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Aus der jüdischen Welt | Beitrag vom 25.05.2018

Die Band Lola MarshWie ein Frühsommertag in Tel Aviv

Von Lissy Kaufmann

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Die israelische Band Lola Marsh bei einem Auftritt bei der Kieler Woche 2017. (Imago / Chromorange)
Die israelische Band Lola Marsh bei einem Auftritt bei der Kieler Woche 2017. (Imago / Chromorange)

Wenn die Band Lola Marsh spielt, versprüht sie den Geist und die Atmosphäre von Tel Aviv. Strand, Sonne, Sitzen im Café - der Stil der Stadt ist leger und fröhlich, so wie Lola Marsh.

Ihr Pfeifen klingt nach einem frühsommerlichen Strandtag in Tel Aviv, an dem eine leichte Brise weht, das Meer rauscht, die Sonne scheint. Drei Minuten Fröhlichkeit versprüht die Band Lola Marsh mit ihrem Hit "Wishing Girl". Mittlerweile auch in Europa und den USA, wo sie mit ihrem ersten Album seit vergangenem Jahr immer wieder auf Tour sind. Lola Marsh, das sind Yael Shoshana Coehn und Gil Landau. Die beiden lernten sich 2011 kennen, als Yael mit Freunden auf der Geburtstagsparty von Gil auftauchte. Der packte im Laufe des Abends die Gitarre aus, Yael sang.

"Eins war klar", sagt Yael, "da war etwas Magisches im Gange. Wir wollten uns wiedersehen."

"Wir hatten nur ein paar Songs gecovert", erklärt Gil. "In einer Band musst du aber mit einem Menschen was Neues erschaffen. Wir wussten nicht, ob das klappt. Die ersten drei Treffen waren seltsam, wie beim ersten Date, wir waren etwas unbeholfen. Danach schrieben wir den ersten Song und seither geht es immer weiter."

Sie waren mal ein Paar

Die beiden 33-Jährigen harmonieren: Auf Fragen antworten sie gemeinsam, stimmen sich zu, ergänzen sich und sprechen sich durch Blicke ab. Tatsächlich waren sie zwischendurch auch mal ein Paar: Gil, ein schlanker Mann mit Vollbart und zauseligem Haar, Yael, eine zierliche Frau mit vollen Lippen, Rehaugen und braunen Haaren, die gerne mit Penelopé Cruz verglichen wird. Heute aber fokussieren sie ihre Liebe lieber auf Lola Marsh, ihr gemeinsames Kind, wie sie ihre Zwei-Personen-Band nennen.

Das Duo Lola Marsh im Studio von Deutschlandradio Kultur. (Deutschlandradio / Manuel Czauderna)Das Duo Lola Marsh im Studio von Deutschlandradio Kultur. (Deutschlandradio / Manuel Czauderna)

Auf den Namen kamen sie zufällig, erklärt Yael: "Wir wollten etwas, das zu uns beiden passt. Lola Marsh ist ein mysteriöser Name. Ist es ein Mensch? Ein Ort? Es ist eine Kombination von uns beiden." Und Gil sagt: "Als wir in China aufgetreten sind, sagte uns eine Frau, der Name bedeute auf Chinesisch 'romantische Poesie'. Vielleicht hat uns der Name einfach gefunden."

Hoffentlich hat sie sich das nicht ausgedacht, sagt Yael dann noch. Und Gil meint: Vielleicht. Aber es ist eine nette Geschichte.

Sie entziehen sich den Schubladen

Nach einigen veröffentlichten Singles 2015 und 2016 folgte 2017 das erste Album: "Remember Roses". Darauf auch die Single "You’re Mine", die etwas elektronischer klingt. Überhaupt lassen sich die Lieder dieses Indie-Folk-Duos nur schwer in eine Schublade stecken. Yael und Gil versuchen dennoch, ihrem Stil treu zu bleiben.

"Wir beschreiben unsere Musik mit Worten wie nostalgisch, romantisch, verträumt", erklärt Yael. "Wir haben viele gute Ideen, aber wenn wir produzieren, fragen wir immer: Ist das Lola Marsh? Wir könnten so viel ausprobieren, aber wir wollen den Song, der in unsere Welt passt."

Yael setzt ihre besondere Stimme vielseitig ein: mal fröhlich und verspielt, mal nachdenklich und melancholisch wie in diesem Song, Sirens.

Internationaler Sound

Ihre Lieder wirken ein bisschen wie der Soundtrack eines Independent-Liebesfilms. Tatsächlich haben die beiden ein Lied zum Soundtrack des Filmes "Das Jerico Projekt" mit Kevin Costner beigesteuert. All ihre Lieder sind auf Englisch und überhaupt klingt ihre Musik sehr international, so gar nicht nach Nahost und Israel. Und in Berichten und Ankündigung ist sehr oft von dem Duo aus Tel Aviv, nicht aus Israel, die Rede. Dazu meint Gil:

"Das passiert ganz natürlich: Wenn ich gefragt werde, woher ich komme, sage ich oft 'Tel Aviv, denn das ist eine wirklich coole Stadt'.  Wir machen keine politischen Lieder. Im Gegenteil: Wir wollen, dass unser Publikum den Alltag und die Probleme vergisst, auch die politischen. Unser Thema ist einfach nur die Musik."

Und wenn Lola Marsh bald mal wieder für Konzerte nach Europa kommen, werden sie mit ihrer Musik ein bisschen Tel Aviver Fröhlichkeit versprühen.

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