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Fazit / Archiv | Beitrag vom 06.06.2017

Debatte um Humboldt-Forum"Zweifel"-Schriftzug und Kreuz auf das Berliner Schloss?

Arno Brandlhuber im Gespräch mit Sigrid Brinkmann

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Links der "Zweifel" Schriftzug. Rechts ein Modell des Berliner Stadtschloss. (imago / Andreas Praefcke / Collage: Deutschlandradio)
Auf der Modellkuppel thront das Kreuz, auf der echten noch nicht. (imago / Andreas Praefcke / Collage: Deutschlandradio)

Soll auf das neugebaute Berliner Stadtschloss neben dem historischen Kreuz auch der Schriftzug "Zweifel", der auf dem Palast der Republik vor dessen Abriss stand? Diesen Vorschlag findet der Architekt Arno Brandlhuber interessanter als die vorherige Debatte um das Kreuz.

Seit Kurzem ist klar, dass ausreichend Geld durch Spenden zusammen getragen wurde, um die Kuppel des Berliner Schloss-Neubaus gemäß ihrem historischen Vorbild mit einem Kreuz auszustatten. Der Bau soll das Humboldt-Forum beherbergen, versteht sich als "Prisma der Weltkulturgeschichte".

Viele wollen jedoch kein Kreuz auf dem Dach das Gebäudes sehen: Die Berliner Linke und die Grünen lehnen es kategorisch ab, Kultursenator Klaus Lederer (Linke) hält es für einen Anachronismus, andere haben eine Kombination religiöser Symbole oder gar ein Mikroskop vorgeschlagen - schließlich waren die Humboldts auch Wissenschaftler.

Die drei Gründungsdirektoren Hermann Parzinger, Neil McGregor und Horst Bredekamp verteidigen Kuppel und Kreuz hingegen und argumentieren, der historische Entwurf von Kuppel und Kreuz sei ein architektonisches Meisterwerk. In einem Beitrag für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" vom Dienstag schlugen sie nun zudem vor, neben dem Kreuz auch den riesigen Schriftzug "Zweifel" auf dem Gebäude zu installieren. Die acht mal vierzig Meter große Installation "Zweifel" des norwegischen Künstlers Lars Ramberg leuchtete einst auf dem Palast der Republik, als über den Abriss des einstigen DDR-Gebäudes auf dem Berliner Schlossplatz diskutiert wurde. 

Das Wort "Zweifel" steht in Neon-Buchstaben auf dem Dach des ehemaligen Palastes der Republik in Berlin. Der Künstler Lars Ramberg hat den Schriftzug entworfen und installiert. (picture alliance / dpa / Jens Kalaene)Das Wort "Zweifel" steht in Neon-Buchstaben auf dem Dach des ehemaligen Palastes der Republik in Berlin. Der Künstler Lars Ramberg hat den Schriftzug entworfen und installiert. (picture alliance / dpa / Jens Kalaene)

In Berlin hätten der Zweifel als Kernelement der preußischen Aufklärung und das Kreuz als christliches Hoheitszeichen lange zusammengewirkt, schrieben die Gründungsintendanten. Zusammen mit dem Kreuz könne das Logo die Botschaft des Humboldt Forums vermitteln, die Welt nicht nur aus dem eigenen Blickwinkel zu betrachten.

Ist das Schloss als Symbol überhaupt tragfähig?

Der Architekt und Stadtforscher Arno Brandlhuber zeigte sich im Deutschlandfunk Kultur "erfreut" über den Vorschlag der Gründungsintendanten des Humboldt-Forums. Er sei "viel erhellender als diese ganze Debatte um das Kreuz selbst".

Er sei sehr begeistert, so der Schloss-Gegner, "dass endlich diese Zweifel an dieser ganzen Programmierung dieses Humboldt-Forums erstmalig so offen von Bredekamp und den anderen genannt" worden seien.

"Vielleicht müsste man die Symbolpolitik, die hier verhandelt wird, sowohl mit dem Schloss selbst, mit dem Kreuz mit dem Schriftzug 'Zweifel' viel weiter sehen, dass diese Debatte jetzt eigentlich nur noch eine letzte Spitze einer Diskussion ist, um eine ungefüllte Nutzung für das Humboldt-Forums selbst."

Bredekamp sagte weiter:

"Ich glaube, dass die Debatte um das Kreuz eine Nebendebatte ist. Die eigentliche Frage ist doch, ob das Hauptsymbol, das Schloss, überhaupt tragfähig ist."

Es mache wahrlich keinen großen Unterschied, ob das Schloss mit Kreuz oder ohne rekonstruiert werde, sagte Brandlhuber.

(ahe/abr)

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