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Sonntag, 19.11.2017

Interview / Archiv | Beitrag vom 29.08.2014

Bildende Kunst"Duisburg hat eine Chance vergeben"

Der Kulturpolitiker Oliver Scheytt über den Streit um den Raumkünstler Gregor Schneider

Moderation: Sonja Gerth und Oliver Thoma

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Holzkreuze erinnern in Duisburg am Ort des Loveparade-Unglücks an die Toten. (picture alliance / dpa / Marius Becker)
Holzkreuze erinnern in Duisburg am Ort des Loveparade-Unglücks an die Toten. (picture alliance / dpa / Marius Becker)

Kunst sei eine gute Möglichkeit, Traumata zu verarbeiten, sagt Oliver Scheytt. Deshalb sei Duisburgs Absage zum Ausstellungsprojekt von Gregor Schneider zur "Loveparade" eine falsche Entscheidung gewesen.

Sören Link, der Oberbürgermeister Duisburg, hatte plötzlich "Bauchschmerzen" mit Schneiders Arbeit: "Die Stadt ist noch nicht reif für ein Kunstwerk, dem Verwirrungs- und Paniksituationen immanent sind", lautete die Begründung. "Totlast" hieß die Ausstellung, die der renommierte Raumkünstler Gregor Schneider sieben Monate lang für die Stadt Duisburg entwickelte hatte. Das Projekt wurde wenige Wochen vor seiner Eröffnung überraschend abgesagt. Die Wunden der "Loveparade" seien noch nicht geschlossen. Statt in Duisburg wird Gregor Schneiders Projekt in Bochum gezeigt.

Die Absage der Duisburger Ausstellung sei eine falsche Entscheidung gewesen, sagte Oliver Scheytt, der Präsident der Kulturpolitischen-Gesellschaft in Deutschland und ehemaliger Kulturdezernent der Stadt Essen, im Deutschlandradio Kultur:

"Vor allem in der Form, in der Schnelligkeit und wie es angelegt war. Ich denke, dass die Freiheit der Kunst anderer Maßnahmen bedurft hätte als eine einseitige Entscheidung."

"Durch und mit Kunst kann man auch Dinge verarbeiten"

Das "Reich der Kunst" sei eine Möglichkeit, mit der man Traumata, Erlebnisse, Erfahrungen und Gefühle thematisieren könne, ohne sie direkt anzusprechen, meinte Scheytt:

"Wenn also Menschen an die 'Loveparade' gedacht hätten, bei diesem Kunstwerk in Duisburg, so wäre das vielleicht gar nicht das gewesen, was man hätte verhindern müssen. Denn durch und mit Kunst kann man auch Dinge verarbeiten. Und insofern ist der Stadt Duisburg eine Chance genommen worden."

Es wäre besser gewesen, die Ausstellung von Gregor Schneider zum Anlass für Diskussionen mit Opfern, Künstlern und Fachleuten zu machen, sagte Scheytt: Nämlich über die Frage, was dieses Kunstwerk auslösen könne. Man müsse der Kunst ihren Freiraum lassen, forderte er:

"Die Kunst provoziert. Und das ist gut so.Wir brauchen diese außerparlamentarische Opposition. Sonst wäre unsere Gesellschaft unfrei. Sonst wäre unsere Gesellschaft auch ärmer."

Mehr zum Thema:

Bildende Kunst - Im Abflussrohr durchs Museum (Deutschlandradio Kultur, Fazit, 28.08.2014)
 

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