• facebook
  •  
  • twitter
  •  
  • instagram
  •  
  • spotify
 
 
 

Weltzeit | Beitrag vom 07.08.2017

Die junge linke Alternative in den USAMit Power gegen Trumps Tower

Von Caspar Dohmen

Beitrag hören Podcast abonnieren
Eine junge Frau bei einer Protestkundgebung gegen US-Präsident Trump (picture alliance / Caitlin Ochs/Sputnik/dpa)
"Stop Trump/Pence" - in den USA gehen jungen Menschen gegen den Präsidenten auf die Straße. (picture alliance / Caitlin Ochs/Sputnik/dpa)

Lieber cooler Sozialismus à la Bernie Sanders als Chaos und Kabarett à la Donald Trump: Amerikas Jugend politisiert sich. Sie fordert Solidarität statt Neoliberalismus.

Washington – Union Station. Aus dem Hauptbahnhof tritt man auf den Columbus Circle. Links herum geht es in die 2nd Street. Nr. 603 ist ein kleines zweistöckiges Haus. Die Tür steht offen. Hier ist die Zentrale von "Our Revolution". Die Organisation will die Demokratische Partei umkrempeln und nach links rücken. Shannon Jackson ist ihr Chef.

"Ich würde nicht sagen, wir  sind in der Partei. Ich würde sagen, das ist die Partei und wir sitzen hier und entscheiden, wie wir uns einmischen."

Shannon Jackson, Ex-Praktikant und Mitarbeiter von Oppositionsführer Bernard Sanders (Caspar Dohmen)Shannon Jackson, Chef von "Our Revolution" und Mitarbeiter von Oppositionsführer Bernard Sanders (Caspar Dohmen)

Der 28-Jährige Jackson, grün-weiß gestreiftes Hemd, Jeans und kurze Haare, war 2009 in den Semesterferien Praktikant im Büro von Bernard Sanders, der Mann, der in der Vorwahl der Demokraten für die Präsidentschaftswahl im vergangenen Jahr der schließlich nominierten Hillary Clinton unterlag. Jackson und "Bernie" verstanden sich. 2012 engagierte Sanders den Uniabsolventen für seinen Stab, erst für Haushaltsfragen und dann für den Wahlkampf, eine prägende Zeit.

"Ich war mit ihm während der Kampagne ständig unterwegs als sein Berater und persönlicher Assistent. 46 Termine hatten wir gemeinsam. Wir besuchten die Native Americans und armen Gemeinden in West Virginia, gingen nach New Orleans. Es war ein wildes unglaubliches Abenteuer. Es hat mir wirklich meine Augen geöffnet für viele Zustände, wie in Puerto Rico. Dort sind die reichen Gemeinden gleich neben den armen Gemeinden und die Verschmutzung des Kanals ist verheerend."

Der US-Politiker und ehemalige Präsidentschaftsbewerber Bernie Sanders spricht am 31.05.2017 in Berlin im Ullstein-Verlag mit einem Journalisten der Deutschen Presse-Agentur dpa. Foto: Kay Nietfeld/dpa | Verwendung weltweit (dpa/Kay Nietfeld)Buchvorstellung "Unsere Revolution" von und mit Bernie Sanders am 31.05.2017 in Berlin (dpa/Kay Nietfeld)

Jackson lernte das Amerika kennen, welches viele nur aus dem Fernseher  kennen. In seinem Büro hängt hinter dem großen Holzschreibtisch ein Foto von einem der Vorwahlkampfauftritte von Sanders. 70 Prozent der unter 30-jährigen Anhänger der Demokraten wünschten sich den 75-jährigen Alten aus Vermont als Kandidaten. Trotz seiner Niederlage und trotz des Sieges von Donald Trump hielt ihre Begeisterung an. Diesen Elan wollen sie für einen langfristigen politischen Wandel nutzen, deswegen gebe es "Our Revolution", sagt Shannon:

"Wir sind 16, 17 Leute hier in D. C. und arbeiten mit einer großen Zahl Freiwilliger – ohne sie wäre 'Our Revolution' unmöglich. Ich habe nicht die aktuellen Zahlen, aber als wir vor zwei Wochen  bei einem Live-Stream den neuen Auftritt unserer Organisation vorstellten, waren es landesweit 242 Gruppen."

Agenda von "Our Revolution" ist lang und links

Ihre Arbeit finanziert "Our Revolution" durch Kleinspenden. Großspenden von Millionären und Konzernen – wie sonst in Amerika bei Demokraten und Republikanern üblich – lassen sie nicht zu. Politik - unabhängig von Konzerninteressen ist ihr Ziel. Ihre politische Agenda ist lang und links: Wer zum Beispiel  mehr als 3,5 Millionen Dollar verdient, soll eine neue progressiv ansteigende Grundstücksteuer zahlen. Spekulation soll besteuert werden. Der Staat soll Milliarden ausgeben für marode Straßen, Brücken, Eisenbahnen, öffentlichen Nahverkehr oder Müllverbrennungsanlagen. 13 Millionen neue Arbeitsplätze soll das schaffen. Für benachteiligte Jugendliche soll ein Sonderprogramm eine weitere Million Stellen bringen. Gesundheitsversorgung soll ein Bürgerrecht sein. Das wäre ein neuer New Deal, so wie ihn Franklin D. Roosevelt in den dreißiger Jahren durchsetzte, um die Weltwirtschaftskrise zu überwinden.

"Es ist demokratischer Sozialismus. Ein öffentliches Gesundheitssystem, öffentliche Bildung und Investitionen für die kommenden Generationen: in Umwelt, in Erziehung, in Gesundheit und in all die anderen Dinge. Ich möchte Menschen überzeugen, diesen Pfad schneller einzuschlagen."

Das Team von "Our Revolution" ist bunt gemischt, aber alle sind  jung. Hamid Bendaas, 24 Jahre alt und für die sozialen Medien zuständig, weiß, was den Anhängern unter den Fingernägeln brennt:

"Ein Mindestlohn von 15 Dollar, eine Gesundheitsversorgung für mehr Menschen, junge Leute sind besonders an den Studiengebühren interessiert. Die Republikaner wollen die Rückzahlung von Studienkrediten erschweren. Wir wollen am liebsten die Dinge so ändern, dass das Studium für alle umsonst ist. Eine andere Sache, die den Leuten wichtig ist, ist das Justizsystem, das Gefängnissystem. Donald Trump und seine Republikaner wollen mehr Menschen einsperren. Unsere Anhänger wollen ein Ende der Masseneinkerkerung erreichen. Wir sperren – gemessen pro Kopf der Bevölkerung – mehr Menschen ein, als jedes andere Land auf der Welt."

Hamid Bendaas, "Our Revolution"- Aktivist, zuständig für soziale Medien (Caspar Dohmen)Hamid Bendaas, "Our Revolution"- Aktivist, zuständig für soziale Medien (Caspar Dohmen)

In Deutschland kommen auf 100.000 Einwohner 93 Häftlinge, in den USA 750, insgesamt mehr als zwei Millionen. Viele sitzen wegen kleiner Vergehen wie dem Besitz von Drogen für den Eigenverbrauch hinter Gittern. Es ist schwer, das zu verändern. Viele profitieren von dem System: private Gefängnisbetreiber und deren Beschäftigte. Vielerorts auf dem Land sind Gefängnisse die wichtigsten Arbeitergeber.

"Viele unserer Anhänger auf Twitter und Facebook sind jung, meistens unter 35 Jahren. Sie schauen kein Fernsehen, lesen keine Zeitungen und gehen nicht einmal auf Websites, um sich zu informieren. Aber sie sind ständig am Smartphone, ständig in den sozialen Medien. Um Bernie Sanders zu unterstützen, ist es extrem wichtig, die Leute aus der Bewegung ständig auf dem Laufenden zu halten und ihnen zu zeigen, wo sie aktiv werden können."

Die Ideen brauchen Zeit in den USA

Bendaas tauscht sich ständig mit den Anhängern im Lande aus. Heute z.B. habe jemand von einer bevorstehenden  Anhörung für ein allgemeines Gesundheitssystem in Kalifornien berichtet. Er habe dann versucht, Unterstützer für ein solches Vorhaben zu organisieren. Genauso gingen sie bei Wahlen vor. "Our Revolution" unterstützt Kandidaten auf allen Ebenen: in Vierteln, Städten, Bezirken und Bundesstaaten. Mehr als 10.000 Kandidaten haben sie sich genau angeschaut. 147 Kandidaten unterstützten sie bislang bei Wahlen. Siege und Niederlagen halten sich die Waage: 75 ihrer Kandidaten wurden gewählt, 72 verloren. Sie werten es als großen Erfolg. Ihre progressiven Kandidaten seien eben auch in vielen Hochburgen der Republikaner angetreten. Bis ihre Ideen mehrheitsfähig in den USA seien, brauche es Zeit.

"….According to a new report, the German Chancellor Angela Merkel was recently forced to explain to President Trump eleven times how trade works with the European Countries. She started loosing around: Nein!"

New York. Ein Taxi. In die Kopfstütze ist ein Fernseher eingebaut. In einer  Comedyshow macht sich jemand über Donald  Trump lustig, scherzt über die vergeblichen Versuche der deutschen Kanzlerin Angela Merkel ihm beizubringen, wie Handel mit europäischen Ländern funktioniere. Witze über Trump haben Konjunktur. Und liberale Leitmedien wie die New York Times, die Washington Post oder CNN sind voll mit Kritik am US-Präsidenten. Der Journalistin und  "Our-Revolution" - Aktivistin Nomiki Konst fehlt trotzdem etwas:

"Es gibt unglaubliche Reporter bei der New York Times, aber wo sind die Bernie-Schreiber bei der New York Times? Es gibt keine. Das ist eine Schande. Und was ist mit der Washington Post, hat sie irgendwelche Mitarbeiter von Bernie, Aktivisten oder Gewerkschaftsführer als Kolumnisten angeheuert. Sie haben John Podesta, der die schlechteste Kampagne aller Zeiten gemacht hat."

Nomiki Konst, Journalistin und "Our-Revolution"-Aktivistin (Caspar Dohmen)Nomiki Konst, Journalistin und "Our-Revolution"-Aktivistin (Caspar Dohmen)

John Podesta, der Ex-Wahlkampfmanager Hillary Clintons, schreibt eine Kolumne in der Washington Post, die Amazon-Besitzer John Bezos gehört. Konst arbeitet als investigative Reporterin vor allem für "The Young Turks", ein progressives Radio und Internetfernsehprogramm. Ihr Büro liegt im New Yorker Einwandererviertel Queens, gleich um die Ecke der Kaffeebar "The Queen Kickshaw". Konst schimpft auf die selektive Berichterstattung der Medien.

"Menschen, die alles seit Langem ankotzt"

"Sie stutzen alles auf die Hälfte zurecht, was wir wissen. Sie leben in einer Blase abgekoppelt von den Frustrierten und sie toben nur, wenn Trump Comey feuert oder wegen des Banns der Muslime. Nur bei diesen Punkten werden sie aktiv, auch was Sanders anbelangt. Aber wo sind sie tagtäglich? Sanders spricht schon seit Jahren mit wütenden Menschen, ob aus der Bewegung 'Schwarze Leben zählen' oder der Kampagne für einen Mindestlohn von 15 Dollar. Wenn Du aus der Blase herausgehst, triffst Du Menschen, die alles seit Langem ankotzt und die wütend sind über ihre Lebensumstände. Der Kaffee hier kostet sechs Dollar, darunter leiden Leute."

Die 33-Jährige ist Journalistin und zugleich Aktivistin, für sie kein Widerspruch:

"Es gab immer eine Verbindung zwischen Journalismus und Aktivismus. Die ersten investigativen Reporter waren Aktivisten. Sie gingen in Fabriken und waren entsetzt über die Arbeitsbedingungen. Das Konzept eines unvoreingenommen Journalismus ist ein Konstrukt. Ich meine, es war ein bisschen ein Marketinginstrument der New York Times, um sich von anderen abzuheben. In allen Medien gibt es Vorlieben, in den Mainstream-Medien gegenüber Konzernen. Bei uns gibt es eine Vorliebe gegenüber Aktivisten, welche wenig in den Medien präsent sind."

"Cooler Bernie"

"Es gibt definitiv eine Möglichkeit für Amerika, die Dinge anders zu machen. Meiner Meinung nach ist Bernie Sanders einer von denen, die den demokratischen Sozialismus cool machen."

Bianca Cunningham sitzt auf der Dachterrasse des Alma, eines mexikanischen Restaurants. Vor Wind und Regen schützt ein Zeltaufbau. Ihr Blick schweift über Docks, Kräne und Container zu den Wolkenkratzern Manhattans. Red Hook heißt dieser südliche Teil von Brooklyn, wo der Hafen noch lebendig ist. Die passende Kulisse für die Erzählung der 32-Jährigen über ihren Weg zu den Gewerkschaften und den Demokratischen Sozialisten Amerikas. Die Farbige mit wildem, nach hinten gebundenen schwarzen Haar, kleinem Ohrring und Rollkragenpullover ist ein Energiebündel. Ihr Großvater – ein christlicher Mann – gab ihr als Teenager das Buch des Schwarzenführers W.E. B. Du Bois über "Die Seelen der Schwarzen zu lesen" und riet ihr, sich im Leben zu wehren. 2012 platzte ihr der Kragen. Sie arbeitete in Brooklyn in einem Laden von Verizon Wireless, dem zweitgrößten Telekommunikationskonzern in den USA. Guter Chef, nette Kollegen – Cunningham war zufrieden. Dann teilte ihr Chef die Jahresprämien zu, mehr nach Sympathie statt nach Leistung, wie sie fand.

"Ich verstand, selbst wenn Du einen guten Chef hast, selbst wenn Du lachen kannst und Dich wohlfühlst und sogar wenn dein Vorgesetzter dich zu verstehen scheint, bist du mit Situationen wie der Begünstigung anderer konfrontiert. Das geht solange niemand anders die Manager zur Rechenschaft zieht, weil das Unternehmen ein solches Verhalten fördert. Wir müssen uns organisieren, um es für jeden fairer zu machen und einen einheitlichen Standard für alle zu schaffen. Wir sollten uns nach einer Gewerkschaft umschauen, entschied ich."

Bianca Cunningham, Mitglied bei den Demokratischen Sozialisten Amerikas (Caspar Dohmen)Bianca Cunningham, Mitglied bei den Demokratischen Sozialisten Amerikas (Caspar Dohmen)

Sie traf sich mit Gewerkschaftern der "Communications Workers of America", kurz CWA. Dann warb sie unter den Kollegen der sieben Läden von Verizon in Brooklyn für die Idee mit der Gewerkschaft. Voraussetzung für einen Tarifvertrag ist es in den USA, dass die Mehrheit jedes Betriebes für die Vertretung durch eine Gewerkschaft ist. Das Unternehmen bekam Wind davon und wetterte gegen den Plan; drohte Beschäftigten ein übliches Verhalten von Firmen in den USA. Trotzdem stimmten 2014 die Beschäftigten in den sieben Läden mehrheitlich für die Gewerkschaft und  hatten damit als erste Ladenmitarbeiter überhaupt bei Verizon Wireless einen Anspruch auf einen Tarifvertrag. Cunningham profitierte davon nicht mehr, wegen der Geschichte mit der Kollegin, die sich telefonisch von ihr beraten ließ.  Deren Beschwerde: ihr Chef sei aufdringlich, sie habe Angst.

"Als Folge davon kündigte sie. Als die Firma herausfand, dass sie dies nach Rücksprache mit mir gemacht hatte, entließen sie mich schließlich, weil ich wie ein Manager agiert hatte."

Cunningham klagte gegen die Kündigung, sie bekam in zwei Instanzen Recht.  Aber das Unternehmen legte erneut Berufung ein, eine Entscheidung steht noch aus. Cunningham engagierte sich nun bei den Demokratischen Sozialisten Amerikas. Die Gesellschaft brauche Solidarität statt Neoliberalismus, sagt sie. Heute leitet sie in New York die Gruppe, die für Beschäftigte zuständig ist. Zwei hat sie mitgebracht, beide wollen unerkannt bleiben.

Ein positives Bild von Sozialismus

Einer hat Mathematik studiert, der andere Geschichte. Der Mathematiker jobbte erst in einem Restaurant, für drei Dollar Stundenlohn und Trinkgeld. Jetzt sind beide Mitte zwanzig und verkaufen Smartphones in einem Shop. Sie kämen gerade so über die Runden. Der Mathematiker ist froh über sein Zimmer am Stadtrand, weil es nur 650 Dollar Miete kostet. Der Historiker ist glücklich, dass seine Frau eine Stelle als Lehrerin hat. Beide Männer müssen Schulden aus ihrem Studium zurückzahlen. Beide halten Sozialismus für eine gute Idee, wie etliche  andere auch. Im Vorwahlkampf 2016 war Sozialismus einer der beiden am häufigsten in Online-Lexika abgefragten Begriffe, neben Faschismus. Meinungsforscher fanden heraus: Mehr als jeder zweite Anhänger der Demokraten hat ein positives Bild von Sozialismus, eine faustdicke Überraschung. Schließlich schienen der Sozialismus und die USA unvereinbar, sogar in der schweren Finanzkrise 2007, bei der viele ihren Job und ihr Dach über dem Kopf verloren.

Auf der Dachterrasse des Alma in Brooklyn. Es ist Nacht geworden. Zum Schluss diskutiert die Runde über Bildung. Die drei haben in der Schule nichts oder kaum etwas über Arbeiterbewegung, Gewerkschaften, Solidarität oder Sozialismus gelernt. Die Frage nach der Ursache überrascht Bianca Cunningham:

"Unsere Regierung wird von Liberalen und Kapitalisten gestellt, es ist unser System. Es wäre gegen ihre Interessen, wenn sie uns beibringen würden, wie wir gegen das Establishment, den Staat und die Unternehmen kämpfen könnten, die automatisch ihr Geld verdienen."

"We are all here to help each other, but we can do it alone."

Ein neuer Tag: Eine Aktivistin steht mit einem Megaphon im Schatten des New Yorker Rathauses in einer Grünanlage, verlangt den Erhalt eines nationalen Gesundheitsprogramms zur Vorbeugung gegen Zuckerkrankheit. Ein junger, durchtrainierter Mann übt mit Gewichten. Er soll demonstrieren, Prävention ist sinnvoll.

"The national Prevention's programs, they work. We have people out here in the park  with us they have taken this workshops, they have lost over hundred pounds."

Aktivisten verteilen Flugblätter an Passanten, die Richtung Wall Street eilen. Donald Trump will die Gesundheitsversorgung kürzen. Mehr als 20 Millionen Amerikaner könnten ihren Krankenversicherungsschutz verlieren. Es ist ein Grund, warum sich junge Menschen hier für eine linke Politik interessieren – aber nicht der Einzige. Einige Häuserblocks entfernt von der Grünanlage verläuft die Prince Street in Lower Manhatten. Angesagte Läden für Mode, Möbel und vegane Ernährung und mittendrin eine unabhängige Buchhandlung: McNally Jackson Books.

Der Cafébereich des Buchladen ist dekoriert mit Dutzenden Bücher, die an Fäden von der Decke hängen: "Tagebuch einer Motorradreise" des Revolutionärs Che Guevara, "Jazz" von der US-Schriftstellerin Toni Morris und "In eisigen Höhlen" von Jon Krakauer. Im Kellergeschoss sitzen und stehen gedrängt rund 150 Leute, überwiegenden junge: ein Punk mit lila Haaren eine Frau mit kurz geschorenen Haaren und schwarzer Wollmütze. Mehrere Zuschauer tragen T-Shirts mit dem Schriftzug: "Resist - Widerstehe". Ein Mitarbeiter des Buchladens bittet um Spenden für einen Fonds, der Einwandererfamilien hilft, die von Ausweisungen betroffen sind. Dann legt die Journalistin Amy Goodman – Gründerin der Fernsehsendung "Democracy now !" und ein Star des linken Amerika – los.

Vom Widerstand der Geschwister Scholl

"And that's Democracy nows focus lot of the time is focusing on the resistance that's growing in this country and around the world. It is not always organized, it is been astounding and we are certainly doing this before the Trump administration.”

"Democracy Now" habe sich von Anfang an auf den Widerstand fokussiert, der im Land und auf der Welt wachse. Er sei nicht immer organisiert, sagt sie, aber erstaunlich. Seit 1996 touren sie und ihre Kollegen durch das Land. 1400 Radio- und Fernsehsender strahlen die Sendung heute aus. Wer sie schaute, wusste schon lange vor der Wahl von Donald Trump, wie viele Menschen im Land wütend sind, nicht nur weiße arbeitslose Arbeiter im Rostgürtel. Goodman erzählt an dem Abend ausführlich von dem Widerstand von indianischen Ureinwohnern gegen den Bau einer Pipeline in ihrem Reservat. Alte Frauen stellten sich Bulldozern entgegen, die ihre Heiligtümer plattmachen wollten, bevor ein Gericht über die Rechtmäßigkeit des Pipeline-Baus entschied. Private Sicherheitskräfte hetzten Hunde auf die friedlichen Menschen.

Dann schildert Goodman ihren Besuch bei Jeanette Vizguerra in Denver. Die unbescholtene zweifache Mutter und Aktivistin harre im Kirchenasyl aus, aus Angst vor Abschiebung. Bürgermeister und Polizeipräsident von Denver unterstützten sie. Aber selbst deren Solidarität sei heutzutage keine ausreichende Garantie, berichtet Goodman. Am Ende ihres Vortrags erzählt sie von der Widerstandsaktionen der Geschwister Scholl im Dritten Reich in Nazideutschland.

"And one of this pamphlets was written the words, we will not be silent. They had this distributed everywhere under covered darkness: market places, school yards. Sophie and her brother Kurt and her Professor, they were charged, they were tried, they were convicted and they will be headed.”

Auf einem ihrer Flugblätter schrieben sie, wir werden nicht schweigen. In der Dunkelheit verteilten sie diese an vielen Stellen, auf Marktplätzen und Schulhöfen. Sophie und ihr Bruder Klaus und ihr Professor seien festgenommen, verurteilt und gehängt worden.

"But that philosophy written across one of the pamphlets, we will not be silent should be the Hippocratic oath of the media today, should be the Hippocratic oath of us all today. We were not be silent. Democracy."

Ihre Philosophie aus dem Flugblatt, wir werden nicht schweigen, sollte heutzutage der hippokratische Eid der Medien sein und sollte der hippokratische Eid von uns allen heute sein: Wir schweigen nicht. Demokratie.

Weltzeit

Wirtschafts-Wunderland TschechienSorgenfalten im Paradies
Mehrere Arbeiter in einer Fabrikhallte stehen an ihren Maschinen. (Kilian Kirchgeßner)

Tschechien ist dort, wo Deutschland hin will: Vollbeschäftigung - niedrigste Arbeitslosigkeit in der EU. Eine Erfolgsgeschichte. Aber nun steigen die Löhne und aus der "billigen Werkbank Europas" soll ein Technologie-Land mit mehr Freizeit werden.Mehr

Nach den Anschlägen in SpanienTrauer, Gedenken, offene Fragen
Spanische Polizisten auf der Rambla in Barcelona.  (AFP/Javier Soriano)

Warum entschied sich die Stadtverwaltung von Barcelona gegen das Aufstellen von sogenannten Pollern? Obwohl die Sicherheitsbehörden gewarnt waren, kamen die Anschläge in Spanien für viele politisch Verantwortliche überraschend, berichtet unser Korrespondent Oliver Neuroth.Mehr

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur