Sonntag, 21.01.2018

Fazit / Archiv | Beitrag vom 13.02.2016

Berlinale: "Fuocoammare" und "L'Avenir"Isabelle Huppert stöckelt um ihr Leben

Katja Nicodemus im Gespräch mit Sigrid Brinkmann

Podcast abonnieren
Schauspielerin Isabelle Huppert während der Pressekonferenz in Berlin, bei der sie ihren neuen Film "L'avenir" vorstellte. (picture alliance / dpa / Michael Kappeler)
Schauspielerin Isabelle Huppert während der Pressekonferenz in Berlin, bei der sie ihren neuen Film "L'avenir" vorstellte. (picture alliance / dpa / Michael Kappeler)

Dass die Lampedusa-Dokumentation "Fuocoammare" im Wettbewerb der Berlinale laufe, sei richtig, auch wenn sie filmische Schwächen habe, urteilt Filmkritikerin Katja Nicodemus. Und in "L'Avenir - Things to come" mit Isabelle Huppert glänze vor allem die Hauptdarstellerin, meint sie.

Ein Dokumentarfilm, der im Wettbewerb eines Filmfestivals laufe, müsse "etwas Besonderes liefern oder eine besondere Wucht" haben, sagt Filmkritikerin Katja Nicodemus anlässlich der Premiere von "Fuocoammare - Fire at sea" auf der Berlinale. Regisseur Michael Moore sei mit "Bowling for Columbine" in Cannes einer der ersten mit einer Dokumentation im Wettbewerb gewesen.

Der Berlinale-Film von Gianfranco Rosi, der die Ankunft von Flüchtlingen in Lampedusa zeigt, "zielt ebenfalls ins Herz des politischen Zeitgeschehens", meint Nicodemus. Die Entscheidung, den Film in den Wettbewerb zu nehmen, hält Nicodemus für richtig. Allerdings findet sie auch, dass der Film einige Schwächen habe.

Der Dokumentarfilmer hätte sich in "Fuocoammare - Fire at sea" auf den Alltag der Bewohner von Lampedusa konzentrieren müssen, findet Nicodemus. Auch habe er "kein Gefühl für die Haltung oder Moral seiner Bilder oder für die Würde seiner Gefilmten", wenn er etwa sterbende Männer zeigt, die vermutlich nicht mehr antworten konnten, ob sie gefilmt werden wollen. "Da hält die Kamera einfach drauf."

"Fuocoammare - Fire at sea"
Dokumentation von Gianfranco Rosi
Italien/Frankreich, 107 Minuten

 

"Wir schauen buchstäblich einer Frau zu, die um ihr eignes Leben stöckelt", sagt Nicodemus über den französischen Film "L'Avenir - Things to come" von Mia Hansen-Løve.

In dem Film "sehen wir einer Frau zu, die um ihre Zukunft kämpft". Von einem Tag auf den anderen breche das Leben der Heldin, einer Intellektuellen und Buchautorin, gespielt von Isabelle Huppert, zusammen, beschreibt sie die Handlung: "Ihr Mann gesteht ihr, dass er eine andere liebt und verlässt sie. Ihre depressive Mutter stirbt. Und ihr Verlag teilt ihr mit, dass ihre anspruchsollen Bücher nicht mehr in das Marketingkonzept hineinpassen."

In "L'Avenir - Things to come" entwickele Huppert als Schauspielerin "neue Nuancen dieser unglaublichen Grundgereiztheit", die sie auszeichne. Das habe auch sehr komische Züge.

"L'Avenir - Things to come"
Von Mia Hansen-Løve 
Frankreich/Deutschland, 100 Minuten

Kulturpresseschau

Aus den FeuilletonsWie man einen "Murakami" schreibt
Der japanische Schriftsteller Haruki Murakami bei einer Lesung in Odense, Dänemark, wo er mit dem Hans-Christian-Anderesen-Literatur-Award 2016 ausgezeichnet wurde. (picture alliance / dpa / Henning Bagger)

Haruki Murakamis neues Buch beschäftigt sowohl die "Süddeutsche Zeitung" als auch die "Welt". Letztere geht sogar soweit, eine Art Rezept mit allen nötigen Ingredienzien für die Verfassung eines Murakami-Romans zu veröffentlichen.Mehr

weitere Beiträge

Fazit

Georg Baselitz in der SchweizEine Doppelschau zum 80. Geburtstag
Maler Georg Baselitz 

Georg Baselitz gilt als einer der erfolgreichsten deutschen Künstler der Gegenwart. Die Kunstkritik tut sich aber schwer mit ihm. Er habe so lange auf Unangepasstheit gesetzt, bis er im Establishment ankam, so der Vorwurf. Das Kunstmuseum Basel ehrt ihn jetzt mit einer Doppelschau. Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur