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Sonntag, 21.01.2018

Rang I | Beitrag vom 13.01.2018

Blick hinter die RolleWie fotografiert man Schauspieler?

Ute Mahler im Gespräch mit André Mumot

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Die Schauspieler Jule Böwe (l.) und Mark Waschke (r.), fotografiert von Ute und Werner Mahler ©2014 (Kerber Verlag)
Die Schauspieler Jule Böwe (l.) und Mark Waschke (r.), fotografiert von Ute und Werner Mahler ©2014 (Kerber Verlag)

Die Werbekampagnen mit Porträts der Schaubühnen-Darsteller sind aus dem Berliner Stadtbild nicht mehr wegzudenken. Jedes Jahr fotografiert ein anderer Künstler die Stars, 2014 war Ute Mahler hinter der Kamera. Sie erinnert sich an ein Projekt mit wunderbaren Persönlichkeiten, aber wenig Zeit.

Die Berliner Schaubühne ist im Stadtbild der Hauptstadt mit auffälligen Plakaten präsent. Darauf zeigen sich Mitglieder des Ensembles in intensiven Portraits, die die Handschrift bedeutender Fotografinnen und Fotografen tragen.

Ein neuer Bildband versammelt diese ganz unterschiedlichen Fotos aus den vergangenen Saisons - von der Spielzeit 2013 bis heute: Darunter sind Arbeiten von Jürgen Teller, Pari Dukovic, Brigitte Lacombe oder Paolo Pellegrin.  

Zu den beteiligten Fotokünstlern zählen auch Ute und Werner Mahler, die die Bilder für die Schaubühnenkampagne 2014 aufgenommen haben. Beide gehörten zu den stilbildenden Fotografen Ostdeutschlands, gründeten nach der Wende die Agentur Ostkreuz und arbeiten seit 2009 gemeinsam an Projekten. Ihre Schaubühnenporträts sind in kühlem Schwarzweiß gehalten, still und schlicht, den städtischen Hintergrund deuten sie nur an.

"Wir nehmen einfach den ersten Eindruck"

Im Deutschlandfunk Kultur berichtet Ute Mahler von der Arbeit mit den Schauspielern: 

"Uns war klar, dass wir in der kurzen Zeit, in der einen Stunde, die wir mit den Schauspielern verbringen werden, nicht zum Kern der Persönlichkeit vordringen können – das war ganz klar. Aber wir haben gedacht, wir nehmen einfach den ersten Eindruck und suchen das, was wir interessant finden. Dann haben wir alle alles vergessen, was wir von den Schauspielern kannten: die Kommissare, die Könige, die gespielt wurden. Da war wirklich dieser Mensch da."

Dass es heute, im Handyzeitalter, eine massive Inflation von Porträts und Selbstporträts gibt, mit denen sich Menschen in den sozialen Medien selbst darstellen, betrachtet Ute Mahler skeptisch:

"Jeder fotografiert heute, aber nicht jeder ist ein Fotograf. Ich denke einfach, es wird schwierig werden, in 40 oder 50 Jahren etwas über unsere Zeit zu erzählen, wenn man sich nur auf die Bilder beruft, die in den sozialen Medien veröffentlicht werden. Da wird man denken: Was war das für eine Gesellschaft, die über Gesten, Posen, Äußerlichkeiten etwas von sich sagt? Aber ich denke, das ist jetzt eine Zeit und das wird in fünf Jahren wieder vorbei sein. Das wird ja auch langweilig mit der Zeit."

Der Bildband "Schaubühne", erschienen im Kerber Verlag, kostet 48 Euro. Vorgestellt wird er am 18. Januar im c/o-Berlin. Auch die Mahlers werden dort unter anderem im Gespräch zu Gast sein. Schauspielstar Lars Eidinger legt anschließend auf.

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