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Montag, 20.11.2017

Fazit / Archiv | Beitrag vom 06.10.2013

Blitzlichtgewitter für starke Töne

Verleihung des Echo-Klassik-Preises in Berlin

Von Grit Lieder

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Andreas Martin Hofmeir kommt zur Verleihung des Musikpreises Echo Klassik. (picture alliance / dpa / Jörg Carstensen)
Andreas Martin Hofmeir kommt zur Verleihung des Musikpreises Echo Klassik. (picture alliance / dpa / Jörg Carstensen)

Im Konzerthaus Berlin sind die Klassik-Echos an 54 Künstler verliehen worden. Ausgezeichnet wurden unter anderem der Tubist Andreas Hofmeir, der Tenor Jonas Kaufmann und die Cellistin Sol Gabetta. Vor allem die Fotografen hatten gut zu tun.

"Andreas, Andreas, Andreas - mal bitte hier her, hier her!"

Gerade hat der Tubist Andres Hofmeir den roten Teppich betreten. Er wurde für sein Debütalbum "Uraufnahmen" als "Instrumentalist des Jahres" ausgezeichnet. Gleich wird er den Preis entgegennehmen. Im Moment hält er seine Tuba namens "Funny" im Arm, Schuhe trägt er nicht. Ein authentischer Auftritt, Hofmeir ist ein Meister der gelungenen Kombination. Der 35-Jährige ist Tuba-Professor am Mozarteum in Salzburg, Kabarettist, experimentierfreudiger Musikpionier, und Mitglied der Bayerischen Bläser-Band "LaBrassBanda". Auf Hofmeirs prämierter CD ist die Tuba erstmals im Duett mit einer Harfe zu hören. Mit dem Capriccio für Tuba & Orchester des dänischen Komponisten Kjell Roikjer hat Hofmeir auch detektivisches Gespür bewiesen.

Die Orchesternoten galten als verschollen. Doch Hofmeir gelang es mit Hilfe der Witwe des Komponisten, die gut versteckten Noten in einem Keller wiederzufinden. Eingespielt hat er das Stück mit der Neubrandenburger Philharmonie.

Hinter Hofmeir geht im grün-gelben Pullunder und schwarz-goldenen Turnschuhen: Olaf Schubert. Der Dresdner Kabarettist wird die Laudatio auf Hofmeir halten, und das gewohnt sächsisch-humoristisch:

"Die Tuba an sich ist ein Instrument, was heißt ein Instrument. Sie ist eigentlich ein Problemfall. Es ist ein Instrument mit einer negativen Aufwand-Nutzen-Effizienz, Meter gebogenen Blechs. Das sind immense Anstrengungen für den Tuba-Athleten. Das Ergebnis ist niederschmetternd, es ist ein Mölp, ein Mammutfurz, alles andere als ein Ton. Es ist schön, dass es einem Menschen gelungen ist, darauf regelrechte Musik zu machen. Und das wir hier zu Recht prämiert."

"Jonas, Jonas, hier her, rechts, rechts."

Während Schubert durch die Blitzlichter marschiert, hält ein Jonas Kaufmann die Fotografen in Atem. Der Münchner Startenor wird die Preisverleihung musikalisch eröffnen. Er wurde als "Sänger des Jahres" ausgezeichnet. Für sein Album "Wagner" erhält er dieses Jahr bereits zum zweiten Mal einen Echo. Den Jubilar Richard Wagner wollte Kaufmann auf besondere Weise würdigen:

"Ich hab im allerersten Moment die Idee Wagner verworfen. Weil ich auf vorherigen Alben schon ein paar Wagner-Szeneneingesungen hatte und keinesfalls eine Dopplung machen wollte. Und dann kam ich auf die Idee mit den Wesendonck –Lieder, die ich wunderschön finde, die aber anscheinende den Frauen vorbehalten sind. Ich habe dann dafür Reklame gemacht und damit hatten wir ein neues Album, einen neuen Aufhänger, und wie man sieht, hat es sich auch gelohnt."

Dem Münchner Startenor folgt die "Instrumentalisten des Jahres" auf die Bühne: Sol Gabetta. Schon zum dritten Mal hat die argentinische Cellistin den Echo-Klassik-Preis entgegen genommen, dieses Jahr für ihre Einspielung von Dmitri Schostakowitschs erstem Cellokonzert mit den Münchner Philharmonikern unter Lorin Maazel. Doch die Cellistin kann sich gleich doppelt freuen. Zusammen mit der Pianistin Hélène Grimaud hat sie den Echo für die beste Kammermusik-CD in der Kategorie "19. Jahrhundert" erhalten.

"In diesem Fall, war es etwas ganz besonderes. Mit Helene war es ein reiner Zufall, sie zu treffen, mit ihr überhaupt diese Konzerte zu spielen. Das ist wirklich wie vom Himmel gekommen. Es war sehr kompliziert, weil sie gehört zur Deutschen Grammophon, ich zu Sony. Deswegen hat mir die Kollaboration sehr viel bedeutet, auch weil, wenn Kammermusik für den Musiker nicht wichtig ist eigentlich, man verpasst den schönsten und den wichtigsten Teil der Musikalität."

In den Armen der zierlichen blonden Cellistin wirkt der Echo-Klassik-Preis übergroß. Gambetta strahlt, sie freut sich über den renommierten Preis, Ihre künstlerische Arbeit bewertet sie aber am liebsten selbst:

"Ich versuche immer so kritisch wie möglich zu sein. Egal, ob ein Konzert sehr viel Erfolg hat. Sehr wichtig ist für mich zu wissen: Was habe ich heute gegeben? Ich würde sagen, das muss man selber wissen, man muss eine sehr starke Persönlichkeit haben und immer seine Ziele fühlen."

Im Berliner Konzerthaus zählt heute Abend nur die Show. Doch nicht alle 54 Preisträger werden Ihren Preis persönlich entgegen nehmen. Die amerikanische Mezzosopranistin Joyce DiDonato ist nicht angereist, wird dennoch in der Kategorie "Sängerin des Jahres" mit dem Echo Klassik 2013 geehrt. Die barocke "Drama Queen" überzeugt auf ihrer gleichnamigen prämierten CD mit Arien von Barockkomponisten wie Orlandini, Giacomelli und Händel.

Doch nicht nur Musiker, sondern auch herausragende Aufnahmen wurden im Berliner Konzerthaus ausgezeichnet. Darunter auch die Berliner Philharmoniker unter Sir Simon Rattles mit einer Neueinspielung von Stravinsky’s "Le Sacre du Printemps" – und damit ein weiterer musikalischer Jubilar auf der Echo-Klassik-Preisverleihung. Igor Stravinsky’s Ballett "Le Sacre du Printemps" löste bei seiner Uraufführung einen handfesten Skandal aus. Den gab es auf der diesjährigen Echo-Klassik-Verleihung nicht. Nur vor dem Konzerthaus Berlin kämpften die Fotografen um das beste Foto.

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