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Kalenderblatt | Beitrag vom 15.05.2017

Claudio MonteverdiDer Komponist der ersten Oper

Von Wolfgang Schreiber

Der italienische Komponist Claudio Monteverdi in einer zeitgenössischen Darstellung. Er wurde am 15. Mai 1567 in Cremona geboren und verstarb am 29. November 1643 in Venedig. (picture-alliance / dpa )
Der italienische Komponist Claudio Monteverdi in einer zeitgenössischen Darstellung. Er wurde in Cremona geboren und verstarb am 29. November 1643 in Venedig. (picture-alliance / dpa )

Mit seinem Musiktheater "Orfeo" schrieb Claudio Monteverdi die erste Oper der Geschichte. Doch der Ruhm wurde ihm erst 400 Jahre nach seinem Tod zuteil, als er Anfang des 20. Jahrhunderts wiederentdeckt wurde.

Musik im Hintergrund: Monteverdi, Missa in illa tempore, Kyrie

Diese Musik blieb jahrhundertelang verschollen, der Komponist im Dunkeln. Claudio Monteverdi, getauft am 15. Mai 1567 im norditalienischen Cremona, rückt erst im frühen 20. Jahrhundert ins Licht des Bewusstseins. Möglich macht es die Veröffentlichung seiner Noten, ab den zwanziger-Jahren. Aber bis zum Monteverdi-Boom unserer Tage vergeht viel Zeit. Noch im Jahr 1940 wird die Aktualität Monteverdis von dem Musikforscher Alfred Einstein in Zweifel gezogen.

"Seine Unsterblichkeit ist mehr eine historische als eine wirkliche. Er ist nie mehr lebendig zu machen, so wie man vor hundert Jahren Bach lebendig machen konnte. Oder Mozart jederzeit lebendig machen könnte, wenn sein Werk eine Zeitlang verloren ginge."

Die Oper war etwas Anderes

Dabei klingt die Musik Claudio Monteverdis so lebendig! Mit der Eingangstoccata zu seinem Musiktheater "Orfeo", uraufgeführt 1607, beginnt die Geschichte der Kunstgattung Oper. Bis dahin hatte Monteverdi viele Motetten und Madrigale komponiert, Chorsätze in kunstvoller Mehrstimmigkeit.

Die Oper war etwas Anderes, eine erzählte Handlung im Gesang der neuen melodischen Einstimmigkeit. Monteverdi gelang auf Anhieb der große Wurf, er hatte ihn sich erkämpft. Neu war, dass das Musikdrama die feurigen Gefühle handelnder Menschen zum Thema machte – Empathie statt artifizieller Chorsätze.

Von Monteverdis mehr als einem Dutzend Opern blieben nur drei erhalten, neben dem "Orfeo" die Homer-Oper über die Rückkehr des Ulisses sowie das Spätwerk, die frivole "Krönung der Poppea". Allesamt Glanzstücke musikdramatischer Erfindung.

Monteverdis Leben dagegen verlief in relativ ruhigen Bahnen, angesiedelt in drei Städten Oberitaliens – in der Geburtsstadt Cremona, in Mantua am Hof des Gonzaga-Herzogs, und in Venedig, wo Monteverdi Domkapellmeister der Kathedrale von San Marco wurde und dort blieb, bis zu seinem Tod 1643.

Das "Lamento di Arianna": Denkmal einer tiefen Leiderfahrung

Nur wenig bekannt ist sein Leben, die meisten der Briefe handeln von dienstlichen und finanziellen Sorgen des fest besoldeten Komponisten, Kapellmeisters und Sängers. Monteverdi, ein komplizierter, nicht nur in seiner Kunst skrupulöser Mensch, hatte zwei Söhne und verlor zu seinem großen Schmerz früh die Ehefrau. Die Gesangsszene des "Lamento di Arianna" ist das Denkmal einer tiefen Leiderfahrung.

Monteverdis kämpferisches Genie der musikdramatischen Erneuerung hat die Zukunft der Musik mitbestimmt. Nur allmählich wurde der Komponist ins 20. Jahrhundert aufgenommen.

Den Schritt zur Popularisierung Monteverdis wagte der Dirigent Nikolaus Harnoncourt, der Akteur historischer Aufführungspraxis. Am Opernhaus Zürich schufen er und der Bühnenkünstler Jean-Pierre Ponnelle vor einem halben Jahrhundert packende Bühnenversionen der drei erhaltenen Opern. Harnoncourt, der Klangforscher, hatte dazu viele Probleme zu lösen, in Hinblick auf die alten Instrumente, auf den Klang der frühbarocken Musiksprache.

"Beim 'Orfeo' ist das Instrumentarium eigentlich komplett angegeben. Als Liste, welche Instrumente verwendet werden sollen. Nicht angegeben ist im Detail, wann sie verwendet werden sollen. Das heißt: Meine Leistung ist die Aufteilung des Instrumentariums auf das Werk, die Instrumentation der einzelnen Stellen."

Nikolaus Harnoncourt war es also, der Monteverdis Einzug in unsere Gegenwart mitverursacht hat.

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