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Thema / Archiv | Beitrag vom 26.10.2007

Das Fachblatt für Juristen

1947 erscheint die "Neue Juristische Wochenschrift" zum ersten Mal

Von Annette Wilmes

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Justitia-Statue in Frankfurt am Main (AP)
Justitia-Statue in Frankfurt am Main (AP)

Die NJW - die "Neue Juristische Wochenschrift" - ist die bedeutendste juristische Zeitschrift in Deutschland, an ihr kommt kein Jurist vorbei, ob als Rechtsanwalt, Notar, Richter oder Rechtspfleger. Und obwohl die Zeitschrift mittlerweile 60 Jahre alt ist, präsentiert sie sich ganz modern. Ihre Inhalte gibt es nicht nur im orange-roten Heft, sondern auch im Internet, auf Daten-DVD und als Hörbuch-CD.

Als die NJW 1947 gegründet wurde, standen gerade Juristen als Angeklagte vor einem amerikanischen Militärgericht – in einem der Nürnberger Kriegsverbrecherprozesse. Es ging um Verbrechen der Justiz im Dritten Reich.

"Die Vorwürfe waren ganz erheblich. Und die Ankläger und das Gericht waren auch in einem Maße schockiert, wie kaum im Hauptkriegsverbrecher-Prozess."

Ingo Müller, Professor für Strafrecht in Hamburg und Autor des Buches "Furchtbare Juristen".

"Dass diese Verbrechen, diese Justizverbrechen begangen wurden unter Benutzung des Rechts oder ganz pointiert ausgedrückt, wie es in dem Urteil steht, 'der Dolch des Mörders war unter der Robe des Juristen verborgen'. Dass ein Rechtssystem prostituiert wurde zu verbrecherischen Zielen, das ist noch eine neue, höhere Dimension des Unrechts."

10 der 14 angeklagten NS-Juristen wurden verurteilt, vier sogar zu lebenslanger Freiheitsstrafe. Nach wenigen Jahren waren sie jedoch wieder frei – denn in der Bundesrepublik wurde das NS-Unrecht nicht weiter aufgearbeitet, kein einziger Richter wurde für seine Untaten zur Rechenschaft gezogen.

Als im Oktober 1947 die "Neue Juristische Wochenschrift" zum ersten Mal erschien, berief sie sich auf die Tradition der "Juristischen Wochenschrift", der JW, in der Weimarer Zeit. Damals war die JW die auflagenstärkste juristische Zeitschrift der Welt. Nach 1933 jedoch wurde sie zum Organ des sogenannten "Rechtswahrerbundes", der nationalsozialistischen Organisation der Juristen. Die jüdischen Rechtsanwälte, führend in der juristischen Publizistik, wurden vertrieben und ermordet. Die juristischen Fachverlage wurden Opfer der Arisierung. Davon profitierten der Verlag Franz Vahlen - und der Verlag C. H. Beck, in dem die NJW seit 1949 erscheint.

Der Beck-Verlag hat lange gebraucht, bis er sich mit der NS-Geschichte befasste. Erst Ende der 1980er und in den 90er Jahren erschienen bei Beck Bücher über "Deutsche Juristen jüdischer Herkunft", über ihre Entrechtung und Verfolgung.

Die "Neue Juristische Wochenschrift" ist jetzt 60 Jahre alt. Heute sind wieder Anwälte federführend, ganz so wie in der ersten glanzvollen Zeit der Juristischen Wochenschrift, die seit 1872 bis 1933 vom Deutschen Anwaltverein herausgegeben wurde. In den ersten Jahrzehnten der Nachkriegszeit hatten vorwiegend verbeamtete Juristen in der NJW publiziert. Nicht wenige hatten eine problematische NS-Vergangenheit.

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