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Donnerstag, 22.02.2018
 
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Tonart | Beitrag vom 05.02.2018

Der Halbzeitauftritt beim Super BowlTimberlake verpasst zwei Chancen

Jens Balzer im Gespräch mit Mascha Drost

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Justin Timberlake bei seiner Halbzeitshow beim Super Bowl 2018 (Elizabeth Flores / imago/ZUMA Press)
Halbzeitshow beim Super Bowl LII: Justin Timberlake (Elizabeth Flores / imago/ZUMA Press)

Justin Timberlake hat die Halbzeit-Show des Super Bowl bestritten – zum zweiten Mal nach dem berühmt gewordenen "Nipplegate" vor vierzehn Jahren. Er lässt eine Chance aus, da sein Auftritt misslingt, und eine zweite, weil er nicht auf Janet Jackson Bezug nimmt.

Eine Milliarde Menschen sollen in der Nacht zugesehen haben, beim Super Bowl, dem US-Sportereignis schlechthin, in dem auch die Halbzeit geradezu zelebriert wird – mit Aufritten großer Musikstars. 

Mitunter werden die Shows ja auch zu explizit politischen Botschaften genutzt: Beyoncé 2016 in einem Black-Panther-Kostüm, Lady Gaga sang 2017 unter anderem einen Song von Woody Guthrie. In diesem Jahr hat Justin Timberlake in der Halbzeit gesungen.

Politische Botschaften

Einer der eine Milliarde Zuschauern war Jens Balzer. Er sagt auf die Frage, ob man von Timberlake politische Botschaften habe erwarten können: 

"Erst mal nicht. Aber andererseits hätte man vor zwei Jahren von Beyoncé diese Art der politischer Botschaft auch nicht erwartet. Wir hatten beim Super Bowl auch Künstler, die wirklich ganz stark über sich herausgewachsen sind." 

Die Sängerin Janet Jackson bedeckt am 1.2.2004 bei der Show in der Halbzeitpause des Super Bowl ihre rechte Brust, die beim Duett mit US-Sänger Justin Timberlake sichtbar geworden ist. Timberlake hatte ihr das Bustier heruntergerissen - natürlich unabsichtlich.  (EPA)Janet Jackson und Justin Timberlake: "Nipplegate" mit negativen Folgen nur für sie. (EPA)

Balzer erinnert auch an die Halbzeitshow beim Super Bowl vor vierzehn Jahren, mit Timberlake und Janet Jackson und dem als "Nipplegate" berühmt geworden Zwischenfall, als Timberlake im Eifer der Aktion kurzzeitig eine Brustwarze von Jackson entblößte, was sich zu einer riesigen Affäre ausweitete. 

"Das klingt jetzt für unsere Ohren vielleicht mittlerweile gar nicht mehr so irre, weil wir ja auch in so ein puritanisches Zeitalter wieder reinsteuern in Deutschland. Aber eigentlich hätte man es nicht erwartet, dass es einen derartigen Skandal geben wird."

Nipplegate zeigt Ungleichbehandlung

Seitdem wird die Show mit fünf Sekunden Verzögerung gesendet, falls mal wieder so etwas passiere, dass man eine Schwarzblenden reinbringen kann.

"Das Entscheidende ist aber, dass Justin Timberlake von dieser ganzen Sache gar nicht wirklich beeinträchtig war im weiteren Verlauf seiner musikalischen Karriere; dass aber Janet Jackson das als ernsthaften Knick in ihrer Laufbahn erfahren musste. Die wurde von MTV aus dem Programm geworfen und von VH1, dem Schwestersender. Ganz viele Radiostationen haben ihre Lieder gebannt, also ob sich selber den BH runtergerissen hätte – und der eigentliche Akteur, wenn man so will, Justin Timberlake, ging da völlig unbeschadet heraus."

Balzer fährt fort:

"Insofern ist auch schon ein ganz krasses Beispiel für die Ungleichbehandlung von Männern und Frauen in der Kulturindustrie. Jetzt hätte man vielleicht schon gedacht, wenn Timberlake da mal wieder auf der Bühne steht, dass er darauf irgendwie Bezug nimmt, zumal er in alle den vierzehn Jahren keine Gelegenheit wahrgenommen hat, um jemals auf diese Ungleichbehandlung hinzuweisen oder Janet Jackson in Schutz zu nehmen vor."

Bei der diesjährigen Ausgabe habe er Bezug genommen, indem er das Stück spielte, bei der damals diese BH-Fehlfunktion passierte, und eben auch wieder nicht, sagt Balzer:

"Er hat das Stück 'Rock your Body' das Stück, gespielt, gleich als zweites in diesem kurzen Medley, das er aufgeführt hat; aber ohne in irgendeiner Weise auf Janet Jackson Bezug zu nehmen. Er hat's angedeutet, man hätte was erwarten können, und dann hat er sich rausgestohlen."

Insgesamt enttäuschende Show

Insgesamt fand Balzer die Show enttäuschend. Timberlake habe mit dem einzigen Lied an diesem Abend von seiner neuen Platte begonnen, mit "Filthy", in dem er sich viel beklage, dass er so gehasst werde, und will seinen Hatern Paroli bieten. Balzer findet:

"Ein ganz komischer, beleidigter Ton."

Und auch insgesamt wird die Timberlake-Show wohl nicht als Glanzlicht in die Annalen der Super Bowl-Halftime eingehen.

"Der ganze Auftritt hat nicht funktioniert."

Statt Liedern von der neuen Platte – er wolle den Flop wohl schnell vergessen, mutmaßt Balzer – brachte Timberlake seine großen Hits: "Sexy Back", "Suit and Tie", "Cry Me A River" und eben "Rock Your Body" – von Timberlake mit Marching Band, roboterhaft breakdancenden Disco-Tänzern oder allein am Flügel performt.

Das habe umso bizarrer gewirkt, weil er dazu sein neues Naturburschen-Outfit trug, also einen leicht vergammelt wirkenden Camouflage-Anzug und darunter ein Oberhemd mit dem Aufdruck eines röhrenden Hirschen.

"Er war wahrscheinlich der am schlechtesten angezogene Sänger, der jemals bei einer Super Bowl-Halftime aufgetreten ist."

(mf) 

Tonart

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