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Tonart | Beitrag vom 24.02.2017

Die US-Folkszene unter Donald TrumpMit Empathie gegen Antipathie

Michael Kleff mit Gespräch mit Martin Böttcher

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Der Musiker Billy Bragg mit einer Gitarre.  (picture alliance / dpa / PA Zak Hussein)
Mehr Empathie wagen: Der Folkmusiker Billy Bragg hielt beim Folktreffen in Kansas eine Grundsatzrede (picture alliance / dpa / PA Zak Hussein)

Einmal im Jahr treffen sich Folk-Musiker und -Fans zur Konferenz der Folk Alliance International in Kansas. Noch nie war die Stimmung so politisch aufgeladen wie in diesem Jahr unmittelbar nach Trumps Amtsvereidigung. Die Szene zeigt sich kämpferisch.

Die Konferenz der Folk Alliance International ist das größte Folktreffen der Welt. In Kansas treffen Fans, Musiker und die Industrie zum gemeinsamen Austausch aufeinander. Unter dem Schlagwort "Forbidden Folk", also "verbotener Folk", stand in diesem Jahr die Rolle von Folk Music in Arbeitskämpfen und in den sozialen Bewegungen im Vordergrund. Kein Wunder: Die Folkszene versteht sich bis heute auch als politische Bewegung.

Musikjournalist Michael Kleff besucht die Konferenz seit vielen Jahren. Noch nie zuvor war die Stimmung politisch so aufgeladen wie in dieser ersten Konferenz nach Donald Trumps Vereidigung als Präsident der Vereinigten Staaten, sagt er. Doch von Verzweiflung keine Spur: Die Redner zeigten sich energisch und angriffslustig. Aufbruchstimmung lag in der Luft. Darüber spricht er in der "Tonart" mit Martin Böttcher. Auch einige Originaltöne hat er mitgebracht.

Der Musiker Billy Bragg etwa, der sich selbst als Sozialist versteht, zeigte sich äußerst ungehalten über die jüngsten politischen Entwicklungen: "Wir leben in einer von Antipathie geprägten Zeit. Das ist die treibende Kraft in der Politik in diesem und in meinem Land; auf der ganzen Welt. Antipathie, und eine Art ‚Amerika zuerst‘-Nationalismus. Nach dem Motto ‚Wir interessieren uns für niemand anderen. Es geht nur um uns selbst.‘ Dem müssen wir uns in aller Deutlichkeit entgegenstellen. Wenn es uns als Künstler um irgendetwas geht, dann müssen wir Empathie fördern."

Der amerikanische Folkrocksänger Bob Dylan und seine Kollegin Joan Baez, aufgenommen am 27.04.1965 in London (picture-alliance/ dpa)Die Zeiten änder sich. Das wusste bereits Folkmusiker Bob Dylan, hier 1965 mit Joan Baez. (picture-alliance/ dpa)

Musik sei dazu besonders in der Lage, meint Bragg: "Sie kann nicht die Welt verändern, aber sie kann dir das Gefühl für Menschen geben, die du noch nie getroffen hast. Ein Lied kann dich Menschen verstehen lassen, von denen du noch nie gehört hast."

Auch die Musikerin Ani DiFranco bezog klar Stellung: "Scheiß auf die Bildschirme und die sozialen Medien. Was mich nicht aufgeben lässt, sind Begegnungen mit meinen Mitmenschen, sind persönliche Begegnungen. Es geht vor allem darum, sich weniger allein zu fühlen. ... Die meiste Hoffnung und größte Inspiration, um nach der Wahl von 2016 überhaupt weiter zu machen, empfand ich in den Augenblicken, wo ich mit Hunderttausenden meiner besten Freunde auf die Straße gegangen bin. Diese Tage waren voller Hoffnung, Liebe und Inspiration und haben mich seitdem den Mut nicht verlieren lassen."

Im Gespräch berichtet Michael Kleff ausführlich von seinen Eindrücken der Konferenz und seiner Einschätzung, wie sich die Folkszene unter Trump entwickeln wird.

(thg)

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