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Donnerstag, 18.01.2018

Literatur / Archiv | Beitrag vom 27.12.2015

Der Mond in der LiteraturEin unerlässliches Requisit der Landschaftsromantik

Von Joachim Kalka

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Der Vollmond (dpa/picture-alliance/Karl-Josef Hildenbrand)
Der Mond gehört zu den exzessiv strapazierten Versatzstücken der Naturbeschreibung. Und doch ist er unverwüstlich. (dpa/picture-alliance/Karl-Josef Hildenbrand)

In Kafkas "Prozess" spielt er eine Rolle genauso wie in den Comics der "Peanuts" und bei "Dick & Doof": der Mond. Er kann als Symbol für eine gewisse Stimmung stehen, aber auch Handlungsort werden, wie bei "Tim und Struppi" oder in "Peterchens Mondfahrt". Eine literarische Reise.

Anton Tschechow warnt seinen Bruder 1886 vor einer zu ausführlichen Beschreibung des Mondes in seiner Literatur. Er soll ihn auf keinen Fall groß am Himmel stehen lassen, es genügt, meint Tschechow, wenn eine Flaschenscherbe am Mühlenwehr in der Nacht aufblinkt, da hat man schon die Magie des Mondscheins. Denn der Mond ist längst ein gefährlich abgenutztes Requisit der Landschaftsromantik geworden.

Aber er darf auch nicht fehlen. Erst recht nicht in Comics. Hund Snoopy ist in Charles M. Schulz "Peanuts" noch vor der Nasa zum Mond gereist und auch Tim und Struppi sind bereits Mitte der 1950er Jahre auf diesem Planeten gelandet. 

In alten Zeiten ist der Mond eine kühl-liebliche Göttin oder eine der sieben gravitätisch-schicksalhaften Figuren des großen Planetenballetts. Erst die wissenschaftlichen Fortschritte lassen evident werden, dass er leblos ist, leer, unheimlich. Von da an ist das leichenhaft Fahle, das beunruhigend Stumme des Mondes das andere große Register neben seiner schimmernden erotischen Verlockung – das Totenhafte widerspricht dem Eros.

Das Manuskript zur Sendung Literatur im Gespräch (373 kB)

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