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Fazit / Archiv | Beitrag vom 03.12.2005

Der 6. Plopp!

Wettbewerb für freie Hörspielproduktionen

Von Jochen Meißner

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 Die Hörspielzentrale - im Theater Hebbel am Ufer (HAU2) ( Die Hörspielzentrale)
Die Hörspielzentrale - im Theater Hebbel am Ufer (HAU2) ( Die Hörspielzentrale)

Auf Einladung der Hörspielzentrale und Deutschlandradio Kultur findet auch in diesem Jahr Plopp! der Uraufführungswettbewerb der freien Hörkunstszene für Audioenthusiasten statt. Früher an die Woche des Hörspiels von ARD und Akademie der Künste gekoppelt, wird er diesmal im Berliner Theater Hebbel am Ufer veranstaltet.

Geräusche, Piep: " Zwischen Stuckenborstel und Bockel liegt eine Eisenstange auf der Fahrbahn – Zwischen Nörten Hardenberg und Nordheim Nord Gefahr durch einen Sonnenschirm auf der mittleren Fahrspur – Hier löst sich der Teerbelag von der Fahrbahn. "

Mit einer Montage aus Verkehrshinweisen des Deutschlandfunks hat Joachim Rohloff letztes Jahr den Plopp!-Wettbewerb gewonnen. Plopp!, das ist nicht nur das Geräusch, das bei unsachgemäßem Umgang mit dem Mikrophon entsteht, sondern seit sechs Jahren steht Plopp! für den publikumswirksamsten Wettbewerb für freie Hörspielproduktionen.

Seitdem bedeutet Plopp: "Public Listening Of Private Productions". Früher an die Woche des Hörspiels von ARD und Akademie der Künste gekoppelt, findet der Wettbewerb diesmal in Zusammenarbeit der Hörspielzentrale des Berliner Hebbel am Ufer mit dem Deutschlandradio statt.

Die Preisträger der vergangenen Jahre Antje Vowinckel, Claudia Weber, Robert Weber und Ina Kleine-Wiskott sind inzwischen auch in den ARD-Hörspielprogrammen keine unbekannten Namen mehr. Traditionell übernimmt der Vorjahressieger die Auswahl für den aktuellen Wettbewerb. Joachim Rohloff musste aus 131 Einsendungen mit einer Maximallänge von je 20 Minuten das Wettbewerbsprogramm zusammenstellen. Neun Stücke sind es geworden aus denen das Publikum seinen Favoriten wählt.

"Egberts Erpel": " Enten fressen gerne Erdbeeren. Elkes Ente fleht: "Geh Erpel, geh Erdbeeren stehlen Erst geht Egberts Erpel, jetzt rennt er, denn es regnet. "Erdbeeren, lecker", denkt er. Gegen Ende des Erdbeeressens erhebt Elkes Ente Bedenken. Wessen Erbeeren entwendete Egberts Erpel? Elkes Erdbeeren! Jetzt fehlen Elke Erdbeeren. Elke flennt."

Nur zweieinhalb Minuten lang ist "Egberts Erpel" und im genauen Gegensatz zu Georges Perec, der 1969 in seinem Roman "La disparition" vollständig auf das "e" verzichtete, setzen Carl-Peter Keller-Kuhlmann und Karin Braun einzig und allein auf diesen Vokal.

" Zwischen Stuckenborstel und Bockel liegt jetzt auch noch ein Auspuff auf der Fahrbahn. "

Brotich: " In unserer Reihe PaMgiK – Perlen abendländischen Musikgeschehens in Kürze bringen wir heute: Endlich die Wahrheit über Beethovens 5. Sinfonie. Hat Beethoven dies alles wirklich so gewollt? "

Nein, hat er nicht. Jedenfalls, wenn man Professor Brotichs Thesen folgt, der aus der Originalfassung der Beethovenschen Partitur erkennt, dass der große Komponist ein Mann der Reduktion war, und keiner der allzu viele Noten.

Brotich: " Dieses eigentliche Motiv wurde in unserer Zeit durch erfindungsreiche und genialische Ingenieurskunst am Leben gehalten und findet bis heute seinen klingenden Ausdruck als Türgong in den Klingelabteilungen der Baumärkte dieser Welt. "

"Endlich die Wahrheit über Beethovens 5. Sinfonie" von Clemens von Reusner parodiert einen vom Aussterben bedrohten Jargon im Kulturradio. Wobei die schlechte Aufnahmetechnik schon die Rezeption von Hochkulturgut über ein billiges Küchenradio vorwegnimmt.

" Zwischen Stuckenborstel und Bockel liegen jetzt zusätzlich noch eine Ölwanne und ein Lkw-Radkasten auf der Fahrbahn. "

"20.000": " Ich mache meine erste Rast. Von der lockeren Erddecke tropft das Wasser. Wasser scheint immer gleich groß zu sein, egal wie groß man selbst ist. "

"20.000 Nanometer unter der Erde" heißt Michael Ferschs Expedition in die Untiefen eines Blumentopfes und sein Held führt ein akustisches Protokoll seiner Abenteuer.

"20.000": " Ich glaube, irgendetwas hat mich geweckt. Schreie Ich kann nicht sagen, welches Tier das war, aber man kann es essen. Mir geht’s gut. "

So professionell produziert wie Michael Ferschs Hörmonolog sind sonst nur die Features beim diesjährigen Plopp!, denn erstmals wird auch in dieser Kategorie ein mit 1500 Euro dotierter Publikumspreis vergeben. 42 Einreichungen gab es für die dokumentarische Radiogattung, neun davon schafften es in den Wettbewerb – und manche davon klingen wie Hörspiele:

"Ohr im Kopf": " Ich werde Ihnen eine Geschichte erzählen. – It’s been said, that the test of a mans courage is how he performs in the face of danger. In the next hour you gone be the very unique breed of cat "

Fast ausschließlich mit Filmschnipseln erzählt Tim Müller von der Wahrnehmungsverschiebung, die eine temporale Blindheit verursacht hat. "Ohr im Kopf" heißt das Stück und nicht etwa "Kino im Kopf", obwohl diese schiefe Metapher hier endlich einmal passen würde.

"Ohr im Kopf": " Die Ärzte wussten nicht, ob meine Augen jemals wieder heilen würden. – Meine Ohren müssen meine Augen sein. – Ich hatte panische Angst. Ich fühlte mich so allein in dieser Finsternis. – Gesundheit – Ganz allmählich kroch das Tageslicht durch den Augenverband und eines Tages konnte ich wieder sehen, aber es hatte sich auch etwas in meinem Inneren geändert."

" Zwischen Kreuz Aachen und Aachen-Brand, Gefahr durch ein Rind am Fahrbahnrand. "

Wie jedes Jahr präsentiert sich beim Plopp! die Vielfalt der radiophonen Szene, die sich außerhalb der ARD entwickelt hat, aber künftig auch in den Programmen der ARD zu hören sein wird. Ausgewählte Stücke sendet das Deutschlandradio im Januar nächsten Jahres.

" Und hier noch ein Hinweis: Bitte folgen Sie den roten Punkten. Folgen Sie nicht den innerstädtischen Umleitungsstrecken. Folgen Sie nicht den orangefarbenen Pfeilen. Folgen Sie den roten Punkten. "

Mehr bei deutschlandradio.de

Externe Links:

Hebbel am Ufer: Plopp!

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