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Zeitfragen / Archiv | Beitrag vom 20.01.2015

Design-FörderungDeutsche Mode aus London

Von Florian Siebeck

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Modenschau des Labels "Achtland" in Berlin. (dpa / picture alliance / Jens Kalaene)
Modenschau des Labels "Achtland" in Berlin. (dpa / picture alliance / Jens Kalaene)

Modedesign aus Deutschland hat keinen besonders guten Ruf in der Welt. Das bekamen auch die Gründer des Berliner Luxuslabels "Achtland" zu spüren. Sie sind inzwischen nach London gezogen - denn die Stadt bietet Kreativen unschlagbare Vorteile.

Zwischen den einstiegen Hoffnungsträgern der deutschen Modebranche und der deutschen Modestadt Berlin liegen heute 900 Kilometer. In ihrem Londoner Studio sind Thomas Bentz und Oliver Lühr, beide Mitte 30, damit beschäftigt, Kleider aus ihrer letzten Kollektion herauszusuchen. Morgen geht es um einiges. Ein großer englischer Onlinevertrieb hat sich angekündigt, will vielleicht mit den Deutschen zusammenarbeiten. "Eine große Chance für unser Label 'Achtland'", sagt Oliver Lühr:

"Net-A-Porter und andere große Läden sind nicht unbedingt jemand, die gleich beim ersten Mal sofort zuschlagen, gerade bei jungen Marken, die sich noch ein bisschen auf dem Markt bestätigen müssen. Und was für uns im besten Falle passieren kann, dass eben die für uns richtigen, also großen, relevanten Luxus-Retailer und Läden auf die Marke aufmerksam werden."

Ein Mantel für 4500 Euro

Seit vier Jahren gibt es "Achtland". Blusen, Kleider, Mäntel kosten zwischen 200 und 4500 Euro. Eine Luxusmarke, gegründet in Berlin. Vor einem halben Jahr haben die Designer der Stadt den Rücken gekehrt, den Altbau in Mitte gegen eine alte Druckerei in England getauscht. Ein Verlust für die deutsche Modewelt.

Mitte 2013 zeigt "Achtland" zum ersten Mal eine Kollektion auf einem Berliner Laufsteg. Die Fachpresse ist begeistert, sieht endlich ein junges, bodenständiges Luxuslabel aus Deutschland. Nicht zuletzt, weil Oliver Lühr schon vorher bei anderen namenhaften Luxusmarken gearbeitet hat. "Achtland" wird überschwänglich zu einem Hoffnungsträger der Berliner Modewoche erklärt. Doch gute Presse allein hilft nicht, das Geschäft in Deutschland läuft schlecht an. Außerdem: Wie so oft bei jungen Labels üblich, bleiben Investoren aus.

"Die 'Achtland' soll kein teures Hobby sein, sondern ein echtes Geschäft. Wir arbeiten in einem Preissegment wo wir ganz leicht Kunden im englischsprachigen Ausland erreichen müssen. Wir müssen die Asiaten erreichen, uns reicht nicht nur der deutschsprachige Markt. Uns ist wichtig, da zu sein, wo man das präsentieren kann. Wir finden –abgesehen davon, dass wir es gut kennen –dass sich London entwickelt hat zu einem echten Sprungbrett für junges Talent."

Der deutschsprachige Markt allein genügt nicht

Auch in Großbritannien werde einem nichts geschenkt, sagt Thomas Bentz weiter. Aber in London hilft das gemeinnützige British Fashion Council jungen Designern, in der Branche Fuß zu fassen. Förderung, die es in Berlin so nicht gibt. Auch die Aufmerksamkeit sei dem Label hier sicherer als in Deutschland:

"Ich glaube, dass das Modebusiness sehr konservativ ist, nicht in Bezug auf Trends, sondern wie es geführt ist, diese Vierfaltigkeit von New York, London, Mailand und Paris ist sehr etabliert. London ist da sehr reingerutscht über die letzten Jahre und hat sich die Relevanz erkämpft, aber hat auch schon lange einen Platz im Kalender. Und ich glaube, das ist der Schlüssel dafür, sich als Modestadt interessant oder relevant zu machen, dass man sich in diesen Reigen einpasst. Das ist natürlich nicht so einfach, mit den Pre-Kollektionen überschneidet sich das viel. Das ist ein Problem, meines Erachtens, in unserem Preissegment in Berlin, dass man in Berlin gleichzeitig zeigt, wenn in Paris die Haute-Couture-Schauen sind beziehungsweise in Mailand die Männer-Schauen stattfinden. Unsere Einkäufer gucken dann halt da hin, die Journalisten gucken auf die Couture-Schauen und nach Mailand gleichzeitig, und dieser Clash ist sehr schwierig und nimmt viel Aufmerksamkeit weg von etwas, das sich erst Relevanz erkämpfen muss."

Die Berliner Presse begreift ihren Abgang als dunkles Zeichen für den Standort Berlin. Allzu gern sprechen Thomas Bentz und Oliver Lühr nicht über die Probleme der Berliner Modewoche. Sie haben sich dort nie als Heilsbringer gesehen. Für "Achtland" ist London ein Neuanfang. Hier hat niemand auf sie gewartet. Vielmehr: Der Umzug hat sie um zwei Jahre zurückgeworfen. Der Weg nach oben aber soll einfacher sein, als in Berlin. Sie wären schließlich nicht die ersten Deutschen, die von London aus den Sprung auf den international hart umkämpften Markt der Luxusmode schaffen.

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