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Dienstag, 12.12.2017

Lesart | Beitrag vom 28.09.2017

Das erste Sams-WeihnachtsbuchPaul Maar malt kein Sams mehr

Paul Maar im Gespräch mit Frank Meyer

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Cover von "Das Sams feiert Weihnachten" mit Illustrationen von Nina Dulleck. (oetinger / Nina Dulleck)
Nicht Paul Maar selbst, sondern Nina Dulleck hat das neue Sams gezeichnet. (oetinger / Nina Dulleck)

Klein, dick, chaotisch und vorlaut: Das Sams erobert mit seinem anarchischem Charme seit 1973 die Herzen der Kinder. Jetzt erscheint das erste Weihnachtsbuch mit dem Sams, allerdings sind diesmal die Illustrationen nicht von Paul Maar.

Chaotisch, laut – und vor allem vorlaut – das ist das Sams. Mit seiner frechen Art stahl es schnell dem unscheinbaren und ziemlich schüchternen Herrn Taschenbier die Show. Doch eigentlich, so Paul Maar, sollte das Sams in dem Buch nur eine Nebenfigur sein.

"Das Sams war eigentlich gar nicht meine Hauptfigur, sondern, der Mensch, zu dem das Sams gekommen ist."

Alles nur nicht schön

Ein unsicherer und schüchterner Nachbar, neben dem Paul Maar als Kind gelebt hatte, lieferte die Vorlage für die Figur des Herrn Taschenbier. Um Herrn Taschenbier aus seinem langweiligen Alltag zu befreien, schickte Paul Maar ihm an einem Samstag das Sams vorbei. Als Herr Taschenbier es auf der Straße aufliest, ist es nackt und hat viele borstige Haare auf dem Rücken.

"Ich wollte zeigen, man kann auch ein hässliches Wesen, das nicht so hübsch ist, lieben und zum Freund haben."

Als geschlechtsloses Rüsselwesen mit unreiner Haut ist das Sams das absolute Gegenteil der gephotoshopten Instagram-Beauty. Trotzdem ist es auch heute immer noch bei Kindern beliebt. Manch ein Kind, das 1973 im ersten Sams-Buch gelesen hat, liest heute vielleicht sogar seinem Enkelkind daraus vor.

"Ich bin fest überzeugt, dass die Kinder an ähnlichen Stellen lachen, wie sie das vor 40 Jahren getan haben."

Gleicher Humor – neue Illustrationen

Trotzdem wird der Kinderbuch-Klassiker inzwischen neu bebildert – in Farbe. Mit "Das Sams feiert Weihnachten" erscheint erstmals ein neues Sams-Buch, in dem nicht Paul Maar selbst die Illustrationen gezeichnet hat. Sie stammen von der Künstlerin Nina Dulleck. Dass sie den Auftrag bekam, alle Sams-Bücher neu  zu illustrieren habe damit zu tun, erklärt Paul Maar, dass er selbst sich dafür zu alt gefühlt habe.

"Ich bin jetzt 80. Das heißt, den Rest meines Lebens hätte ich farbige Bilder bemalen sollen."

Als Illustrator freue er sich natürlich immer, wenn Sams-Fans ihn bitten, die alten Sams-Bücher zu signieren. Zugleich ist Paul Maar überzeugt, dass die neuen Illustrationen auch gut bei den Kindern ankommen werden.

"Vielleicht hat sich der Bildgeschmack oder  – wie soll ich sagen? – das grafische Bewusstsein bei den Kindern etwas geändert. Durch die vielen Mangas, die sie sehen, durch die Zeichentrickfilme wollen sie wahrscheinlich sogar lieber die Bilder von Nina Dulleck. Die eher in diese Richtung gehen. Meine Bilder sind etwas sperriger."

Paul Maar im Studio von Deutschlandfunk Kultur. (Deutschlandradio / Manuel Czauderna)Paul Maar im Studio von Deutschlandfunk Kultur. (Deutschlandradio / Manuel Czauderna)

Der Humor hingegen sei der gleiche geblieben, erklärt Paul Maar. Und eines sei klar, wer mit dem Sams Weihnachten feiere, der müsse sich auf Chaos gefasst machen.

"Das wird ganz bestimmt nicht sentimental. Denn ich werde das Sams Weihnachten feiern lassen und da hängen bestimmt keine Lichterketten am Baum, sondern Würstchenketten."

(mw)

Paul Maar: Das Sams feiert Weihnachten
Illustrationen von Nina Dulleck
Oetinger Verlag, 144 Seiten, 13,00 Euro

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