs verkündeten. Er wurde zum berühmtesten Musikklub seiner Zeit nicht nur in Deutschland. Tony Sheridan, Gerry & the Pacemakers und die Beatles waren dabei, als der Bühnenvorhang Auf der Großen Freiheit zum ersten Mal aufging – mitten zwischen Bierkneipen und Stripteaseschuppen.

"Es ist genau fünf Minuten vor 12. Und bei Ihnen im Star-Club unsere Stars aus Liverpool – die Beatles!"

500 Mark pro Kopf und Woche bekamen die Beatles damals. Horst Fascher kannte die Liverpooler schon seit ihren ersten Auftritten in Hamburg 1960 und 1961. Er war es, der den Kino- und Nachtklubbesitzer Manfred Weißleder überzeugte, das alte Stern-Lichtspielhaus in St. Pauli zu einem Beatlokal umzubauen. Als Booking Manager holte Fascher dann in den ersten Jahren vor allem Gruppen aus England in den Klub. Für Eltern, Lehrer und die Presse war das alles "geistlose Urwaldmusik". Mindestens vier Bands spielten jeden Abend von 6 Uhr bis morgens um 6. Für viele Gruppen, wie die Searchers oder die Swinging Blue Jeans, war es der Beginn einer großen Karriere. Manfred Weißleder:

"Alle, die aus England kamen, die Gruppen, die baten alle um irgendwelche Nachweise, dass sie bei uns gespielt hatten. Und das traf sogar auf Stars zu, die aus Amerika kamen. Zum Beispiel Chuck Berry oder Bill Haley, Fats Domino und die Leute. Wir hatten damals so eine Spritzschablone, wo wir mit Farbspray den auf ihre Instrumentenkoffer das Star-Club-Zeichen aufsprühen konnten. Das wurde also immer als Erstes verlangt. Vor der Gage."

Jerry Lee Lewis: "Thank you, thank you very much ladies and gentleman. I'd like to say it's a pleasure, a great honor to be back at the fabulous, most beautiful … swinging Star Club, alright!""

Weder in England, noch in den USA gab es einen mit dem Star-Club vergleichbaren Auftrittsort. Daher gehörten auch Größen wie Jerry Lee Lewis oder Little Richard zu den regelmäßigen Gästen. Und die großen Vorbilder machten den deutschen Gruppen Mut. Sie beteiligten sich bei Bandwettbewerben, deren Sieger von Manfred Weißleder unter Vertrag genommen wurden und die in den im ganzen Land eröffneten regionalen Star-Clubs auftraten – wie die German Bonds, die Lords oder die Rattles.

Fast jede Nacht war der Laden brechend voll. Allein 1963 kamen über eine Million Musikfans nach Hamburg. Für wenig Geld konnten sie i h r e Musiker hören und in den Pausen sogar oft ein Bier mit ihnen trinken.

Manfred Weißleder: "Wir haben zum Beispiel kaum Eintritt erhoben. Bei uns der höchste Eintritt war fünf Mark, das war dann aber mal Fats Domino und solchen Leuten, die selbst am Abend 60.000 Mark kosten. Da habe ich immer Geld zugesetzt bei diesen Starauftritten. Das konnte ich, weil ich diese anderen Läden da habe."

Mitte der Sechzigerjahre verlor Manfred Weißleder wegen häufiger Schlägereien im Club seine Lizenz. Aber auch unter der neuen Leitung kamen weiterhin große Namen – die Animals, die Small Faces, Manfred Man oder die Spencer Davis Group. Für den Star-Club-Fotografen Günter Zint war der Auftritt von Jimi Hendrix einer der Höhepunkte jener Jahre:

"Das war so irre, das war damals zur Zeit des Vietnamkrieges und dann hat er die amerikanische Nationalhymne verhohnepiepelt in dem er da anfliegende Düsenflugzeuge, explodierende Bomben und alles mit seiner Gitarre gemacht hat."

Ende der Sechziger waren die Zeiten jedoch vorbei, in denen Bands alles dafür gaben, um im Star-Club aufzutreten. Und nur wenn eine besonders angesagte Gruppe kam, wurde es noch voll. Weder der Umbau zu einer Diskothek noch neue Pächter konnten das nahende Ende des Lokals aufhalten. Am Silvesterabend 1969 fand im Hamburger Star-Club das letzte Konzert statt. Nach dem Auftritt von Hardin & York ging eine Ära zu Ende.

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