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Filme der Woche / Archiv | Beitrag vom 14.01.2009

"Die Klasse"

Anke Leweke stellt einen Film vor, in dem sich Schüler selbst spielen

Vorgestellt von Anke Leweke

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Die Halbwüchsigen im französischen Film "Die Klasse" bringen ihre Lebenswirklichkeit auf die Leinwand. Ihre Eltern stammen aus dem Maghreb, Schwarzafrika oder China. Man spürt in ihrer Verweigerung, dass sie sich von der Gesellschaft ausgeschlossen fühlen, deren Bildung und Kultur sie erlernen sollen. Der Film wurde in Cannes mit der Goldenen Palme ausgezeichnet.

Frankreich 2008, Regie: Laurent Cantet, Hauptdarsteller: Francois Bégaudeau, Vincent Caire, ohne Altersbeschränkung

Sie kommen alle aus einer Schule im Norden von Paris. Sie bringen alle ihre eigene Lebenswirklichkeit mit auf die Leinwand, die halbwüchsigen Jungen und Mädchen, deren Eltern aus dem Maghreb, aus Schwarzafrika oder China stammen. Über ein Jahr erarbeitete Regisseur Laurent Cantet mit ihnen die Dialoge und Szenen für seinen in Cannes mit der Goldenen Palme ausgezeichneten Film.

Die Jugendlichen sprechen ihre Sprache, klopfen ihre Sprüche, werfen mit den eigenen Schimpfworten um sich, tragen den eigenen Namen und die eigenen Klamotten. Man glaubt tatsächlich mitten in einem Pariser Klassenzimmer zu sitzen, einem sogenannten Brennpunkt der französischen Gesellschaft. Früher war es die Schule, die die jungen Menschen auf den Einstieg ins berufliche Leben vorbereiten sollte. Doch wirkt sie in "Die Klasse " wie ein bloßer Aufenthaltsort, der die Halbwüchsigen wenigstens für kurze Zeit von der Straße wegholt. Ein Betonklotz mit unzähligen Gängen und Klassenräumen bevölkert von Menschen, die unter permanenter Anspannung stehen.

Cantets hellwache, bewegliche Kamera hält fest, wie der junge Lehrer François jeden Tag aufs Neue mit Frustration und Aggression seiner Schüler zu kämpfen hat. In den Gesprächen während des Unterrichts werden fast beiläufig Themen wie die unterschiedlichen Herkünfte und Glaubensrichtungen verhandelt. Permanent wird der Lehrer mit Verweigerung konfrontiert. Es ist eine Verweigerung, die auch auf eine verfehlte Integrationspolitik verweist. Man merkt diesen Jugendlichen an, dass sie ohnehin nichts mehr zu verlieren haben. Man spürt, dass sie sich von der Gesellschaft ausgeschlossen fühlen, deren Bildung und Kultur sie erlernen sollen.

Filmhomepage "Die Klasse"

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