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Donnerstag, 22.02.2018
 
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Kulturnachrichten

Mittwoch, 14. Februar 2018

Bühnenbildner und Regisseur Wilfried Minks gestorben

Minks galt als Mitbegründer des "Bremer Stils"

Der Bühnenbildner und Theaterregisseur Wilfried Minks ist mit 87 Jahren in Berlin gestorben. Das teilte die Berliner Akademie der Künste mit, deren Mitglied er seit 1994 war. Minks hatte einst zusammen mit Peter Zadek, Kurt Hübner, Peter Palitzsch, Rainer Werner Fassbinder und anderen am Theater Bremen beispielhafte Inszenierungsarbeit geleistet und den "Bremer Stil" mitbegründet. Seine Bühnenbilder seien immer Bestandteil der Regie gewesen, hob Akademie-Mitglied Klaus Völker in einer Würdigung hervor. "Minks wollte weg vom Kulissenillusionismus, er schuf immer realistische Räume, auch wenn es künstliche Raumwelten waren." 2010 erhielt Minks den Theaterpreis "Der Faust" für sein Lebenswerk.

100 000. Besucher in Bonner Gurlitt-Ausstellung

Schau thematisiert organisierten Kunstraub der NS-Zeit

Die Bundeskunsthalle in Bonn hat eine New Yorker Galeristin als 100 000. Besucherin der Gurlitt-Ausstellung begrüßt. Kunsthallenintendant Rein Wolfs überreichte der Amerikanerin einen Blumenstrauß und den Katalog. Die Ausstellung "Bestandsaufnahme Gurlitt" wirft ein Schlaglicht auf den organisierten Kunstraub der Nationalsozialisten. Rund 250 teilweise hochklassige Werke aus dem spektakulären Gurlitt-Fund werden bis zum 11. März gezeigt. Es solle aufgearbeitet werden, wie systematisch der NS-Kunstraub abgelaufen sei, hatte Wolfs bei der Eröffnung im November gesagt. Alle ausgestellten Kunstwerken sind mit ausführlichen Herkunftsangaben dokumentiert und geben den aktuellen Stand der Forschung an.

#MeToo-Debatte ist „absolut notwendig"

Filmproduzent Rohrbach warnt aber vor Klischees

Der Filmproduzent Günter Rohrbach hält die #MeToo-Debatte für "absolut notwendig", sagte er der Wochenzeitung "Die Zeit". Doch man müsse aufpassen, dass man sich nicht in absurde Situationen hineintreiben lasse. Sexismus-Beauftragte in TV-Produktionen seien ein Vorschlag, bei dem ihm grusele. An der Debatte störe ihn vor allem das Klischee, dass Regisseure Frauen nach sexuellen Bedürfnissen casteten und Wiederholungen einer Szene beim Drehen plötzlich als Unterdrückungsinstrument oder Racheakte beschrieben würden. In seiner eigenen Laufbahn sei Rohrbach kein einziger Fall von Sexismus vorgekommen, sagte der frühere Geschäftsführer der Bavaria, zumindest keiner, "der auch nur annähernd vergleichbar wäre mit dem von Dieter Wedel."

Lesung und Autokorso für Deniz Yücel

"Welt"-Korrespondent seit einem Jahr in Haft

Ein Jahr nach der Inhaftierung von Deniz Yücel haben Prominente und Freunde mit einem Autokorso in Berlin ihre Solidarität mit dem "Welt"-Korrespondenten bekundet. Rund 35 mit roten Herzballons geschmückte Fahrzeuge fuhren auf der Strecke durch den Stadtteil Kreuzberg. Nach dem "Korso der Herzen" lasen am Abend unter anderem der Sänger Herbert Grönemeyer, die Schauspielerin Hanna Schygulla, die Moderatorin Anne Will und der Schauspieler Mark Waschke aus Yücels neuem Buch "Wir sind ja nicht zum Spaß hier", wie der Freundeskreis #FreeDeniz mitteilte. Yücel war vor einem Jahr in Istanbul festgenommen worden und sitzt seither in türkischer Haft. Das neue Buch des deutsch-türkischen Journalisten umfasst Reportagen, Satiren und andere Texte Yücels aus den vergangenen 13 Jahren. Dazu kommen zwei Texte, die er in Haft verfasst hat, sowie ein Beitrag seiner Frau Dilek Mayatürk Yücel. Auch in Yücels Heimatstadt Flörsheim am Main nahmen am Nachmittag des Jahrestages etwa 200 Menschen an einer Mahnwache teil.

Favoriten für das Weltpresse-Foto des Jahres

Shortlist der Nominierten veröffentlicht

Fünf Fotografen sind Favoriten für die renommierte Auszeichnung "Welt-Pressefoto des Jahres". Die Jury des Wettbewerbs veröffentlichte erstmals eine Shortlist der Nominierten. Der Sieger des mit 10.000 Euro dotierten Preises soll am 12. April in Amsterdam bekannt gegeben werden. Der irische Fotograf Ivor Prickett wurde gleich mit zwei Bildern zur Schlacht um Mossul im Irak nominiert. Die übrigen Kandidaten sind Patrick Brown (Australien) für ein Foto zur Rohingya-Krise in Myanmar und Bangladesch, Adam Ferguson (Australien) zur Terrormiliz Boko Haram, Toby Melville (Großbritannien) zu einem Anschlag in London, sowie Ronaldo Schemidt (Venezuela) zur Krise in Venezuela. Insgesamt nominierte die Jury 42 Fotografen aus 22 Ländern. Darunter sind auch die beiden Deutschen Jesco Denzel und Thomas P. Peschak.

Siemens-Medaillen wandern ins Museum

Deutsche Historisches Museum erwirbt kostbare Sammlung

Das Deutsche Historische Museum (DHM) in Berlin hat ein wertvolles Medaillenensemble aus dem Besitz der Industriellenfamilie Siemens erworben. Dabei handelt es sich um 15 Gold-, Silber- und Bronzemedaillen aus dem 19. Jahrhundert, die in der zukünftigen Dauerausstellung präsentiert werden sollen, wie das Museum mitteilte. Das Konvolut stamme aus dem Besitz von Carl Wilhelm Siemens - später Sir Charles William Siemens (1823-1883)- dem jüngeren Bruder von Werner von Siemens (1816-1892), sowie einem der Gründungsväter der Firma Siemens und seiner Firmennachfolger.

Wieder mehr Kinos in Deutschland

Filmförderer freuen sich über Zuwachs

In Deutschland gibt es so viele Kinos wie seit zehn Jahren nicht mehr. Nach Angaben der deutschen Filmförderungsanstalt (FFA) stieg die Zahl durch 107 Neu- und Wiedereröffnungen von Kinosälen im vergangenen Jahr auf 4803. Das sei der höchste Stand seit dem Jahr 2008. Die Filmpaläste verteilten sich auf 899 Standorte, was ebenfalls einen Zuwachs bedeute. Bei den Kinobesuchern gab es ein leichtes Plus. Im vorigen Jahr wurden demnach 122,3 Millionen Tickets verkauft, 2016 waren es 121,1 Millionen. Erfolgreichster Film war demnach "Fack ju Göhte 3" mit 5,9 Millionen Besuchern. Die Zahl der verkauften Tickets war aber kein Rekord. Sie schwankte in den vergangenen sechs Jahren zwischen 121 und 139 Millionen.

Kleist-Preis für Christoph Ransmayr

Auszeichnung für das Werk des Wiener Schriftstellers

Der Wiener Schriftsteller Christoph Ransmayr wird mit dem Kleist-Preis 2018 ausgezeichnet. Ransmayrs Romane wie "Die letzte Welt" (1988) zeichneten sich durch eine hintergründige Topographie aus, in der sich historische Orte und mythische Landschaften überlagerten, teilte die Heinrich-von-Kleist-Gesellschaft mit. In "Atlas eines ängstlichen Mannes" (2012) habe Ransmayr die Summe jahrzehntelangen Reisens in die entlegensten Gegenden der Erde gezogen. Die mit 20.000 Euro dotierte Auszeichnung wird Ransmayr am 18. November in Berlin übergeben. Die Laudatio soll der ungarische Kunsttheoretiker, Essayist und Übersetzer László Földényi halten.

Hannover wird neuer Gastgeber der "chor.com"

Vokalmusikmesse verlässt Dortmund

Hannover wird von 2019 an neuer Gastgeber der internationalen Vokalmusik-Messe "chor.com". Das Branchentreffen der Vokalmusik-Szene wird vom Deutschen Chorverband alle zwei Jahre organisiert, sagte eine Verbandssprecherin. Bei der nächsten Messe vom 12. bis 15. September 2019 könnten Sänger, Dirigenten, Musikpädagogen, Chormanager und Verleger mehr als 200 Veranstaltungen besuchen, sagte Hannovers Oberbürgermeister Stefan Schostok (SPD). Das Themenspektrum reiche von der historischen Aufführungspraxis für Chorwerke bis zur Entwicklung von Konzepten für das Musizieren mit Flüchtlingen. Die vergangenen vier Ausgaben der Messe wurden in Dortmund ausgerichtet.

AFD-Kandidat für Holocaust-Mahnmal-Kuratorium

Fraktion schlägt den Abgeordneten Uwe Witt vor

Die AfD-Fraktion im Bundestag hat den Bundestagsabgeordneten Uwe Witt für das Kuratorium der "Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas" nominiert,wie die AfD bestätigte. Witt gilt als Vertreter des gemäßigten Flügels bei den Rechtspopulisten. Der 58-Jährige gehört der "Alternativen Mitte" in der Partei an und steht nach eigenen Angaben für eine "konservativ-freiheitliche und patriotisch-bürgerliche Politik". Er habe sich beworben, weil der Holocaust das dunkelste Kapitel deutscher Geschichte sei, sagte Witt der Funke-Mediengruppe. "Es darf niemals vergessen werden, wozu Menschen fähig sind". Es sei ihm deshalb ein persönliches Bedürfnis, das Andenken an den Holocaust zu wahren. Gesetzlich ist festgelegt, dass jede Bundestagsfraktion Vertreter ins Kuratorium der Stiftung entsendet. Lea Rosh, Initiatorin des Denkmals, hatte sich gegen eine Präsenz der AfD im Kuratorium ausgesprochen.

Coburg debattiert über Globe Theater

Bayern finanziert Theater-Rundbau nach englischem Vorbild

Wenn in Coburg demnächst das Landestheater renoviert wird, könnte ein besonderer Theater-Neubau entstehen. In der oberfränkischen Stadt soll den Plänen der Landesregierung gemäß ein Globe Theater nach englischem Vorbild entstehen. Nach langem Ringen um die Finanzierung hat der bayerische Finanzminister Markus Söder (CSU) der Stadt nun zehn Millionen Euro für den hölzernen Theaterrundbau in Aussicht gestellt. "Steuergelder sind besser angelegt, wenn sie einen dauerhaften Mehrwert für die Region haben", begründete Söder die Entscheidung. Der Coburger Stadtrat entscheidet am Donnerstag, ob es zu der Zwischenlösung kommt. Die Bauweise des Theaters ginge dann auf das Londoner Globe Theatre zurück, das durch Aufführungen von Shakespeare-Werken weltberühmt wurde. Coburg fühlt sich Großbritannien eng verbunden - das Herzoghaus Sachsen-Coburg und Gotha ist mit dem britischen Königshaus verwandt: Königin Elizabeth II. ist die Ururenkelin von Albert von Sachsen-Coburg und Gotha (1819-1861), dem Ehemann von Queen Victoria.

Schwedischer Polarpreis ehrt Musiker

Auszeichnung für Metallica und Afghanisches Musikinstitut|

Der schwedische Polar-Musikpreis geht in diesem Jahr an die US-Rockband Metallica und das Nationale Musik-Institut Afghanistans (ANIM). Das teilte die Jury in Stockholm mit. Der Polarpreis ist mit umgerechnet rund 100 900 Euro dotiert und wird jedes Jahr an zwei Künstler vergeben - einen aus der klassischen und einen aus der zeitgenössischen Musikszene. Die Preisträger nehmen die Auszeichnung am 14. Juni in Stockholm in Gegenwart von Schwedens Königsfamilie entgegen. Zu den früheren Preisträgern gehören Cecilia Bartoli, Björk, Sting, Patti Smith und Paul Simon.

Wirtschaftsprüfer rügen Documenta

Neue Vorwürfe gegen Ausstellungsmacher

Wirtschaftsprüfer werfen der Geschäftsführung der 14. Dokumenta in Kassel eklatante Versäumnisse vor. Dies berichtet die "Rheinische Post" unter Berufung auf einen noch unveröffentlichten Bericht der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PWC. Demnach soll die Staatsanwaltschaft Kassel ihre Ermittlungen wegen des Verdachts der Untreue nun ausgeweitet haben. Die Wirtschaftsprüfer kritisierten, das Controlling sei "unzureichend" gewesen und habe zu einer "zu späten Feststellung der Höhe der defizitären Entwicklung geführt", schrieb das Blatt. Einige Entscheidungen der Geschäftsführung seien am Aufsichtsrat vorbei getroffen worden. Das Hauptproblem sei die zweite Ausstellungsstätte der Documenta in Athen gewesen. Documenta-Geschäftsführerin Annette Kulenkampff ließ über ihre Anwälte alle Vorwürfe zurückweisen. Die Documenta hatte vergangenes Jahr mit einem Defizit von mehr als fünf Millionen Euro geendet und viel Kritik geerntet.

Signal gegen Rassismus und Hetze

Leipziger Buchmesse betont die Meinungsfreiheit

Die Leipziger Buchmesse will ein deutliches Signal gegen Rassismus und Hetze setzen. Sie stehe für ein humanistisches Menschenbild, kündigte Direktor Oliver Zille in MDR Kultur an. "Wir üben keine Zensur aus", sagte Zille. "Wenn uns aber Dinge auffallen oder gemeldet werden, dann werden wir natürlich darauf reagieren." Die Messe habe ein Hausrecht und werden es einsetzen, um Bücher zu entfernen oder Veranstaltungen abzubrechen, die aus dem Ruder liefen. Zille reagierte mit diesen Äußerungen auf Erfahrungen während der Frankfurter Buchmesse. im vergangenen Herbst. Dort war es während einer Veranstaltung mit dem Thüringer AfD-Landtagsfraktionschef Björn Höcke zu Handgreiflichkeiten gekommen. Die Leipziger Buchmesse überarbeite deshalb ihr Sicherheitskonzept, sagte Zille.

Wiener Dichter Heinz R. Unger gestorben

Seine Trilogie "Die Republik des Vergessens" erhielt breite Aufmerksamkeit

Der Wiener Dichter Heinz R. Unger ist tot. Wie sein Freund Fritz Wendl der österreichischen Nachrichtenagentur APA sagte, starb Unger bereits am Montag mit 79 Jahren an Lungenkrebs. Ungers Werk umfasst alle Sparten, vom Roman bis zum Kinderbuch, Lyrik und Dramatik, Drehbücher und Hörspiele, Lieder und Libretti. So feierte er in den 70er Jahren erste Erfolge als Texter pointierter politischer Lieder für die Politrock-Gruppe Schmetterlinge. Nach ersten dramatischen Experimenten versuchte sich Unger an der Wiederbelebung des politischen Volksstücks und erhielt für seine Trilogie "Die Republik des Vergessens" breite Aufmerksamkeit. In der Trilogie beschäftigte er sich mit dem Weiterwirken der NS-Vergangenheit. Noch wenige Wochen vor seinem Tod hat Unger eine Sammlung seiner politischen Lyrik und Lieder zusammengestellt. Sie wird im Mai im Mandelbaum-Verlag unter dem Titel "Die Freiheit des Vogels im Käfig zu singen" erscheinen.

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