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Konzert / Archiv | Beitrag vom 28.11.2014

Debüt im Deutschlandradio KulturHöllensturm und Hörnerklang

Aufzeichnung aus der Philharmonie Berlin

Die Geigerin Diana Tishchenko beim ARD-Musikwettbewerb (Dorothee Falke)
Die Geigerin Diana Tishchenko beim ARD-Musikwettbewerb (Dorothee Falke)

Herausragende Nachwuchsmusiker erhalten vom Deutschlandradio Kultur die Chance, sich gemeinsam mit dem Deutschen Symphonie-Orchester in der Philharmonie Berlin zu präsentieren. Die fünf Debütanten kommen diesmal aus der Ukraine, Deutschland, Polen, Frankreich und den USA.

Die ukrainische Geigerin Diana Tishchenko hat sich für ihren ersten Auftritt in der Philharmonie Berlin das erste Solokonzert von Dmitrij Schostakowitsch ausgesucht. Eine seltene Gelegenheit zum Zusammenspiel bietet der Romantiker Robert Schumann gleich vier NachwuchshornistInnen - sein Konzertstück ist bis heute ein gern gespielter Solitär geblieben. Aus dem westpolnischen Lebuser Land, aus Sachsen, Thüringen und Frankreich stammen die vier Solisten. Durch den gesamten Abend führt der 27 Jahre alte New Yorker Dirigent Joshua Weilerstein. Er hat sich Tschaikowskys Dante-Fantasie "Francesca da Rimini" vorgenommen. Ob nun die imaginierten Höllenschlünde des italienischen Dichters oder die wahren Abgründe des Lebens unter dem Diktator Stalin - beides sind und waren Themen russischer Musik.

Die Geigerin Diana Tishchenko wurde auf der Insel Krim in der Ukraine geboren. Seit 2010 studiert sie bei Ulf Wallin in Berlin. Außerdem nahm sie an Meisterkursen bei Rainer Kussmaul, Ana Chumachenko und Menahem Pressler teil. Im Herbst 2013 war sie Finalistin beim Internationalen Musikwettbewerb der ARD und wurde mit dem Preis für die beste Interpretation des zeitgenössischen Werkes und dem Sonderpreis des Münchner Kammerorchesters ausgezeichnet. 2012 gründete sie zusammen mit Joachim Carr (Klavier) und Kajana Packo (Violoncello) das Trio Korngold, das bereits ein Jahr später den Boris Pergamenschikow Preis für zeitgenössische Kammermusik erhielt. Im Frühjahr 2014 erspielte sich die Geigerin zusammen mit Joachim Carr den 1. Preis beim Kammermusik-Wettbewerb in Lyon. Seit 2011 ist sie auch Konzertmeisterin im Gustav Mahler Jugendorchester. Diana Tishchenko spielt eine Geige von Lorenzo Storioni (Cremona 1781), die ihr von der „Deutschen Stiftung Musikleben" zur Verfügung gestellt wird.

Der Hornist Maciej Baranowski wurde 1989 im polnischen Zielona Góra geboren. Im Jahr 2007 wechselte er an die Universität der Künste in Berlin, an der er bis heute von Christian-Friedrich Dallmann unterrichtet wird. Maciej Baranowski spielte bereits beim Schleswig-Holstein-Musikfestival, bei der Bachakademie Stuttgart, dem Mahler Chamber Orchestra, der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen, dem hr-Sinfonieorchester und beim Konzerthausorchester Berlin. Von 2011-13 war er Mitglied der Karajan-Akademie der Berliner Philharmoniker. Maciej Baranowski hat zahlreiche internationale Preise gewonnen, u.a. den zweiten Preis beim 47. Internationalen Instrumentalwettbewerb in Markneukirchen (2012).

Peter Müseler wurde 1988 in Suhl geboren. Nach dem Gewinn eines Stipendiums beim Deutschen Musikwettbewerb und dem 3. Preis des International Performers Competition Brno im Jahr 2011, wurde er im Mai 2012 mit dem 1. Preis beim Internationalen Instrumentalwettbewerb Markneukirchen ausgezeichnet. Zu seinen Lehrern zählten Reiner Heimbuch und Robinson Wappler am Musikgymnasium Belvedere in Weimar sowie Christian-Friedrich Dallmann an der Universität der Künste Berlin. Dort schloss Peter Müseler im Jahr 2013 sein Diplom mit Bestnote ab. Neben seiner Tätigkeit als stellvertretender Solo-Hornist bei den Bamberger Symphonikern absolviert Peter Müseler zur Zeit ein Masterstudium in Dresden bei Robert Langbein.

Der französische Hornist Bertrand Chatenet wurde 1990 geboren. Er studierte bei Jérome Rouillard (Horn), sowie Paul Meyer und Eric Lesage (Bläserquintett) am Konservatorium in Paris (CRR). Im Jahr 2009 wurde Bertrand Chatenet Schüler von Erich Penzel, Christian Lampert und Christoph Eß an der Musikhochschule Stuttgart. Seit 2013 studiert er bei Christian-Friedrich Dallmann und Sebastian Posch an der Universität der Künste in Berlin. Seit 2010 sammelte Bertrand Chatenet zahlreiche Erfahrungen in renommierten Orchestern, zumeist als Solohornist. Zwischen September 2013 und Januar 2014 war Bertrand Chatenet Akademist der Berliner Staatskapelle. Seit Februar 2014 hat er einen Zeitvertrag als Solohornist bei diesem Orchester.

Die Hornistin Juliane Grepling wurde 1988 bei Leipzig geboren. Sie studierte bei Thomas Hauschild an der Musikhochschule Leipzig und bei Christian-Friedrich Dallmann an der Universität der Künste in Berlin. Sie ist mehrfache Bundespreisträgerin des Wettbewerbs „Jugend musiziert" und des Alice-Samter-Kammermusikwettbewerbs der UdK Berlin 2010. Juliane Grepling spielte in der Jungen Deutschen Philharmonie, ebenso in verschiedenen Kammer- und Barockorchestern, zum Teil auch auf historischen Instrumenten. 2010-2012 war sie Solohornistin an der Komischen Oper Berlin und spielt seit August 2013 im Gewandhausorchester Leipzig. Seit 2004 konnte man sie regelmäßig als Solistin erleben, u.a. in Leipzig, Berlin, Würzburg, Frankfurt/Main, Rostock, St. Petersburg und Münster.

Der Dirigent Joshua Weilerstein studierte am New England Conservatory in Boston. Seine Ausbildung schloss er 2011 mit einem zweifachen Master ab: im Fach Dirigieren bei Hugh Wolff und im Fach Violine bei Lucy Chapman. In den Sommern 2009 und 2010 arbeitete er mit David Zinman beim Aspen Music Festival, im Sommer 2012 kehrte er als Dirigent des Festivalorchesters dorthin zurück. Im Jahr 2009 gewann Weilerstein beim Malko Wettbewerb für junge Dirigenten in Kopenhagen sowohl den Ersten Preis als auch den Publikumspreis. Seitdem hat er zahlreiche skandinavische Orchester dirigiert. Weitere Engagements führten ihn an das Teatro San Carlo in Neapel, zum BBC Symphony, zum Los Angeles Philharmonic und zu wichtigen französischen und kanadischen Orchestern. Im Mai 2011 wurde Weilerstein einer der beiden Assistant Conductors beim New York Philharmonic und gab sein Debüt mit diesem Orchester im Oktober 2013.

Dmitrij Schostakowitsch: Konzert für Violine und Orchester Nr. 1 a-moll

Im Januar 1948 forderte der Parteifunktionär Andrej Shdanow bei einer Musikkonferenz im Zentralkomitee der KPdSU eine volkstümliche Musik für die Massen und kritisierte dabei mehrere prominente sowjetische Komponisten scharf. Schostakowitsch arbeitete gerade an seinem ersten Violinkonzert, das er im Juli 1947 begonnen hatte. Da der Komponist aber ahnte, dass dieses Werk ebenfalls abgelehnt werden würde, ließ er es unaufgeführt in seiner Schublade liegen. Erst nach Stalins Tod wagte er 1955 die Uraufführung – mit der Opuszahl 99, denn das Konzert sollte als brandneue Schöpfung gelten. Schostakowitschs Zweifel und Ahnungen waren berechtigt, denn tatsächlich widerspricht sein Werk in vielen Punkten den Erwartungen an ein klassisches Solokonzert. Erst am 29. Oktober 1955 fand die Leningrader Uraufführung mit dem Solisten David Oistrach statt. Nur zwei Monate später wiederholte der große Geiger das Werk in der New Yorker Carnegie Hall. Es sollte aber noch mehrere Jahre dauern, bis dieses Violinkonzert korrekt datiert und mit der Opuszahl 77 versehen wurde. Erst dann durfte das breite Publikum erfahren, dass diese Komposition nicht der Nach-Stalin-Zeit entstammte, sondern Schostakowitsch mit ihr vielmehr 1947 und 1948 auf damalige Repressionen reagiert hatte.

Robert Schumann: Konzertstück für vier Hörner und großes Orchester F-Dur

Für Julius Schlitterlau, den hervorragenden Hornisten der Dresdner Hofkapelle, schrieb Robert Schumann Anfang 1849 sein Adagio und Allegro op. 70 für Klavier und Ventilhorn, dessen brillanter Bläserpart bis heute als Herausforderung gilt. Clara Schumann, die mit Schlitterlau ihrem Mann das neue Stück vorspielte, lobte es als »prächtig, frisch und leidenschaftlich«. Dadurch angespornt, nahm Schumann unmittelbar danach sein Konzertstück für vier Hörner und Orchester in Angriff. Er dachte dabei an Schlitterlau und dessen Dresdner Kollegen, die die neue Komposition im Oktober 1849 mit Klavierbegleitung ausprobierten. Die öffentliche Uraufführung mit Orchester fand im Februar 1850 statt, allerdings mit Hornisten des Leipziger Gewandhausorchesters. Wie das zunächst ebenfalls als »Konzertstück« bezeichnete Cellokonzert Schumanns, ist auch sein Konzertstück für vier Hörner und Orchester ein vollgültiges Konzert in der klassischen Dreisätzigkeit. Schumann zählte dieses Konzertstück zu seinen besten Kompositionen. Dass man es dennoch so selten hört, liegt an den außergewöhnlichen technischen Schwierigkeiten der Soloparts.

Peter Tschaikowsky: Orchesterfantasie ›Francesca da Rimini‹

Für einen viel interessanteren Stoff als Wagners ›Ring‹ hielt Peter Tschaikowsky ›Die Göttliche Komödie‹ von Dante Alighieri, die er auf einer Bahnfahrt von Lyon nach Bayreuth in einer von Gustave Doré illustrierten französischen Ausgabe gelesen hatte. Besonders faszinierte ihn die tragische Liebesgeschichte der Francesca da Rimini aus dem 5. Gesang des ›Inferno‹. Ausgehend von einem tatsächlichen Ereignis, schilderte Dante hier das Schicksal dieser Patriziertochter, die den grausamen Gianciotto Malatesta heiraten muss, obwohl sie dessen jüngeren Bruder Paolo liebt. Als Francescas Gatte die Liebenden bei einem Kuss entdeckt, tötet er beide. Wegen ihrer verbotenen Liebe müssen beide danach außerdem noch Höllenstrafen erleiden. In seiner noch im Oktober 1876 vollendeten Orchesterfantasie widmete sich Tschaikowsky diesen Höllenqualen, wobei er besondere Mühe darauf verwandte, den von Doré gezeichneten Höllensturm in Klang umzusetzen. Diese 1877 in Moskau uraufgeführte Komposition hat die Hörer nicht zuletzt wegen ihrer drastischen Klangeffekte beeindruckt.

(aus den Werkkommentaren von Albrecht Dümling)

 

Das Programmheft zum Nachlesen

 

Philharmonie Berlin

Aufzeichnung vom 26. November  2014

 

Dmitrij Schostakowitsch

Konzert für Violine und Orchester Nr. 1 a-moll op. 77

 

ca. 20:50 Uhr Konzertpause, darin:

Olga Hochweis im Gespräch mit Diana Tishchenko, Juliane Grepling und Joshua Weilerstein

 

Robert Schumann

Konzertstück für vier Hörner und großes Orchester F-Dur, op. 86

 

Peter Tschaikowsky

„Francesca da Rimini" für Orchester e-moll, op. 32
Fantasie nach dem V. Gesang des 'Inferno' aus Dantes 'Göttlicher Komödie'

 

Diana Tishchenko, Violine
Maciej Baranowski, Horn
Peter Müseler, Horn
Bertrand Chatenet, Horn
Juliane Grepling, Horn
Deutsches Symphonie-Orchester Berlin
Leitung: Joshua Weilerstein

 

Konzert

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