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Kompressor | Beitrag vom 11.12.2017

"Chaostage" am Staatstheater HannoverEin Punk greift ein

Karl Nagel im Gespräch mit Gesa Ufer

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Szene aus "Chaostage", Recherche von Ulrike Günther: Drei Punks und ein Mann im Anzug auf der Bühne (Katrin Ribbe)
Szene aus "Chaostage" mit: Anke Stedingk, Maximilian Grünewald, Tim Golla, Wolf List (Katrin Ribbe)

Hunderte Punks rebellierten Anfang der 80er-Jahre in Hannover gegen die Polizei. Jährlich kam es zu Ausschreitungen, 2006 war Schluss. Jetzt haben es die Chaostage ins Theater geschafft. Einer ihrer Ur-Väter war für uns bei der Premiere.

Es ist das, was man wohl Ironie der Geschichte nennt: Ausgerechnet am Staatstheater in Hannover erleben die Chaostage, jene legendären Auseinandersetzungen von Punks mit der Polizei, eine Neuauflage. Karl Nagel, ehemals Politiker bei der Anarchistischen Pogo-Partei Deutschlands, Punk im Herzen und einer der Ur-Väter der Chaostage, war bei der Premiere von "Chaostage – der Ausverkauf geht weiter", einer Recherche von Ulrike Günther, dabei.

Die Grundidee hinter den Chaostagen von damals ist schnell erklärt:

"So viele Leute wie möglich nach Hannover zu holen, egal ob die Punks waren oder nicht – sollten aber alle so aussehen – und am Ende herrscht Chaos in der Kartei der Polizei, die dann nicht mehr gewusst hätte, wer Punk ist und wer nicht", sagt Nagel.

Als bürgerkriegsähnliche Zustände wurden die Ausschreitungen damals von Medien und Polizei beschrieben.

"Wir waren eine lustige Bande total Gestörter und wir wollten einfach die Stadt in Chaos versetzen – und das ist uns gelungen."

Jetzt sind die Chaostage ins Theater eingezogen und damit gewissermaßen kulturell eingefriedet. Doch mit dem Bild des Punk, das auf der Cumberlandschen Bühne gezeichnet wurde, war Nagel gelinde gesagt unzufrieden.

"Man muss das Absurde verstehen an der Situation", schickt Karl Nagel vorweg.

"Früher hat uns der Staat knüppelschwingend durch die Chaostage gejagt und jetzt finanziert der gleiche Staat über das Staatstheater ein Chaostage-Theaterstück. Und der Deutschlandfunk schickt mich, einen der Strippenzieher, dahin und bezahlt mir ein Honorar, damit ich Theaterkritik übe."

Ist das noch Punk?

Für Nagel sei das Stück vor allen Dingen eine tolle Gelegenheit gewesen, um ein bisschen Spaß zu haben – und den hatte er auch. Als Nagel von einem Schauspieler angesprochen wurde, spielte er auf seine eigene Weise mit und griff ihm in den Schritt. 

Zum Stück selbst hat der Punk eine eindeutige Meinung:

"Ich wäre fast eingeschlafen bei der ganzen Geschichte. Das klang alles so ein bisschen wie aus alten 'Spiegel'-Artikeln oder Büchern zum Thema abgeschrieben."

In einer Zeit, in der beinahe alles Punk sei und die Toten Hosen den Soundtrack zur Merkel-Politik lieferten, seien Donald Trump und Kim Yong Un die "echten" Punks. Für eine entsprechende Summe würde Nagel sich sogar als festen Bestandteil der Inszenierung hergeben – gemäß dem Motto "We are all prostitutes". Aber an sich sei das Stück schon "mies" gewesen.

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