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Montag, 18.12.2017

Im Gespräch | Beitrag vom 06.12.2017

Der Kabarettist Martin Buchholz Der Textakrobat

Moderation: Klaus Pokatzky

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Berlin: Moderator und Kabarettist Martin Buchholz wird seinen Zuhörern künftig an jedem zweiten Samstag auf der Frequenz 91,4 des Berliner Rundfunks die zeit von acht bis zehn Uhr mit "herzlichen und hirnliche" Plaudereien vertreiben. (picture-alliance / ZB / Klaus Franke)
Der Kabarettist Martin Buchholz feiert über Jahrzehnte große Erfolge (picture-alliance / ZB / Klaus Franke)

Der Kabarettist Martin Buchholz geht in den Ruhestand und verabschiedet sich von seinen Fans mit dem Programm "Alles Lüge – kannste Glauben!" Die Zukunft seines Gewerbes sieht er angesichts der Erfolge von TV-Satire optimistisch.

"Alles Lüge – kannste Glauben!" – so heißt das aktuelle Programm des Kabarettisten Martin Buchholz – das 35. in 35 Jahren. In seinem Stammhaus bei den Berliner Wühlmäusen und auf Tour durch die Republik nimmt der gelernte Journalist wie gewohnt mit flottem Tempo, ausgeklügelten Wortspielen und kunstvoller Textakrobatik die politischen Verhältnisse auseinander.

Auch wenn viele über den Zustand des deutschen Kabaretts und den Mangel an Nachwuchs jammern, sieht Buchholz doch auch positive Entwicklungen:

"Immerhin gibt es ja im Fernsehen heute sehr mutige Sachen, die früher unmöglich gewesen wären – ich denke da natürlich besonders an die Anstalt im ZDF. Aber auch die Heute Show ist ja eine Satire-Sendung, die erstaunlichen Erfolg hat. Also es ist da schon ein Trend vorhanden."

Vom Journalismus zur Satire

Angefangen hat Buchholz gleich nach der Schule als Journalist bei der Berliner Zeitung "Der Abend". Es folgten Arbeitseinsätze bei "Spiegel" und "Stern", viele Jahre beim "Extra-Dienst", dem Presseorgan der APO und eine Autorentätigkeit für Wolfgang Neuss, die er noch gut in Erinnerung hat:

"Die ganze 68er-Geschichte – da war heftig was los, nicht nur an den Universitäten. Das war eben eine sehr, sehr spannende Zeit – und da habe ich dann dreizehn Jahre lang mitgemacht. Irgendwann, nachdem Wolfgang Neuss meine Texte schon mal gesprochen hatte, hab ich gedacht, das kannste auch selber machen und bin dann auf die Bühne gegangen."

Mehr Gelassenheit im Ruhestand

So begann seine Tätigkeit als Kabarettist, der dann alles andere Platz machte. Doch wird diesem kein weiteres Programm mehr folgen: "das alte Schlachtross der Politsatire" geht in den Ruhestand und kann sich nunmehr in aller Gelassenheit dem Bücher-Schreiben, dem Reisen und vor allem dem Gärtnern widmen. Und er freut sich, nicht mehr unter Produktionsdruck zu stehen:

"Für mich ist es auch mal reizvoll, morgens die Zeitung aufzuschlagen und mal laut 'Scheiße' zu brüllen, ohne dass ich überlegen muss, wie setzt du das jetzt satirisch um? Wie kannst du auf den Wahnsinn noch einen raufsetzen?"

Wie seine Schülerzeitung von alten Nazi-Lehrern verboten wurde, wie er als alt-linker Berliner im Vorerzgebirge lebt, und weshalb er bei Wolfgang Neuss immer erstmal gelüftet hat - darüber spricht Buchholz mit Klaus Pokatzky in der Sendung "Im Gespräch" im Deutschlandfunk Kultur.

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