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Kompressor | Beitrag vom 21.04.2017

Der Teletext als Fundgrube Nachrichten als Wortsalat

Luca Schenardi im Gespräch mit Christine Watty

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Illustration aus dem Buch "Meyer spricht von Gratiskaffee" von Luca Schenardi (Edition Patrick Frey)
Illustration aus dem Buch "Meyer spricht von Gratiskaffee" von Luca Schenardi (Edition Patrick Frey)

Der Schweizer Illustrator Luca Schenardi ist ein leidenschaftlicher Teletext-Fan. Bis heute liebt er es, Textnachrichten auf dem TV-Bildschirm zu konsumieren. Doch seit der digitalen Umstellung erlebt er einen Wortsalat, dem er das Buch "Meyer spricht von Gratiskaffee" gewidmet hat.

"Für mich ist das eben gar nicht so staubig", sagt Schweizer Illustrator Luca Schenardi im Deutschlandradio Kultur über seine Liebe zum Teletext. Er sei dem Medium immer treu geblieben. In den 80er-Jahren schafften seine Eltern den ersten Teletext fähigen Fernseher an. "Mich hat das damals sehr fasziniert." Für ihn habe das viel mit dem Checken der Fußballresultate zu tun, sagt Schenardi. Er sehe gerne am Abend die Resultate von Bundesliga und Schweizer Fußball-Liga dort an. Sie seien im Teletext ausführlich und gut. "Das hat keine Bilder und das macht das Ganze aus meiner Sicht ziemlich ruhig", sagt der Illustrator. "Ich mag das nicht so, diese Live-Ticker-Mentalität."

Wortsalat künstlerisch umgesetzt

Doch das entspannte Verhältnis zum Teletext wurde durch die Digitalisierung erheblich gestört. Es entstand ein eigentümlicher Wortsalat, den sich Schenardi bis heute nicht wirklich erklären kann. Da tauchten plötzlich verschwurbelte Meldungen auf, die so lauteten: "Guantanamo-Häftling übernimmt Ruder bei grüner Partei" oder "Islamismus: Mehr Familien suchen Rat beim Fifa-Präsidenten Joseph Blatter" oder "Airbnb sucht sich frisches Geld durch Terroreinsatz in Saint Denis". Der Illustrator war faziniert.

Neue Nachrichtenwelt im TV

"Es ist mir bislang ein Rätsel und ich nehme an, dass ist nur bei meinem eigenen Fernsehgerät der Fall", sagt der Illustrator. "Ich habe das noch nie an einem anderen Ort gesehen." Er widmete dem Phänomen nun das Buch "Meyer spricht von Gratiskaffee", für das er die eigentümlichen Botschaften abfotografierte und diese surreale Nachrichtenwelt zeichnerisch umsetzte. "Der Teletext ist die Fundgrube", sagt Schenardi. Es gehe ihm weniger um die Ästhetik, sondern um den Inhalt. Diese "Collagenhaftigkeit" entstehe auch sonst im Alltag auf den allgegenwärtigen Bildschirmen, ob nun im Postamt oder im Bus. Es gebe überall immer mehr von diesen Fernsehern mit diesen Nachrichtenfetzen. 

Luca Schenardi, Meyer spricht von Gratiskaffee, Edition Patrick Frey, 36 Euro     

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