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Literatur | Beitrag vom 23.07.2017

BesetztLiterarische Annäherungen an den "stillen Ort"

Von Beate Ziegs

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Eine leere Rolle Toilettenpapier hängt an einem rot-weißen Band an einer Bretterwand. ( imago/CTK Photo)
Ein literarischer Schauplatz und seine Tabus - die Toilette. ( imago/CTK Photo)

Peter Handke, James Joyce, Elfride Jelinek und Mario Vargas Llosa - Dichter, Dramatiker und Erzähler über einen literarischen Schauplatz und seine Tabus. Die Toilette.

Erst kürzlich hat Peter Handke in seinem Versuch über den Stillen Ort, die Toilette zum "Grundanderen" erklärt, das in dem "großen Aufatmen: Endlich allein!" seinen unverwechselbaren Ausdruck findet. Diese Wertschätzung mag erstaunen, ist aber nicht neu. Schon James Joyce schilderte, wie sich Leopold Bloom mit einer Zeitung in einen maroden Abtritt zurückzieht und seine Gedanken fließen lässt, während er sich erleichtert.

Ob Bertolt Brecht oder Erich Maria Remarque, ob Max Frisch, Günter Grass, Hans Magnus Enzensberger, Henry Miller, Jonathan Franzen, J.M. Coetzee oder Péter Nádas: die Liste der Literaten, die in die Tabuzone des wohl menschlichsten aller menschlichen Bedürfnisse vorgedrungen sind, ist lang - und die Art und Weise, in der sie das tun, denkbar unterschiedlich.

So ist für Elfriede Jelinek die Toilette kein Ort der Stille und Ruhe, sondern der Demütigung und Gewalt. Für Victor Hugo wiederum spiegelte sich in der Geschichte der Kloaken die Geschichte der Menschheit wider. Mehr als 100 Jahre später kommt auch Mario Vargas Llosa zu diesem Schluss, wenn er als "Flaggschiff von Zivilisation und Fortschritt" nicht das Buch oder das Internet bezeichnet, sondern die Toilette, die für uns selbstverständlich zum Alltag gehört, jedoch für mindestens ein Drittel der Menschheit ein unerreichbares Luxusgut darstellt.

Das Manuskript zum Herunterladen im PDF-Format.

(Die Sendung ist eine Wiederholung vom 16.2.2014)

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