Seit 05:05 Uhr Studio 9
 

Montag, 11.12.2017

Die Reportage | Beitrag vom 13.08.2017

Besuch im größten Zoogeschäft der WeltDer Tierdealer

Von Tina Hüttl

Beitrag hören Podcast abonnieren
Norbert Zajac steht in seinem Zoogeschäft in Duisburg zwischen zwei Reihen von Aquarien. (dpa/ picture-alliance/ Monika Skolimowska)
Norbert Zajac steht in seinem Zoogeschäft in Duisburg zwischen zwei Reihen von Aquarien. (dpa/ picture-alliance/ Monika Skolimowska)

Die größte Zoohandlung der Welt liegt in Duisburg. Gegründet hat sie der Tierfreund und Geschäftsmann Norbert Zajac. Tausende Lebewesen verkauft er pro Jahr, darunter Faultiere und Hundewelpen. Ist er Tierliebhaber oder Geschäftemacher?

Die Zoohandlung von Norbert Zajac in Duisburg ist ein Geschäft der Superlative. 12 000 Quadratmeter Ladenfläche, über 1000 Aquarien, 500 Terrarien, 150 Kleinsäuger-Gehege, 70 Teichbecken, 40 Volieren, eine Katzen- und eine Hundeanlage – mit 3000 Arten und rund 250 000 Tieren.

Damit bietet Zajac mehr als sämtliche anderen Zoohandlungen dieser Welt. Zumindest ist sein Geschäft laut Guinessbuch der Rekorde das größte seiner Art.

Ein Faultier greift nach einer Banane. (dpa/ picture-alliance/ Monika Skolimowska)Norbert Zajac bietet auch Faultiere zum Kauf an. Es würden aber nur wenige verkauft, sie dienen eher als Attraktion, sagt er. (dpa/ picture-alliance/ Monika Skolimowska)

Klar ist: Ein solches Geschäft zieht nicht nur diejenigen an, die schnell ein paar Dosen Hundefutter kaufen wollen, sondern auch Besucher und Zaungäste. Denn schließlich verlangt Zajac keinen Eintritt und bietet doch mehr als der Zoo. Aber natürlich muss der Unternehmer auch Geld verdienen. 

Besucher gehen in Duisburg im größten Zoogeschäft der Welt durch Gänge mit Zubehör. (dpa/ picture-alliance/ Monika Skolimowska)Norbert Zajac beschreibt sich selbst als "Tierdealer". Den meisten Umsatz macht er aber mit Zubehör. (dpa/ picture-alliance/ Monika Skolimowska)

Besuch in der Tierhandlung wird zum Event

Zajacs Geschäftsstrategie: Er gestaltet den Besuch in seiner riesigen Tierhandlung als Event, bietet Pommes an der Imbissbude und stellt an manchen Gehegen Tierfutterautomaten für die vielen Kinder unter den Besuchern auf.

Dazu kommt natürlich das Zubehör, das er gewinnbrigend anbietet: für Hunde beispielsweise Mäntelchen passend zu Frauchens Outfit und Ledertäschchen für die Hundekotbeutel.

Und damit etwa einkaufsfreudige Tierbesitzerinnen nicht von ihren gelangweilten Männern aus dem Laden gezogen werden, hat sich Zajac etwas einfallen lassen und zwischen den Accessoires eine Harley Davidson aufgebockt – die auch gekauft werden kann. Niemand soll aus seinem Laden gehen, ohne Geld dazulassen. 

Peta-Aktivisten demonstrieren 2012 in Duisburg vor der Zoohandlung Zajac gegen den Verkauf von Hunden in Zoohandlungen.  (dpa/ picture-alliance/ Roland Weihrauch)Als Norbert Zajac beschloss, Hundewelpen in seinem Laden zu verkaufen, protestierten Tierschützer vehement dagegen. (dpa/ picture-alliance/ Roland Weihrauch)

Aber was ist der Mann, der sich selbst gerne als "Tierdealer" bezeichnet, nun: Tierfan oder kühler Geschäftsmann? Als er Hundewelpen in sein Programm aufgenommen hat, liefen Tierschützer Sturm. Der Tierdealer erhielt sogar Drohungen, seine Tochter könne entführt werden. Denn Hundewelpen werden hierzulande - nach einem ungeschriebenen Gesetz - nur vom Züchter angeboten, nicht im Geschäft. (ske)

Die Hundewelpen lässt Norbert Zajac von mehreren Pflegern und Tierärzten betreuen. Die behördlichen Auflagen habe er übererfüllt, sagt er. (Deutschlandradio/ Tina Hüttl)Die Hundewelpen lässt Norbert Zajac von mehreren Pflegern und Tierärzten betreuen. Die behördlichen Auflagen habe er übererfüllt, sagt er. (Deutschlandradio/ Tina Hüttl)

Unsere Reporterin Tina Hüttl hat sich ein Bild vor Ort gemacht. Das Manuskript im PDF-Format zum Herunterladen.

Journalistin Tina Hüttl (privat)Journalistin Tina Hüttl (privat)Tina Hüttl: "Ich habe schon lange nicht mehr so viele exotische Tiere gesehen, aber das Faszinierendste fand ich Norbert Zajac selbst. Der Typ ist so begeistert von dem, was er macht und so unermüdlich, was er alles über jedes einzelne Tier weiß, also das hätte ich wirklich nicht erwartet."

Die Reportage

NS-Mordanstalt HadamarWar da was?
Schleifspur zum Krematorium, Öfen sind abgebaut (Ludger Fittkau)

14.500 Menschen wurden in Hadamar zwischen 1941 und 1945 ermordet. Eine Gedenkstätte erinnert zwar an die Euthanasieverbrechen, aber die Stadt tut sich schwer damit, zur ihrer Vergangenheit zu stehen. Sie konzentriert sich vor allem auf ihr Erbe als "historische Fürstenstadt".Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur