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Sonntag, 19.11.2017

Kulturnachrichten

Samstag, 11. November 2017

Biografin: Ingeborg Bachmann wusste, was sie wollte

Autorin Ina Hartwig wendet sich gegen Opfer-Darstellung der Literatin

In ihrer neuen Biografie über das Leben von Ingeborg Bachmann stellt Ina Hartwig das bisher verbreitete Bild der berühmten Schriftstellerin infrage. In einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung distanziert sie sich davon, die 1973 verstorbene Österreicherin als klassisches Opfer des Patriarchats zu interpretieren. Sie halte Bachmann "für eine sehr kalkulierte und strategische Person, die in entscheidenden Phasen ihres Leben genau wusste, was sie wollte, und sehr viel gewagt hat". Damit meint Hartwig sowohl die Karriereplanung als auch das Verhältnis der Schriftstellerin zu Männern. Bisherige Biografien betonten zumeist die tragische Liebe Bachmanns zu dem Schrifsteller Max Frisch, der sie für eine andere Frau verlassen hatte. Das Buch "Wer war Ingeborg Bachmann?" wird mit einer mehrwöchigen Verspätung erst am 23. November erscheinen. Hartwig begründet die verzögerte Veröffentlichung mit mühsamen Abstimmungen, die mit Zeitzeugen zu treffen waren.

Deutscher Hörspielpreis für "Broken German"

SWR-Produktion wurde bei den ARD-Hörspieltagen in Karlsruhe ausgezeichnet

Der Deutsche Hörspielpreis der ARD geht in diesem Jahr an die SWR-Produktion "Broken German". Das Hörspiel des jungen israelischen Theater- und Hörspiel-Regisseurs Noam Brusilovsky wurde in Karlsruhe ausgezeichnet.
"Broken German" basiert auf dem gleichnamigen Roman von Tomer Gardi.
Ein israelischer Mann berichtet darin in gebrochenem Deutsch von einer Reise nach Berlin, von Erinnerungen an das von Nazis besetzte Rumänien und absurden Begebenheiten. Die Preisverleihung war einer der Höhepunkte bei den ARD-Hörspieltagen im Karlsruher Medienkunstzentrum ZKM. Zwölf Hörspiele von ARD, Deutschlandradio, SRF und ORF hatten um den Preis konkurriert. Mit 5000 Euro Preisgeld und honorarpflichtigen Wiederholungssendungen gilt der Deutsche Hörspielpreis als höchstdotierte Ehrung der Sparte in Deutschland. Insgesamt wurden sechs Preise im Wert von zusammen 18 500 Euro vergeben.

Garage-Rock-Musiker Fred Cole ist tot

Der Sänger und Gitarrist der Band "Dead Moon" starb bereits am 9. November

Der Sänger und Gitarrist Fred Cole ist tot. Wie die New York Times berichtet, starb der Frontmann der Band Dead Moon am vergangenen Donnerstag an den Folgen eines Krebsleidens. Bekannt wurde er im Zuge der Grunge-Bewegung Anfang der 90er Jahre, neben Bands wie Nirvana und Soundgarden. An deren kommerziellen Erfolg konnten Dead Moon jedoch nicht anknüpfen. Fred Cole war verheiratet mit der Bassistin Toody Cole, mit der er das Label Tombstone führte. Er wurde 69 Jahre alt.

Preise der Duisburger Filmwoche verliehen

Zu den Gewinnern zählen "Atelier de conversation" und "Tier und andere Menschen"

Die 41. Duisburger Filmwoche ist mit einer feierlichen Preisverleihung im filmforum am Dellplatz zu Ende gegangen. Fünf Auszeichnungen im Wert von insgesamt 23.000 Euro wurden vergeben. Der Film "Atelier de conversation" von Bernhard Braunstein wurde mit dem Arte-Dokumentarfilmpreis ausgezeichnet. Den 3sat-Dokumentarfilmpreis erhielt der Film "Tier und andere Menschen" von Flavio Marchetti. Der Film "Spineless Kingdom" von Max Sänger erhielt den Förderpreis der Stadt Duisburg. Insgesamt wurden 26 Dokumentarfilme aus Deutschland, Österreich und der Schweiz gezeigt, darunter sieben Uraufführungen und sieben Deutsche Erstaufführungen.

"Wilde Rosen" beim Film-Festival Cottbus geehrt

Der Hauptpreis ist mit 25 000 Euro dotiert

Der Film "Wilde Rosen" der polnischen Regisseurin und Drehbuchautorin Anna Jadowska ist beim Filmfestival in Cottbus als bester Spielfilm ausgewählt worden. "Wir haben diesen Film ausgewählt, weil er der weiblichen Hauptfigur eine Stimme gibt. Sie erreicht damit unsere Herzen", erklärte die Jury zur Begründung. In dem Film geht es um das Psychogramm einer jungen Frau in der polnischen Provinz. Das Festival für den osteuropäischen Film hat am Dienstag begonnen und dauert noch bis Sonntag. Mehr als 140 Produktionen - vom Blockbuster bis zum Experimentalfilm - aus mehr als 30 Ländern werden gezeigt.

Julius von Bismarck mit Wolfsburger Kunstpreis ausgezeichnet

An die Preisverleihung knüpft die Ausstellung "Gewaltenteilung" an

Der in Berlin lebende Künstler Julius von Bismarck ist mit dem renommierten Kunstpreis der Stadt Wolfsburg "Junge Stadt sieht Junge Kunst" ausgezeichnet worden. "Julius von Bismarck versteht es in seinen Arbeiten, auf hohem intellektuellem und ästhetischem Niveau, künstlerische und politische Themen miteinander zu verknüpfen", urteilte die Jury. Die alle drei Jahre vergebene Auszeichnung ist mit einem Ankauf für die städtische Kunstsammlung und einer Ausstellung verbunden. Im Anschluss an die Verleihung vor rund 200 geladenen Gästen wurde die Ausstellung "Gewaltenteilung" eröffnet. Für die bis zum 3. Juni laufende Schau in der Städtischen Galerie hat sich von Bismarck mit den Naturgewalten beschäftigt. So ist seine neue Videoarbeit "Irma" über den gleichnamigen Hurrikan in Florida erstmals zu sehen.

Kunst des politischen Argumentierens geehrt

Lammert mit Jacob-Grimm-Preis ausgezeichnet

Ex-Bundestagspräsident Norbert Lammert hat den diesjährigen Jacob-Grimm-Preis Deutsche Sprache erhalten. Der CDU-Politiker beherrsche die Kunst des politischen Argumentierens in Rede und Gegenrede wie kaum ein Zweiter, hieß es in der Begründung. Für ihn, so der Verein Deutsche Sprache, sei "die grundlegende Bedeutung der deutschen Sprache für unser Gemeinwesen stets eine Leitlinie seines politischen Handelns" gewesen. Der Preis ist mit 30.000 Euro dotiert.

Erster Menahem-Pressler-Preis verliehen

17-Jähriger Blockflötenspieler ausgezeichnet

Der 17-jährige Blockflötenspieler Fabian Gremm aus Halle wurde mit dem neuen Menahem-Pressler-Preis geehrt. Gremm lernte sein Instrument am Musikkonservatorium. Trotz seines jungen Alters könne er bereits auf einige Preise zurückblicken, hieß es zur Begründung. Die erstmals vergebene Ehrung soll die beste Leistung junger Musikschüler aus Sachsen-Anhalt würdigen und künftig jährlich vergeben werden. "Der Preis ist eine Verneigung vor dem Lebenswerk des Pianisten und Magdeburger Ehrenbürgers Menahem Pressler und zugleich ein Ansporn für junge musikalische Talente", sagte Kulturminister Rainer Robra. Der Preis ist mit 2000 Euro dotiert.

Volksbühne Berlin startet neue Saison

Umstrittener Auftakt mit "Samuel Beckett/Tino Sehgal"

Zur Saison-Eröffnung zeigte die Volksbühne drei Einakter von Samuel Beckett, gespielt von der Schauspielerin und Performance-Künstlerin Anne Tismer, und Arbeiten von Tino Sehgal. Das gesamte Haus wurde mit unterschiedlichen Formaten, Situationen und Formen der Interaktion bespielt. Der Kritiker André Mumot fand den Abend allerdings "misslungen und theaterfern": "Das, was da passiert ist, ist verkrampft gewesen, es hat keine ästhetischen und inhaltlichen Elemente aufgeworfen, die das Stück angereichert hätten mit Dingen, mit denen wir zu tun haben", sagte er im Deutschlandfunk Kultur. Verglichen damit, was "das deutsche Theater weltweit spitzenmäßig macht", war der Abend für Mumots Kollegen Tobi Müller "kein Sprechtheater" und es "erinnerte an das Inszenierungsarchiv und an die Kunst selbst". Die Beckett-Figuren seien für ihn aber aufgegangen. Sie seien bei Beckett "Menschen im Spätstadium", der Regisseur Sehgal führte sie "bereits in den Posthumanismus", so Müller.

Filmhistoriker gegen Prüderie im Hollywood-Film

Kevin Spacey und die Folgen

Der Filmhistoriker Frank Stern hält den eventuellen Prüderie-Einzug im Hollywood-Film für unangebracht. Zwar konnte er in einem Interview mit Deutschlandfunk Kultur nicht definieren, was politische Korrektheit beim Sex sein solle, aber: "Es klingt für mich entsetzlich langweilig. Denn etwas, was korrekt ist, unterläuft ja in der Regel die menschliche Vorstellungskraft, die Initiative, die Innovation, das Kreative." Stern sieht ganz unterschiedliche Tendenzen, wie Sexualität im Film dargestellt wird. Zum einen sei da die Serie "Transparent", "die zurzeit die wichtigste filmische Darstellung unterschiedlicher Sexualitäten ist, mit einer unbeschreiblichen Offenheit hinsichtlich aller Formen von Transgender und Intersexualität." Man habe die gesamte Bandbreite von offenen visuellen Darstellungen bis zur Prüderie und konservativ protestantisch-katholischen Sexualvorstellungen, so Stern weiter. Dass Ridley Scott aus seinem Film "Alles Geld der Welt" alle Szenen mit Kevin Spacey herausschneiden lässt, sei allerdings für Stern ein Zeichen, dass Scott genau wisse, was das Publikum erwartet: "Um diesen Film überhaupt auf die Leinwände zu bekommen und auch in den Wettbewerb für einen Oscar, ist das unbedingt notwendig, dass er eingreift."

Louvre Abu Dhabi öffnet

Das Museum wurde vom französischen Architekten Jean Nouvel entworfen

Die Kunst im neuen Louvre bietet Besuchern einen kurzen Überblick über die Weltgeschichte und die wichtigsten Religionen. Auch das Judentum wird berücksichtigt - in einem Land, das Israel offiziell nicht anerkennt. Vertreter des Museums sagen, es diene als kulturelle Brücke zwischen Osten und Westen.
Über zehn Jahre wurde das Museum in der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate nach französischem Vorbild gebaut.

Geld aus Trevi-Brunnen geht künftig an Rom

Bislang ging die millionenschwere Münzausbeute jährlich an die Caritas

Die Stadtverwaltung in Rom geht dazu über, die von Touristen in den berühmten Trevi-Brunnen geworfenen Münzen für die eigene Kasse einzusammeln und nicht mehr der Caritas zu überlassen. Wie römische Zeitungen berichteten, will Bürgermeisterin Virginia Raggi von der populistischen Fünf-Sterne-Bewegung das Geld aus der Fontana di Trevi, aber auch aus allen anderen Brunnen der Stadt, ab dem 1. April einem stadteigenen Fonds zuführen. Die Tageszeitung "Il Messaggero" schreibt, eine aus Experten in Sozial- und Kulturpolitik zusammengesetzte Arbeitsgruppe des Rathauses werde über die Verwendung der Gelder für Projekte befinden. Der Zeitung zufolge brachte der Trevi-Brunnen der Hilfsorganisation der römisch-katholischen Kirche jährlich etwa eine Million Euro ein.

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