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Zeitfragen / Archiv | Beitrag vom 13.09.2017

BundestagswahlSo klang Wahlkampf früher

Von Klaus Pokatzky und Philipp Schnee

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Die SPD wirbt im Wahlkampf 1972 für Kanzlerkandidat Willy Brandt und den Bonner Wahlkreis-Kandidaten (picture-alliance / dpa)
Legendärer Wahlkampf 1972: "Willy wählen" (picture-alliance / dpa)

Der Wahlkampf dümpelt vor sich hin. Keine Spannung, keine scharfen Kontroversen. Die Frage ist: War das jemals anders? Oder verklären wir die Vergangenheit? Eine akustische Spurensuche.

"Ich war Kind, lebte im Rheinland und ich hatte unten im Keller im Hause meiner Eltern hinter dem Heizungskeller ein kleines Kabuff. Und es musste ausgeschmückt werden. Und es war während des Wahlkampfes und ich hatte das große Glück, ein sehr großes Adenauer-Plakat an die Wand hängen zu können. Völlig unpolitisch, wie ich war, fand ich es nur todschick, ein großes Plakat zu haben."

"Das war so in den Sechziger-Jahren. Da fuhren in meinem kleinen Heimatort Autos durch die Straßen mit so Riesenlautsprechern obendrauf, beklebt mit irgendwelchen Plakaten von der SPD. Und eine Straße nach der anderen wurde da abgefahren. Und immer so die Parole: 'Wählt Willy!' Also ohne 'Brandt': 'Wählt Willy!' So'n bisschen auf Kumpel machen. Das war echt stark – ja."

Reibungsfläche Strauß

"Strauß – also der fällt mir auf jeden Fall noch ein. Der Mann hatte noch mehr, wo man sich dran reiben konnte. Und die Leute waren politischer."

"Wahlkampfslogans? Ja, von Willy Brandt: ‚Mehr Demokratie wagen.‘ Das war eigentlich so in den Siebzigern dann der Aufbruch in eine, wie ich finde, schönere Zeit. Also mehr Demokratie wagen. Das war dann ja auch so – ja?"

Bei einem Befragten war nach unserem Gespräch alles wieder da. Er sagt:

"Ja, jetzt haben Sie es geschafft. Jetzt träume ich heute Nacht von Willy und dem Käfer und irgendwelchen SPD-Plakaten."

Eine Konstante 

Geht es Ihnen auch so, wenn Sie die Wahlwerbung von anno dazumal hören? Die von der CDU, die im Jahr 1949 die soziale Marktwirtschaft betonte, während die FDP mit Marktwirtschaft ohne Attribut warb, bis zur SPD, die 1965 für autogerechte Städte eintrat. Eine Partei setzte schon 1972 einen Faktencheck ein - Thema war der Bierpreis. Und die Grünen brachten 1983 ganz neue Formen ins Spiel.

Eine Konstante gibt es in all den Jahren: "Für den Inhalt sind die Parteien verantwortlich", begleitet die Spots.

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