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Donnerstag, 14.12.2017

Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 19.01.2017

Christian Höppner"Bach hat meine Scheuklappen ganz weit gemacht"

Christian Höppner im Gespräch mit Susanne Führer

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Christian Höppner (DMR)
Christian Höppner (DMR)

Christian Höppner, Präsident des Deutschen Kulturrates, lebt die musikalische und kulturelle Vielfalt. Im Gespräch erzählt er, warum Der Komponist Johann Sebastian Bach so wichtig für ihn ist und weshalb ein Orchester einen eigenen Klang herausbilden sollte.

Christian Höppner liebt Bach und Amy Winehouse, er lehrt in Berlin und dirigiert in Brasilien, spielt selbst Cello und schätzt die türkische Langhalslaute Baglama. Kurz, der Präsident des Deutschen Kulturrates liebt und lebt die kulturelle Vielfalt. Und um dafür die Werbetrommel zu rühren, reist er durch die ganze Republik.

"Es geht im Kern darum, Bewusstsein zu schaffen für den Wert kreativen Schaffens, denn Bewusstsein letztendlich zu schaffen dafür ist die Voraussetzung, dass man die Ressourcen dafür auch bekommt. Und dann haben wir teilweise wirklich desaströse Schieflagen, wenn ich bedenke, was sonntags gepredigt wird, wie wichtig Bildung und Kultur ist und was dann montags tatsächlich umgesetzt wird."

Dabei komme ihm auch die Erfahrung als Cellist zu Gute, sagte er "Im Gespräch":

"Es hat viel mit Kammermusik zu tun. Streichquartett ist die Königsdisziplin des Musizierens und ich erlebe ganz oft, dass so eine Orchestrierung in Gesprächen sehr viel mit Musik zu tun hat, sehr viel mit Dialog zu tun hat und mit Auseinandersetzung."

Wie Bach HipHop und House beeinflusste

Von Jugend an habe er, vor allem durch die Kirchenmusik , Johann Sebastian Bach lieben gelernt, dessen Aktualität bis heute oft unterschätzt werde.

"Ich bin geprägt von J.S.Bach, weil ich einfach von frühster Jugend an in meiner Heimatkirchengemeinde damit umgeben war und das Glück hatte, bis zu meinem 27. Lebensjahr nahezu alle Bachkantate und Passionen als Continuo-Cellist zu spielen und das hat meine Scheuklappen ganz weit gemacht.

Viele sagen ja, Barockmusik ist Museumkultur von gestern und so, da werde ich immer ein bisschen wütend, weil J.S.Bach z.B. steckt mit seinen Kompositionen auch als Atomteilchen in Hiphop und Elektro oder House mit drinnen."

Dass der Bach-Liebhaber keine Scheuklappen hat und ein genauer Beobachter unserer sich verändernden Lebenswelt ist, bewies er einmal mehr als er die türkische Langhalslaute Baglama beim Wettbewerb "Jugend musiziert" einführte.

 "Unser Kampf damals fing aber mit 'Jugend musiziert' an. Weil wir immer gesagt haben 'Jugend musiziert' definiert nicht welche Jugend und welche Musik. Das heißt, wenn wir das ernst nehmen 'Jugend musiziert' müssen wir auch auf die türkische Community gucken, die ja sehr zahlreich in Berlin vertreten ist."

Den eigenen Klang finden

Christian Höppner unterrichtet neben seiner Tätigkeit als Präsident des Kulturrates auch an der Universität der Künste Cello und ist Gastdirigent der Camerata Musica antiqua in Brasilien. Dabei sei ihm wichtig, dass jede Persönlichkeit, jedes Orchester,  jede Kultur ihren ganz eigenen Klang hervorbringe.

"Ich finde, das hat ganz viel mit den Kulturen zu tun, in denen die Musik gespielt wird und von den Menschen, von denen sie gespielt wird. Ich finde, man sollte nicht so tun, als ob es eine allgemeingültige gebe, weil ich sowieso total wichtig finde, dass wir wegkommen von dieser Globalisierung von Klangästhetik, die ich auch in vielen Aufnahmen höre. Auch bei meinen Studenten, sie fragen mich 'Welche Aufnahmen würden Sie dann empfehlen?'. Ich sage: 'Weiß ich nicht. Suchen Sie mal selber eine raus'.

Also ich empfehle ihnen erst mal, gar keine Aufnahme zu hören, sondern am eigenen Klang auszuprobieren. Also ich glaube, dass die Orchester wie z.B. das Gewandhaus-Orchester oder die Wiener Philharmoniker, die so sehr um einen eigenen Orchesterklang ringen, dass die immer bestehen werden, dass die immer Chancen haben werden."

Der Präsident des Deutschen Kulturrats, Generalsekretär des Deutschen Musikrats, Juryvorsitzender "Jugend musiziert" und  Beiratsmitglied des "Echo"  wurde gerade erst von Bundespräsident Joachim Gauck mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse ausgezeichnet.

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