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Dienstag, 21.11.2017

Nachspiel / Archiv | Beitrag vom 14.05.2017

Das smarte Fahrrad Schöne neue Fahrradwelt

Von Anja Röbekamp

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Ein Fahrradfahrer nutzt in Berlin eine Busspur auf dem Kurfürstendamm (imago stock&people / Stefan Zeitz)
Kampf um den öffentlichen Raum: Ein Fahrradfahrer auf einer Busspur (imago stock&people / Stefan Zeitz)

Fahrrad fahren ist schon lange wieder in Mode - besonders in Städten steigen immer mehr Menschen aufs Rad. Das bringt einige Herausforderungen für die Städte mit sich. Können Apps helfen?

Das Fahrrad, zeitlos modern auch zum 200. Jubiläum. Radsport war von Anfang an eine feste Größe bei den Olympischen Spielen der Neuzeit. Jetzt folgt ein neuer Technologie-Schub: Das Rad wird smart.

"Der 'Bikelogger' hat einen internen Speicher und damit zeichnet er alle zwei Sekunden die Geschwindigkeit, Trittfrequenz und Fahrdistanz auf."

In der schönen neuen Fahrrad-Welt werden virtuelle Rennen gefahren und das Rad hat ein Cockpit, das neben der Strecke auch den aktuellen Puls und Kalorienverbrauch des Fahrers anzeigt. Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur diskutiert die ökologische "Stadt von morgen" auf dem "Nationalen Radverkehrskongress". Zukünftig wird das Fahrrad auch mit intelligenten Ampeln vernetzt sein. Und natürlich mit den autonom fahrenden Autos.

Zurück in die Gegenwart: die ist von Autos und deren Straßen geprägt. Nicht nur der Radler als Verkehrsteilnehmer, auch der Radsport trifft dort auf Hindernisse. Häufig wird es eng, gefährlich eng auf der Straße. Der Platz im öffentlichen Raum ist umkämpft.

"Wir sind ja die sogenannte offizielle Sportmetropole, insgesamt ist es aber so, dass der Alltag dann immer zeigt, es ist zwar schön dass wir so ein Label haben, aber wir sind ja nicht der einzige Sportverband der diese Probleme hat, dass eine olympische Sportart tatsächlich von Behörden verdrängt wird aus der Stadt."

Ralf Zehr, Präsident des Berliner Radsport Verbandes, bekam zu hören: "Macht doch euren Sport am Stadtrand!". Er sieht darin ein strukturelles Problem in der Hauptstadt und vermisst die Dialogbereitschaft beim Senat. Die fordern auch Radaktivisten ein: Zwar gibt es seit dreizehn Jahren eine Radverkehrsstrategie für Berlin - aber passiert ist bisher viel zu wenig.

Nicht ganz ungefährliche Manöver im städtischen Verkehr

Auch das Umweltbundesamt weiß abstrakt von dem Radfahrer als umweltfreundlichen Verkehrsteilnehmer, verkennt aber die konkreten Szenarien. Maria Krautzberger, Präsidentin des Umweltbundesamtes:

"Ich glaube, das Gros der Radverkehrsteilnehmer findet sich in den Städten und da stellen wir schon fest, dass es sowohl an Image gewonnen hat aufgrund neuer Entwicklungen, auch bei den Fahrrädern selbst, als auch die Erkenntnis einfach da ist, dass man mit dem Rad gut und schnell durch die Stadt kommt, und dass es auch sehr bequem ist mit dem Rad durch die Stadt zu fahren."

Das sieht der im Fahrrad-Pulk an der Ampel wartende Hauptstädter sicher anders. Da wird nicht aus sportlichem Ehrgeiz um die Pole Position gekämpft, sondern in dem Bemühen, mit nur einer Grünphase über die Kreuzung zu kommen und dem Radstau zu entfliehen. Solche Manöver sind natürlich nicht ungefährlich. Nicht ohne Grund wirbt in Berlin die Initiative "Volksentscheid Fahrrad" für ein Gesetz, dass endlich sicheres und komfortables Radeln in der Stadt ermöglichen soll.

Bis dahin gilt nicht nur auf Berlins Straßen, dass der Radlerpuls eher durch Stress als durch sportliche Belastung steigt. Da könnte eine weitere App dem Radler helfen. "Fit fürs Rad" machen soll sie, und liefert Konditions-Übungen für Rumpf und Beine.

Möglichst viele Menschen zum Radfahren animieren 

Gezielter Muskelaufbau für den Radfahrer also. Als Präsident eines Sportverbandes, der auf zahlende Mitglieder setzt, findet Ralf Zehr das natürlich nicht so gut. Man könne da auch viel falsch machen, fürchtet er, gerade im Radsport brauche es individuelle Anleitungen und das könnten echte Trainer besser. Er möchte lieber möglichst viele Menschen überhaupt zum Radfahren animieren:

"Steigt aufs Fahrrad, ob ihr in einem Verein seid oder nicht, es ist wichtig, wir haben ja auch das Radgesetz, was jetzt in Angriff genommen wird hier in Berlin, insofern, jeder der Rad fährt tut auch etwas für den Radsport, weil das Fahrrad ist ein wichtiges Thema."

Ein wichtiges Thema – das wird wohl auch in Zukunft leider der Fahrraddiebstahl bleiben. Vielleicht hilft der Diebstahlalarm, den die App aufs Telefon sendet?

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