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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 18.04.2016

Designforscherin Gesche JoostBrauchen wir ein Internet-Ministerium?

Gesche Joost im Gespräch mit Susanne Führer

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Gesche Joost (Foto: privat)
Gesche Joost, Professorin für Designforschung an der UdK Berlin (Foto: privat)

Die Deutschen seien digitale Teenager, meint Gesche Joost. Dabei sei die weitere Digitalisierung unseres Lebens die Chance für die Zukunft, glaubt die Professorin für Designforschung. Davon will sie auch die Bedenkenträger überzeugen.

Welche Chancen stecken in der Digitalisierung? In einem "Design Research Lab Büro" entwerfen Gesche Joosts Studenten der Designforschung an der Universität der Künste zum Beispiel intelligente Kleidung wie eine "Notfallstrickjacke", die gemeinsam mit alten Menschen entwickelt wurde. Darin wird Wolle mit leitendem Garn kombiniert, das einen Notruf ans Smartphone weitergeben kann. Beeindruckt zeigte sich Joost von den kreativen und technischen Fähigkeiten, die in ihrem Labor versammelt sind:

"Bei mir im Design Research Lab habe ich 25 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und es sind überwiegend Frauen, aber die Frauen stricken eben nicht nur, sie entwickeln die Apps dazu, die entwickeln den Schaltkreis, die löten den Mikrokontrolleur irgendwo an. Es ist schon eine sehr technische Angelegenheit und es gibt ganz tolle junge Frauen jetzt, die das alles vereinbaren und man nennt sie immer so nett die Hackerladys, weil die können einfach alles. Sie sind Anfang 20 und können eben programmieren, stricken und löten. Es ist total toll."

Gesche Joost in einem Studio von Deutschlandradio Kultur (Deutschlandradio / Matthias Horn)Gesche Joost in einem Studio von Deutschlandradio Kultur (Deutschlandradio / Matthias Horn)

Gesche Joost sitzt in mehreren Beratungsgremien der Bundesregierung und hat seit gut zwei Jahren auch den Posten der Internetbotschafterin Deutschlands bei der EU inne.

"Also ich bin unabhängig, ich bin nicht Mitglied der Bundesregierung, das ist eigentlich ganz positiv, weil ich dadurch kritisch beurteilen und begleiten kann, was hierzulande zum Beispiel in Sachen digitaler Agenda passiert. Aber der Nachteil ist sicherlich, dass man nicht in den Entscheidungsprozess eingebunden ist, sondern als Botschafterin eher kommunikativ begleitend, kritisch unterstützend agieren kann. Ich glaube auch, dass es gerade, wenn wir mehr Europa leben und wagen wollen, dann wäre es wichtiger, wenn man sich stärker noch abstimmt auf der europäischen Ebene – gerade weil ganz viel Internet-Themen in Brüssel entschieden werden."

Künftige Staatsministerin fürs Internet?

Auch bei SAP schätzt man den kreativen Geist der 41-Jährigen und berief sie in den Aufsichtsrat. Die Designprofessorin plädiert dafür, dass Kinder an deutschen Schulen frühzeitiger und spielerisch ans Programmieren heran geführt werden sollten und wünscht sich mehr "digitale Souveränität" in Deutschland.

Gesche Joost, die bei den letzten Wahlen im Schattenkabinett des damaligen SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück für das Amt einer Internetministerin vorgesehen war, glaubt nicht, dass es ein solches Ministerium in naher Zukunft geben wird. Der Zug sei abgefahren. Vielleicht könnte es mal einen Staatsminister fürs Internet geben so wie für die Kultur. Ein solches Amt fände sie schon "interessant" für sich, aber im Moment sei auch das noch "in weiter Ferne".

Mehr zum Thema

Bildung - Warum alle Kinder Programmieren lernen sollten
(Deutschlandradio Kultur, Interview, 02.01.2015)

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