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Buchkritik / Archiv | Beitrag vom 28.11.2013

ComicSkizzen von gestreichelten Radieschen

Christophe Blain: "In der Küche mit Alain Passard"

Von Dirk Fuhrig

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Auf einem Teller angerichtetes Gericht mit Hummer und Apfelgelee (dpa / Udo Bernhart)
Liebe zum Detail zeichnet Sterneköche aus. (dpa / Udo Bernhart)

Ein Comic fürs Kochbuch-Regal hat Christophe Blain geschaffen: Mit schnellem Strich charakterisiert er die obsessive Beziehung des Pariser Sternekochs Alain Passard zu naturnah angebautem Gemüse.

Alain Passard ist einer der umjubelten Sterne-Köche Frankreichs. Sein Restaurant "L’Arpège" in Paris im eleganten Faubourg St. Germain ist auch deswegen so berühmt, weil dort seit mehr als einem Jahrzehnt fast ausschließlich Fisch und Gemüse auf die Teller kommen.

Der Zeichner Christophe Blain hat den Küchen-Meister zwei Jahre lang bei seiner Arbeit begleitet und daraus einen Comic-Band gemacht: ein feines, manchmal ehrfürchtiges, nur gelegentlich auch sanft ironisches Bild Alain Passards, der eine obsessive Beziehung zu den von ihm verwendeten Naturprodukten pflegt.

Blain durfte nicht nur in Töpfe und Pfannen gucken, sondern die innovativen Gerichte auch immer wieder an einem der Restaurant-Tische kosten, auf denen schon mal ein dicker Blumenkohl als Deko aufgebaut ist. Er fuhr mit Passard auf dessen naturnah produzierende Bauernhöfe in der Normandie und an der Loire, wo er sich überwältigen ließ von der nahezu libidinöse Hingabe, mit der der Koch sich um den Anbau von Karotten, Salat oder Sellerie kümmert.

Passard als genialischer Purist

"Die transparente Schönheit der roten Bete ist atemberaubend", lässt Blain den Gemüse-Maître sagen – und skizziert ihn dazu in seinem eigenen souveränen, wunderbar detailverliebten Stil, der den Charakter der jeweiligen Figur blitzschnell nach außen kehrt.

Sehr beeindruckt ist Christophe Blain von Passards stark ausgeprägtem haptischen Sinn: Er muss jeden einzelnen Kräuterstengel anfassen, die Radieschen streicheln, um sich von ihrer überragenden Qualität zu überzeugen. Dem Barsch klopft er an den Bauch, um den Garungsprozess zu überprüfen.


Farbkompositionen sind auf dem Teller ebenso wichtig wie Symmetrie und Ordnung. Blain zeigt Passard als genialischen Puristen, der lieber eine Zutat weglässt als nur ein Krümelchen zuviel an die Speisen zu geben. Kein Wunder, dass der Pariser Drei-Sterne-Koch gerade in Japan große Erfolge feiert – und sich umgekehrt von der strengen japanischen Küche stark inspirieren lässt.

Der farbig gezeichnete Band ist gegliedert durch den Abdruck eines guten Dutzends Rezepte Alain Passards – von Sauerampfer mit Saubohnen an Ziegenkäse bis Ananas in Olivenöl. Damit passt dieser Comic auch prima ins Kochbuch-Regal, mag sich der Verlag gedacht haben. Auch wenn die Home-Story um den Star-Koch dadurch etwas zerrissen und mitunter abgehackt wirkt: Die Einblicke in die Küche von Alain Passard sind außerordentlich verlockend, unterhaltsam – und grafisch unbedingt auf Sterne-Niveau.

Christophe Blain: In der Küche mit Alain Passard
Aus dem Französischen von Ulrich Pröfrock
Reprodukt Verlag, Berlin 2013, 96 Seiten, 17 EUR

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