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Nachspiel / Archiv | Beitrag vom 24.04.2016

Brandenburger SportjugendEinsatz gegen Extremismus

Von Thilo Schmidt

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Rechtsradikale bei einem Aufmarsch der NPD (dpa / picture alliance / Ingo Wagner)
Was tun, wenn rechtsradikale Mitglieder dem Image des Vereins schaden? (dpa / picture alliance / Ingo Wagner)

Vereine, die ein Problem mit rechtsextremen Mitgliedern haben, haben häufig auch eines damit, sich in den Medien angemessen zu präsentieren und zu distanzieren. Wir stellen - ohne den Namen und den Ort zu nennen - einen Verein vor, der von der Sportjugend Brandenburg beraten wird.

Eine Potsdamer Fußballmannschaft, die eine linke Fan-Szene hat, war zu Gast bei dem kleinen Club in Brandenburg. Dort machten Rechtsextreme mobil und holten ihre Gesinnungsgenossen ins Stadion.

"Das haben wir dann erst alles später rausgekriegt. Und dies hat so ne großen Kreise gezogen, auch in der Presse, da haben wir denn gesagt, jetzt brauchen wir ne professionelle Hilfe."

Was war passiert? Fans des kleinen Sportvereins – 400 Mitglieder – hatten bei dem Spiel ein großes Transparent aufgehängt: In makaberer Weise wurde da der Holocaust glorifiziert. Die Zeitungen – sogar international – reagierten entsprechend, der Verein stand mit dem Rücken an der Wand. Er wendet sich an Susanne Springborn von der Brandenburgischen Sportjugend.

"Wir haben versucht, dem Verein ein bisschen den Druck zu nehmen, dass wir uns sozusagen auch schützend vor den Verein stellen, damit der Verein wirklich in Ruhe sich erstmal intern sortieren kann. Und dann haben wir gemeinsam überlegt, was wir konkret machen können."

Nicht stigmatisieren

Es gibt keine fertigen Lösungen, jeder Fall liegt anders, sagt Susanne Springborn. Auf jeden Fall wichtig: Hinsehen, genau beobachten. Der Vereinsvorsitzende Henry Diekmann (Name geändert).

"Dann haben wir gesehen, dass die da wat mit zu tun haben. Dann haben wir auch mal geguckt, ob sie mal ne CD mithatten, was für Musik sie in der Kabine abgespielt haben, und haben denn das Gespräch gesucht mit den Jugendlichen oder Erwachsenen."

Die Sportjugend holte die örtliche Polizei und das Mobile Beratungsteam gegen Rechtsextremismus mit dazu – um die Ordner zu schulen und um Rechtsextremisten überhaupt erkennen zu können. Denn zwischenzeitlich kamen etliche Gesinnungsgenossen zu den Heimspielen.

"Ja, es gab ne Schulung über Symbole und Codes, also gerade auch das mobile Beratungsteam und die Polizei sind Leute, die näher dran sind an dem Verein, in der normalen Arbeit, und da ist es einfach hilfreich, regionale Partner mit einzubeziehen in den Beratungsprozess."

Am Ende dieses Prozesses mussten wenige Mitglieder den Verein verlassen.

"Det waren gar nicht viel. Det waren zwei Mann jewesen, und von denen haben wir uns getrennt, und die anderen zwei oder dreie sind jetzt schon etliche Jahre älter, der eine ist 28, 29, zwei Kinder, janz tolle Familie, arbeitet, will jar nischt mehr damit zu tun haben, und … das find ick nicht richtig, dass denn diese stigmatisiert werden."

Verein bekennt sich zu Toleranz

Auch die Sportjugend findet, dass man nicht in jedem Fall auffällig gewordene Mitglieder ausschließen sollte. Dann gehen sie zum nächsten Verein und das Problem wird nur weitergereicht. Aber wo ist die Grenze?

"Die Grenze ist eindeutig Rassismus. Wenn se jegen die Polen vorgehen, gegen jeden Ausländer vorgehen, wir haben ja auch Behinderte ab und zu, wenn se gegen die jehen … ja? Da ist die Grenze absolut erreicht."

Ein weiterer Rat der Sportjugend: Position zeigen gegen Rassismus. Susanne Springborn und der Verein haben öffentlich angekündigt, dieses Problem anzugehen. Zugleich bekennt sich der Verein zu Toleranz und Respekt.

Das ist natürlich in ner Drucksituation total schwierig, mit dem Positiven zu kommen. Das sieht keiner, das will auch im Moment keiner hören, sondern jeder will wissen: Was ist da los. Aber wenn ein Verein deutlich machen kann, dass er das Problem ernst nimmt und ne interne Lösung sucht – Transparenz, Positionierung – dass der Bumerang nicht gleich wieder zurückkomt, oder die nächste Schlagzeile am nächsten Tag in der Zeitung zu erwarten ist.

Alleine – ohne Susanne Springborn und die Sportjugend – hätte der Verein das nicht geschafft, sagt Henry Diekmann.

"Det kriegen wir nicht in Griff. Man muss natürlich untereinander ehrlich sein. Es nützt nichts, wenn ich sie anrufe und alles verniedliche, das bringt ja nichts. Muss ein Vertrauensverhältnis sein, dann funktionierts auch."

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