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Profil / Archiv | Beitrag vom 01.08.2013

Das Pop-Phänomen

Tim Bendzko im Porträt

Von Elmar Krämer

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"Ich habe mit elf Jahren beschlossen, Musik zu machen", sagt Tim Bendzko. (picture alliance / dpa / Philipp Szyza / HOCH ZWEI)
"Ich habe mit elf Jahren beschlossen, Musik zu machen", sagt Tim Bendzko. (picture alliance / dpa / Philipp Szyza / HOCH ZWEI)

Tim Bendzko gilt als ein Überflieger der deutschen Pop-Welt: Trotz seines noch jungen Alters von nur 28 Jahren nimmt ihm der Hörer seine doch recht erwachsenen Texte ab. Und diese Texte spielen auch für Bendzko selbst eine ganz besondere Rolle.

Ende 2011: Im Radio läuft "Nur noch kurz die Welt retten" von Tim Bendzko - aber wer ist dieser Tim Bendzko, der kurz zuvor Stefan Raabs "Bundesvision-Songcontest" gewonnen hat und dessen Song gefühlt aus jedem zweiten Lautsprecher schallt?

Telefonate, Mails - endlich ein Interviewtermin mit dem Musiker im Backstageraum vor einem Konzert in Berlin-Kreuzberg - soweit der Plan.

Musik: "Ich hab heut keine Zeit"

Das Interview wird abgesagt.

Eineinhalb Jahre später: Interview mit Tim Bendzko im Soho-Haus, einem exklusiven Berliner Club für alle, die in dieser Stadt erfolgreich "was mit Medien" machen.

Tim Bendzko wirkt entspannt, auch wenn er an diesem Tag schon diverse Interviews hinter sich hat. Kein Wunder: Sein Leben läuft genauso, wie er es sich als Kind in Berlin-Köpenick vorgestellt hat:

"Ich habe mit elf Jahren beschlossen, Musik zu machen aber ich habe nicht angefangen eine Band zu gründen, sondern hab‘ erst mal darüber nachgedacht und mir vorgestellt, wie es mal sein würde, es aber nicht de facto getan.

Wenn man am Vor-Sich-Hinträumen ist, dann stellt man sich ja kein Szenario vor in dem es geradeso funktioniert, sondern dann stellt man sich ja vor: Du kommst irgendwo hin, singst einmal und dann geht es durch die Decke."

Dass es eines Tages genau so sein wird, daran zweifelt Tim Bendzko schon in seiner Kindheit nicht - aber er will auch nichts überstürzen. Er singt gerne und ist sich sicher, dass seine Zeit kommen wird. Bis dahin besucht er ein Sportgymnasium und spielt Fußball beim 1. FC Union Berlin.

"Hab‘ das total gerne gemacht, und hab halt irgendwann aufgehört, weil das so viel Zeit gekostet hat und ich ja Musik machen wollte und dann hab ich irgendwann gesagt, jetzt ist auch mal gut.”"

Erst mit 15 Jahren greift er zur Gitarre. Im Internet sucht er sich die Akkorde seiner Lieblingssongs heraus und spielt und singt, wann immer es jemand hören will.

""Und irgendwann trug es sich folgendermaßen zu: Da war ich in einem Jugendclub und hab‘ einem Mädel was vorgespielt und das hat der Regisseur von einem Jugendtheaterstück gehört, und der hat dann gesagt: Tim, du musst die Musik für unser Theaterstück schreiben - und so hab ich zum ersten Mal Musik schreiben müssen.”"

Die Sachen "hätte man mir einfach nicht abgenommen"

In den folgenden Jahren schreibt er viele eigene Songs, nachdenkliche Lieder mit ambitionierten Texten.

""Die Sachen, die ich da geschrieben habe, die hätte man mir einfach nicht abgenommen. Da hätten alle gesagt, das hat jemand für ihn geschrieben oder ist nicht echt, weil es einfach nicht zu einem 18-Jährigen gepasst hat, so etwas zu schreiben."

Mit seiner Band tritt Tim Bendzko in seiner Heimatstadt Berlin bei privaten Feiern und in kleinen Clubs auf. Die Songs sind gut, aber das obligatorische "Demo-Tape", um bei einer Plattenfirma vorstellig zu werden, will Bendzko noch nicht auf den Weg schicken:

"Wenn ich das mache und das totaler Müll ist, dann brauch‘ ich nicht ein Jahr später wieder ankommen, weil, dann sagen die, das kenn ich schon, das war doch beim letzten Mal schon scheiße. Deshalb hab‘ ich gesagt, wir gehen an dem Tag zu einer Plattenfirma, wenn wir glauben, das ist gut genug."

Es ziehen einige Jahre ins Land. Bendzko hat mittlerweile sein Abitur in der Tasche, jobbt als Auktionator für Gebrauchtwagen und beginnt ein Studium: evangelische Theologie und nicht-christliche Religionen:

"In meiner Familie ist niemand religiös oder geht in die Kirche - ich hab‘ mich einfach dafür interessiert und ich finde, man kann sich auch für Dinge interessieren, ohne dass einen jemand dazu anregt."

Vielleicht ist es auch dem Studium zu verdanken, dass Bendzko Songs schreibt, deren Texte zu lesen sich lohnt. Dass viele seiner Lieder melancholisch und nachdenklich wirken, ist für ihn völlig logisch: Songs schreiben als eine besondere Art von Psycho-Hygiene:

"Wenn ich nicht gerade ein Lied singe oder eins schreibe, dann bin ich natürlich total entspannt und gut drauf, aber wahrscheinlich genau deshalb, weil ich das in Lieder packen kann. Das kann ich total gut in Liedern verarbeiten, wenn ich eine Sache habe, die mich beschäftigt."

Mit 24 gewinnt Tim Bendzko einen Talentwettbewerb der Söhne Mannheims und tritt bei deren Konzert vor 20.000 Zuschauern auf - jetzt ist die Zeit reif für eine Plattenfirma. Lange dauert es nicht, bis der Newcomer einen Major-Deal, einen Vertrag mit einer großen Plattenfirma, in der Tasche hat und für Elton John und Joe Cocker im Vorprogramm spielt.

Es geht Schlag auf Schlag: Echo als bester Newcomer, MTV Music Award, Doppelplatin und, und, und ... Angst, die Messlatte mit dem ersten Album zu hoch gelegt zu haben, hat Bendzko aber nicht:

"Man muss ja irgendwann auch mal genießen und sagen, guck mal, das hab‘ ich erreicht, und das wird mir am Ende des Tages auch niemals einer nehmen. Aber an dem Tag, an dem ich anfange zu glauben, das müsste ich immer überbieten, nehme ich mir das selbst, weil ich das dann selber nicht würdige, weil ich dann sage, ich bin nur gut, wenn ich das jetzt jedes Mal toppe - das ist totaler Schwachsinn."

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