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Tonart | Beitrag vom 17.05.2017

Country-Sängerin Jade Jackson Country trifft Punk

Von Kerstin Poppendieck

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Der Steg und die Saiten einer "Martin SPD-16 Special Edition" glänzen im Sonnenlicht. Diese Westerngitarre ist ein von Johnny Cash lizenziertes Modell, von dem es weltweit nur zwei Exemplare gibt. (picture alliance / Maximilian Schönherr)
Das Country-Album "Gilded" von Jade Jackson erscheint am 19. Mai. (picture alliance / Maximilian Schönherr)

Punk und Country gehen durchaus zusammen, das beweist gerade die US-amerikanische Countrysängerin Jade Jackson mit ihrem Debütalbum "Gilded". Produziert hat es Mike Ness, Sänger der Punk-Band Social Distortion.

"Ohne Fernsehen, Internet und Videospiele aufzuwachen, hatte zur Folge, dass ich diese unglaublich blühende Fantasie und Kreativität entwickelt habe. Während andere Eltern ihre Kinder vor den Bildschirm gesetzt haben, war ich gezwungen, mich anders zu beschäftigen. So bin ich zur Musik gekommen. Ich hab mich ans Klavier gesetzt oder Alben gehört, wenn mir langweilig war."

Langweilig war Jade Jackson oft, vor allem als Teenager. Aufgewachsen ist sie in Santa Margarita, einer Kleinstadt in Kalifornien, circa 1300 Einwohner. Das jährliche Highlight ist eine Blumenshow. Clubs oder Konzerthallen – gibt es nicht. Und eben auch keine mediale Ablenkung, weil die Eltern sich bewusst gegen TV und Internet entschieden haben. Und so fing Jade Jackson an, Lieder zu schreiben und hatte mit 17 eine Sammlung von über 300 Songs. Die wichtigste Inspirationsquelle dabei war die Plattensammlung des Vaters, der eine Vorliebe für Country und Rock hat.

"Hank Williams und The Smiths gehören zu den Lieblingsmusikern meines Vaters und liefen früher ständig bei uns zu Hause. Sowohl bei Hank Williams als auch bei den Smiths zieht sich Melancholie durch die gesamte Musik. Und als ich dann selbst angefangen habe, Musik zu machen, schrieb ich ganz automatisch auch melancholische Lieder. Das hat mich an zu Hause erinnert und mir ein gutes Gefühl gegeben."

Es klingt paradox, aber diese traurigen, melancholischen Lieder aus der Plattensammlung des Vaters hatten bei Jade Jackson die Wirkung, dass sie gute Laune bekam. Selbst unter Depressionen leidend, fühlte sie sich von Hank Williams, Lucinda Williams und Merle Haggard verstanden und von ihnen aufgefangen. Vor allem der Sound von Lucinda Williams hatte ganz offensichtlich einen großen Einfluss auf ihre eigene Musik. Mit gerade mal Mitte 20 und einer rauen, dunklen Stimme klingt Jade Jackson wie jemand, der schon einige Tiefschläge wegstecken musste.

Allerdings schafft es Jade Jackson, auch Humor in ihre Texte einzubauen, egal wie düster die Lieder sind. In dem Song Motorcycle zum Beispiel singt sie: "Wein doch nicht. Es hat Spaß gemacht mit dir, aber auf meinem Motorrad hat nur einer Platz."

"Als ich dieses Lied geschrieben habe, war ich grad im Auto unterwegs zurück zur Schule. Ich hatte das Wochenende bei meinen Eltern verbracht und war in dieser leicht depressiven, trüben Stimmung nach einem Wochenende. Ich fing an, auf´s Lenkrad zu trommeln und das brachte mich auf einen Rhythmus. Plötzlich hatte ich in meinem Kopf eine Melodie und auch der Text war sofort da. Sobald ich zu Hause ankam, hab ich mir einen Stift gegriffen und den Song aufgeschrieben."

Produziert wurde das Album von Mike Ness, Frontmann der Punk Rock Band Social Distortion. Schon als Teenager war Jade Jackson Fan der Band. Country trifft Punk, das klingt erstmal spannend. Und doch stellt sich die Frage, wie hätte dieses Debütalbum von Jade Jackson ohne den Einfluss von Mike Ness geklungen? Denn von der jungen Frau, die mit ihrer Akustik Gitarre durch die Cafés ihrer Heimat zieht, ist nicht viel übrig geblieben. Stattdessen dominiert jetzt ein kraftvoller Country Rocksound mit prominenter Unterstützung von Sara Watkins, die bei mehreren Songs Geige spielt, und von Gitarrist Greg Leisz.

"Miranda Lambert, Maren Morris, Ashley Monroe. Alles junge Frauen, die gerade für Aufsehen sorgen in der sonst nach wie vor männlich dominierten Country Szene der USA. Auch Jade Jackson passt in diese Reihe. Vielleicht ist es der etwas andere Zugang zu Themen, die weibliche Sicht auf Dinge, die die Musik herausstechen lässt. Songtexte, die eher an Tagebucheinträge erinnern mit einer sensiblen wie bildlichen Sprache. Zum Beispiel in dem Song Bridges wenn Jade Jackson singt: Ich würde die Sonne abschießen, wenn ich jemand hätte, um in der Dunkelheit zu wandeln."

Dazu kommt bei Jade Jackson die musikalische Experimentierfreudigkeit und der selbstbewusste Umgang mit dem Genre County. Da gibt es Songs, die erst nach Skater Punk klingen und dann 40 Sekunden später nach Spaghetti Western. Beeindruckend ist aber auch ihre Zielstrebigkeit, den eigenen musikalischen Traum nicht nur zu träumen, sondern auch zu verwirklichen.

"Wenn man wie ich aus seiner Kleinstadt kommt und von einer Karriere im Musikgeschäft träumt, bekommt man ständig gesagt: Du weißt schon, dass das gerade mal einer von zehn Millionen schafft, überleg dir besser einen Plan B. Ich hatte aber nie so einen Plan B. Also hab ich mir selbst Mut gemacht, indem ich positive Affirmationen verwendet habe. Ich bin überzeugt davon, dass mentales Wohlbefinden der Schlüssel zu einer erfolgreichen Karriere ist."

Auch das ist eine vorrangig weibliche Denkweise und in der aktuellen Zeit, wo einem Begriffe wie Achtsamkeit und Selbstfürsorge scheinbar ständig begegnen, verdreht der ein oder andere sicher die Augen, aber der aktuellen Countryszene steht diese Weiblichkeit von Musikerinnen wie Jade Jackson sehr gut.

Tonart

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