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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 01.10.2016

Depressionen"Wenn man an seiner Trauer fast erstickt"

Gäste: Psychiaterin Iris Hauth und Journalistin Heide Fuhljahn

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Ein Mann sitzt an einem Fenster und schaut raus (imago/stock&people/Thomas Eisenhuth)
Volkskrankheit Depressionen: Etwa fünf Millionen Menschen in Deutschland sind akut behandlungsbedürftig. (imago/stock&people/Thomas Eisenhuth)

Das Leben mit Depressionen ist knüppelhart, sagt Heide Fuhljahn. Die Journalistin spricht aus eigener Erfahrung: Seit ihrer Kindheit lebt sie mit der Erkrankung. Wir sprechen mit ihr und der Psychiaterin Iris Hauth über Wege aus der Krankheit.

Depressionen gehören zu den großen Volkskrankheiten und sind dennoch weit unterschätzt: Etwa fünf Millionen Menschen in Deutschland sind akut behandlungsbedürftig, jeder Fünfte erlebt mindestens einmal in seinem Leben eine depressive Phase. Eine große Zahl der jährlich 10.000 Suizide und ca. 150.000 Suizidversuche in Deutschland gehen auf eine nicht optimal behandelte Depression zurück. Daran erinnert der Europäische Tag gegen Depression am heutigen 1. Oktober.

"Der Alltag fühlt sich wie ein Marathonlauf an"

"Eine Depression bedeutet meist, dass das Leben knüppelhart wird", sagt Heide Fuhljahn. Die Journalistin lebt seit ihrer Kindheit mit Depressionen und hat über ihre Erfahrungen ein Buch geschrieben: "Kalt erwischt. Wie ich mit Depressionen lebe und was mir hilft". Sie weiß, wie es ist, "wenn man an seiner Trauer fast erstickt und der Alltag sich anfühlt wie ein Marathonlauf". Nach mehreren Klinikaufenthalten und jahrelangen Therapien kennt sie die Odyssee, die Betroffene oft durchmachen müssen, um eine adäquate Hilfe zu bekommen. Sie weiß aber auch, wie wichtig diese professionelle Hilfe ist. "Dass ich nicht mehr depressiv bin, verdanke ich meinen Freunden, der Therapie und den Medikamenten. Und einem Grund, der fürchterlich esoterisch klingt: Ich habe gelernt, mich so anzunehmen, wie ich bin."

"Depressionen treten in jedem Lebensalter auf, unabhängig von Geschlecht und sozialem Status", sagt Iris Hauth, Ärztliche Direktorin des Alexianer St. Joseph-Krankenhauses in Berlin. "Werden sie nicht rechtzeitig erkannt und konsequent behandelt, können sie chronisch werden. Bei schweren Depressionen besteht das Risiko des Suizids", mahnt die Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde.

Viele Betroffene gehen zu spät zum Therapeuten

Bei einer frühen Diagnose könne einem Großteil der Patienten erfolgreich geholfen werden. Viele Betroffene meldeten sich jedoch zu spät, weil sie Angst vor der Diagnose haben oder falsche Vorstellungen von den Therapiemöglichkeiten. Es gebe ein großes Misstrauen gegenüber Antidepressiva; diese Sorgen seien unbegründet. "Bestimmte Krankheitsbilder werden durch Psychopharmaka erst behandelbar, indem sie eine Basis für eine psychotherapeutische Behandlung und weitere Behandlungen wie Soziotherapie schaffen. Viele Betroffene profitieren von der Pharmakotherapie und können wieder am gesellschaftlichen Leben teilhaben."

Ihr Credo: "Keine Gesundheit ohne psychische Gesundheit."

Wenn die Seele leidet – Was tun bei Depressionen? Darüber diskutiert Matthias Hanselmann heute von 9:05 Uhr bis 11:00 Uhr mit Iris Hauth und Heide Fuhljahn. Hörerinnen und Hörer können sich beteiligen unter der Telefonnummer 00800 2254 2254, per E-Mail unter gespraech@deutschlandradiokultur.de – sowie auf Facebook und Twitter.

Literatur:

Heide Fuhljahn: Kalt erwischt. Wie ich mit Depressionen lebe und was mir hilft
Diana-Verlag, München 2013, 320 Seiten, 16,99 Euro

Am 12. September ist unter selbigem Titel ebenfalls im Diana-Verlag die Taschenbuchausgabe des Buches erschienen: Sie kostet 9,99 Euro

Informationen im Internet:
Über Iris Hauth

Anlaufstellen für Betroffene:
Die Deutsche Depressionshilfe 
Das Portal Psychenet

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