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Tonart | Beitrag vom 07.03.2018

DAM - palästinensischer Hip-Hop aus Israel"Jerusalem muss eine Stadt des Friedens sein"

Von Cornelia Wegerhoff

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Palästinenser bewaffenen sich  mit Steinen im Silwan-Viertel in Ostjerusalem am 22. September 2010. (epa / Jim Hollander)
"DAM" macht die Lage in Jerusalem musikalisch zum Thema. (epa / Jim Hollander)

Sie haben einen israelischen Pass, doch sie fühlen sich als Palästinenser wie Bürger zweiter Klasse: In ihren Song greifen die Musiker der Band DAM die Konflikte zwischen Israelis und Palästinensern auf.

Die englische "Jerusalem"-Hymne hat die Musiker von DAM inspiriert. Sie wurde schon vor 100 Jahren in Kirchen gesungen. Denn Jerusalem – das war für Gläubige einst eine Metapher für den "Himmel".

"Bringt mir meinen Bogen aus brennendem Gold", singt Maysa Daw wie im Original, aber mit typisch orientalischen Zwischentönen. Dann verfremden Soundeffekte ihre Stimme und die Rapper reden Klartext, passend zum harten Takt der arabischen Trommel.

"Der Jerusalem-Song entstand kurz vor Trumps Hauptstadt-Entscheidung. Der Song reflektiert, was wir denken, die Leute, die hier leben. Ich erklär das mal auf Arabisch."

Sänger Mahmood Jreri beschreibt die lange Besatzungsgeschichte Jerusalems. Auch britische Kolonialherren regierten schon die Stadt, wie historische Fotos im Musikvideo zeigen. Doch Jerusalem solle für jedes Volk und für jeden Glauben da sein, so der 34-Jährige. Wie alle vier Bandmitglieder von DAM hat er einen israelischen Pass, doch fühlt sich als Palästinenser nur wie ein Bürger zweiter Klasse.

Seit neuen Jahren beziehen die Musiker Stellung

"Jerusalem muss eine Stadt des Friedens sein, in der auch die palästinensischen Rechte geachtet werden. Das Lied ist gegen die früheren Kolonialherren und gegen die heutige israelische Herrschaft. Und natürlich sind wir auch gegen die Entscheidung von Trump, der im Weißen Haus in Amerika sitzt, tausende Meilen von Jerusalem entfernt, aber trotzdem die Macht und die Frechheit besitzt, über die Menschen in Jerusalem zu entscheiden."

Seit neun Jahren nehmen die Rapper von DAM auf musikalische Weise Stellung zum palästinenisch-israelischen Konflikt. "DAM" ist die Abkürzung für "Da Arabian MCs", hat aber noch eine zweite Bedeutung: "Dam" heißt sowohl auf Arabisch als auch auf Hebräisch "Blut". Dass in ihrer Heimat immer wieder Blut vergossen wird, hat die Musiker geprägt. Die Brüder Tamer und Suheel Nafer begannen vor zehn Jahren ihren Protest-Rap. Als Mahmood Jreri als Textschreiber dazu kam, entstand die Band.

"Wir haben angefangen, arabischen Hip-Hop zu kreieren, in Lod, unserer Heimatstadt, die im Zentrum Palästinas liegt, jetzt Israel genannt."

Formulierungen wie diese provozieren. Das hat Konsequenzen:

"Zum Beispiel werden wir nicht in israelischen Radioprogrammen gespielt. Da stehen wir auf der schwarzen Liste. Und auch die Stadtverwaltung in unserer Heimatstadt Lod hat uns verboten."

Leben zwischen Tradition und Moderne

Doch die Konzerte, auf denen DAM ansonsten auftritt, auch in Lod, sind bestens besucht. Die Tausenden palästinensischen Fans finden auch ihre inneren Konflikte in den Texten wieder. Es wird auf Englisch, Arabisch und Hebräisch gesprochen und gesungen.

"Who you are", heißt dieser Titel. Er erzählt vom Leben zwischen Tradition und Moderne, den familiären Pflichten und dem Wunsch nach Freiheit. Eine Freiheit, die für Palästinenser in Israel aber sehr eingeschränkt sei, so Mahmood Jreri.

"Wir werden anders behandelt als die Juden. Mir ist es zum Beispiel nicht erlaubt, ein Haus in Lod zu kaufen. Ja, wir haben vielen Probleme, aber wir glauben an unsere Rechte und wir kämpfen gegen Ignoranz und Rassismus, aber auf friedliche Weise durch Musik."

Auch Witz und Ironie haben dabei ihren Platz, so wie in diesem Song der palästinensischen Hip-Hop-Band aus Israel.

"Mama, ich hab schlechte Nachrichten", heißt es da. "Setz dich bitte. Ich habe mich in eine Jüdin verliebt …"

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