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Weltzeit / Archiv | Beitrag vom 20.08.2012

Das gefährliche Leben von Frauen in Argentinien

Die Justiz in vielen südamerikanischen Staaten reagiert auf die Häufung von Frauenmorden hilflos

Von Julio Segador

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Blut am Tatort: Die Gefängnisstrafen für einen Frauenmord sind in Argentinien oft niedrig. (Stock.XCHNG / Ahmed Al-Shukaili)
Blut am Tatort: Die Gefängnisstrafen für einen Frauenmord sind in Argentinien oft niedrig. (Stock.XCHNG / Ahmed Al-Shukaili)

Alle 31 Stunden geschieht in Argentinien ein Frauenmord. Sechs von zehn getöteten Frauen wurden dabei von Männern aus ihrem engsten Umfeld ermordet. Es fehlt an öffentlichem Bewusstsein, das Gewalt gegen Frauen tiefgreifend ächtet und an der wirksamen Verfolgung der Taten durch die Justiz.

Für César Offidani, einen 26-jährigen Mann war das Opfer eine Trophäe. "Ich habe gewonnen Juan, ich hab sie dir weggeschnappt", stand auf dem Bauch der erst 14-jährigen Daiana García mit Kugelschreiber gekritzelt. Zuvor hatte César das Mädchen, das von Juan ein Kind erwartete, erwürgt.

Zuletzt stieg in dem Land die Zahl der Frauenmorde drastisch an. Eine Entwicklung, die auch im Begegnungshaus Adriana Marisel Zambrano in Buenos Aires mit großer Sorge beobachtet wird. Das Zentrum beschäftigt sich mit den Gewalttaten gegen Frauen. Fabiana Tuñez, die Leiterin des Begegnungshauses, macht in vielen Fällen ein ähnliches Muster aus.

"Die Gewalt gegen die Frauen ist nicht sofort da. Erste Anzeichen sind Eifersucht, Isolierung, die Herabsetzung der Frauen, dann kommen die ersten Schläge, für die sich die Männer oft entschuldigen. Aber nur beim ersten Mal. Das wiederholt sich dann, es wird auch immer schlimmer, bis hin zu einem fatalen Ende in vielen Fällen."

Das Begegnungszentrum in Buenos Aires trägt seinen Namen "Adriana Marisel Zambrano" nicht zufällig. Adriana ist eines der vielen Opfer von Frauengewalt. Sie wurde vor zwei Jahren vor den Augen ihrer Tochter von einem Bekannten umgebracht, nur weil sie sich weigerte, mit ihm eine Beziehung einzugehen. Der Mann tötete Adriana mit seinen Fäusten, berichtet Miriam Zambrano, die Schwester der Getöteten.

"Es war keine Krankheit, kein Unfall, er hat sie umgebracht, mit Schlägen. Er war viel größer als sie, meine Schwester war deutlich kleiner. Er hat sie am ganzen Körper verprügelt. Vom Kopf bis zu den Füßen. Und auf den Armen drückte er ihr Zigaretten aus. Überall hatte sie die Spuren der Schläge und Tritte."

Ein Gericht in Buenos Aires verurteilte den Totschläger zu lediglich fünf Jahren Haft, der Mann habe sein Opfer nicht umbringen wollen, erklärte der Richter. Das Urteil gegen den Mörder von Adriana ist kein Einzelfall, die Justiz reagiert auf die Häufung von Frauenmorden bisher weitgehend hilflos, nicht nur in Argentinien, in vielen südamerikanischen Staaten, moniert Michelle Bachelet. Die frühere chilenische Staatspräsidentin leitet inzwischen UN-Women, die Frauenorganisation der Vereinten Nationen.

"Was wir wollen ist, dass die Frauen auf verschiedenen Ebenen besser vertreten sind. Etwa bei der Polizei, damit Betroffene eher Vertrauen gewinnen und die Dinge auch offener erzählen. Bei der Justiz müssen mehr Frauen arbeiten, damit dort die weiblichen Probleme und Nöte auf mehr Verständnis stoßen. Frauen werden mit anderen Schwierigkeiten als Männer konfrontiert, also brauchen wir auch eine andere Politik und andere Gesetze, die klar gegen häusliche Gewalt vorgehen."

Die UN-Frauenorganisation will nun verstärkt die Rolle der Frauen in der Gesellschaft hervorheben und stärken. Gesetze allein würden die Probleme nicht lösen, erklärt Michelle Bachelet, die seit jeher als Vorkämpferin für mehr Frauenrechte gilt. Sie muss es wissen: 2006 war Michelle Bachelet die erste Frau in Südamerika, die zur Staatspräsidentin gewählt wurde.

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