Seit 08:00 Uhr Nachrichten
 

Sonntag, 19.11.2017

Lesart | Beitrag vom 04.09.2017

Barbara Vinken über Eugen-Gomringer-GedichtWenn Bewunderung missverstanden wird

Moderation: Frank Meyer

Beitrag hören Podcast abonnieren
Ein Mann hält einer Frau, die auf einem Buchstapel sitzt, eine Blume aus Worten hin. (imago/Ikon Images)
Es gebe eine lange Tradition in der Literatur, in der Männer Frauen ihre Bewunderung ausdrücken, sagt Barbara Vinken. (imago/Ikon Images)

Die Literaturwissenschaftlerin Barbara Vinken kann mit den Sexismus-Vorwürfen gegen ein Gedicht von Eugen Gomringer nichts anfangen: Die Proteste deutet sie als einen Ausdruck unserer Zeit, in der die Frauen nicht mehr bewundert würden.

In letzter Zeit häufen sich Vorgänge, die mit Literatur und dem Vorwurf des Sexismus zu tun haben. Da gab es Vorfälle am Literaturinstitut Hildesheim und in der Diskussion ist die Entfernung eines Gedichtes, das Eugen Gomringer schrieb, von der Hausfassade der Alice-Salomon-Hochschule. Die Frage ist, ob diese Vorwürfe des Sexismus überzogen sind, auf Überempfindlichkeiten hinweisen oder einfach nur instrumentalisiert werden sollen?

Die Schönheit der Welt in fünf Wörtern

"Ich finde das ein sehr bewundernswürdiges Gedicht, das die Schönheit der Welt einfach in fünf Wörtern erblühen lässt", sagt die Literaturwissenschaftlerin Barbara Vinken. In dieser Bewunderung eine Aufforderung zu sexueller Übergriffigkeit zu sehen, scheine ihr ein Symptom zu sein für "die Welt, in der wir leben", in der die Frauen nicht mehr bewundert, sondern angemacht, überwältigt und verbraucht würden.

Es gebe in der Literatur eine lange Tradition der Bewunderung von Frauen in Texten - und Zeiten, in denen dieses kritisiert wurde. Der englische Schriftsteller Samuel Richardson etwa, selbst für Tugendromane bekannt, habe Ovid und Petrarca verdächtigt, die Bewunderung für Frauen in ihren Texten nur einzusetzen, um die Frauen zu verführen.

Mehr zum Thema

Sprachkritik - Wo liegt die Grenze des Sagbaren?
(Deutschlandfunk Kultur, Sein und Streit, 03.09.2017)

Kontroverse um Eugen Gomringers Gedicht - Kunstfreiheit versus Sexismusvorwurf
(Deutschlandfunk Kultur, Kompressor, 01.09.2017)

Lesart

Wundermittel oder Krebsgefahr?Der Kampf um Glyphosat & Co.
Ein Traktor fährt bei Göttingen (Niedersachsen) Ende März über ein Feld und bringt mittels einer gezogenen Anhängespritze zur Saatbettbereinigung Glykosphat aus (undatierte Aufnahme). Glyphosat kommt in der Regel als Nacherntebehandlung bzw. vor der Aussaat zum Einsatz. Das Pestizid dient zur Unkrautbekämpfung in der Landwirtschaft. (ACHTUNG: Nur zur redaktionellen Verwendung und der vollständigen Nennung der Quelle) - Foto: Steven Lüdtke/Forum Moderne Landwirtschaft/dpa (Steven Lüdtke/Forum Moderne Landwirtschaft/dpa)

Ist Glyphosat ein ungefährliches Wundermittel zur Bekämpfung von Unkraut? Oder schädigt es die DNA und zerstört die Vielfalt unserer Natur? Wir diskutieren mit dem Biochemiker Helmut Burtscher-Schaden und dem Dokumentarfilmer Alexander Schiebel über die leidenschaftlich geführte Debatte. Mehr

weitere Beiträge

Buchkritik

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur