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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 30.04.2016

Burn-out adéDer Traum vom idealen Job

Moderation: Gisela Steinhauer

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Eine junge Beschäftigte schläft am Arbeitsplatz ein. (dpa / picture alliance / Rene Fluger)
Was tun, damit Arbeitnehmer nicht innerlich kündigen? (dpa / picture alliance / Rene Fluger)

Es ist ein gut eingespieltes Ritual: Am 1. Mai demonstrieren die Gewerkschaften für bessere Arbeitsbedingungen. Aber was bedeutet das in der heutigen Arbeitswelt? Was muss passieren, damit Mitarbeiter nicht ausbrennen oder innerlich kündigen?

"Es ist Zeit für ein neues Paradigma in der Arbeitswelt", sagt Silke Luinstra. Die gelernte Diplomkauffrau arbeitet als Beraterin und Trainerin in Unternehmen und kennt die Verkrustungen und internen Probleme genau.

"Das alte Denken funktioniert nicht mehr - menschlich nicht und ökonomisch nicht. Viele Praktiken, Prozesse und Strukturen in unseren Organisationen stammen aus dem letzten Jahrhundert, aus dem Zeitalter der Industrie, der Massenfertigung und der trägen Märkte."

Ihre Erfahrung: "Mitarbeitern wird die Eigenverantwortung systematisch abtrainiert."

Mehr Eigenverantwortung

Genau diese Eigenverantwortung, das Gefühl, mitentscheiden zu können, einen sinnhaften Job zu machen, seien in der heutigen komplexen Arbeitswelt wichtiger denn je. Dafür brauche es jedoch eine neue Unternehmenskultur - und diese will Silke Luinstra mit dem Filmprojekt "AUGENHÖHE" in Gang bringen. Darin porträtieren sie und ihr Projektteam Firmen, die versuchen, neue, innovative Wege zu gehen, Hierarchien abzubauen - und ihre althergebrachten Strukturen gegen den Strich zu  bürsten: "Wer entscheidet worüber? Was haben wir alles für Mechanismen geschaffen, wozu dienen sie - und wo schaden sie?" - Ihre Überzeugung: "Unternehmen können menschlich und ökonomisch erfolgreich sein. Das geht beides."

"Gib Vertrauensvorschuss, gib Sinn, gib Wertschätzung - und die Leute werden ihr Potenzial aktivieren", sagt Prof. Dr. Dieter Frey, Leiter des Center for Leadership and People Management an der Ludwig-Maximilians Universität in München. Der Sozialpsychologe beschäftigt sich seit langem mit Fragen der Arbeitszufriedenheit.

"Anstrengung muss sich lohnen"

Eine wichtige Voraussetzung: "Die Mitarbeiter müssen nicht nur wissen, was zu tun ist - sondern sie müssen sich auch bewusst sein, dass sich ihre Anstrengungen lohnen." Hier sei die Chefetage gefragt - und versage zu oft: "Ich gehe davon aus, dass jede zweite Führungskraft eine Fehlbesetzung ist - sie ist vielleicht fachlich gut, aber nicht in der Lage, Menschen zu führen, weil sie narzisstisch oder opportunistisch veranlagt ist. Also auch kein guter Kapitän, Mentor oder Coach, der sich vor, neben und hinter seine Mitarbeiter stellt."

Seine Mahnung: "Wenn du das nicht gibst, werden die Leute in die innere Kündigung gehen und nach der Devise arbeiten: Wenn der so tut, als ob er führt, dann tue ich so, als ob ich arbeite."

Gute Arbeit – Was ist das? Darüber diskutiert Gisela Steinhauer am Samstag, den 30. April, von 9 bis 11 Uhr mit Silke Luinstra und Dieter Frey.

Hörerinnen und Hörer können sich beteiligen unter der Telefonnummer 00800 2254 2254 oder per E-Mail unter gespraech@deutschlandradiokultur.de sowie auf Facebook und Twitter.

Weitere Informationen:
Über die Unternehmensberaterin Silke Luinstra
Über Prof. Dr. Dieter Frey, Leiter des Center for Leadership and People Management

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