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Lesart / Archiv | Beitrag vom 06.02.2017

Barbara Landes: "Die Ballade vom Wunderkind Carson McCullers"Erzählt mit konsequenter Leidenschaft

Von Manuela Reichart

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(imago/United Archives International)
Die amerikanische Autorin Carson McCullers im Jahr 1955 (imago/United Archives International)

Carson McCullers gilt als eine der großen Südstaatenautorinnen. Die Münchner Autorin Barbara Landes widmet ihr nun eine umfangreiche Romanbiografie. Stilistisch ist sie grauenhaft - lesenswert ist das Buch aber trotzdem.

Carson McCullers wurde 1940 mit ihrem ersten Roman "Das Herz ist ein einsamer Jäger" zum literarischen Star, zu einer der großen Südstaatenautorinnen. Da war sie 23 Jahre alt, lebte in New York und war seit drei Jahren verheiratet. Eigentlich hatte sie Musikerin werden wollen. Später erzählte sie gerne, wie sie frisch in New York angekommen in einem Freudenhaus nichtsahnend ein Zimmer gemietet und einer Prostituierten ihr Unterrichtsgeld für die Julliard School anvertraut hatte. Die falsche Freundin war damit verschwunden - nur deswegen sei sie überhaupt Schriftstellerin und nicht Pianistin ge­worden. Carson McCullers erzählte gerne Geschichten und entwarf Varianten ihres Lebens.

Barbara Landes hat nun aus Anekdoten und Biographien, aus Berichten und Erinner­ungen einen kenntnisreichen Lebensroman zusammengesetzt. Sie führt einen Freund ein, der in der Nacht vor der Beerdigung in Nyack am 3. Oktober 1967 am Schreibtisch sitzt, weil er eine Trauerrede halten und nicht weiß, wie und wo er beginnen, wovon er erzählen soll. Er wird gebeten und gedrängt, sie hätte es gewollt. Zwei Freundinnen re­den auf ihn ein. Ein etwas holpriger Beginn, in dem die eine "entschieden ihre Hand" an "die schmale Taille" legt und beide Frauen "nachsichtig" lächeln.

Sprache und literarische Form sind nicht die Stärken der Münchner Autorin. Da ist McCullers Vater "nur für einen Augenblick überwältigt von jener Ratlosigkeit, die sich nie ganz unterdrücken, meist jedoch gut im Zaume halten ließ", und McCullers Alkoho­lis­mus ist im Ehemann begründet, denn "er trank mehr denn je, und als Carson sah, wie sich sein Gesicht veränderte, erfasste sie ein solches Grauen, dass auch sie immer häu­figer zur Flasche griff".

Stilistisch grauenvoll

Ein stilistisches Grauen stellt sich bei der Lektüre leider häufiger ein, aber das ist nur die eine Seite dieses Romans, die andere betrifft die konsequente Leidenschaft, mit der hier vom Leben einer bewunderten Schriftstellerin erzählt wird. Man lernt das hochbegabte Kind kennen (und möchte sofort McCullers Debüt-Geschichte "Wunderkind" lesen), die leidenschaftlich liebende junge Frau (und sollte zu ihrer Autobiographie greifen), die erfolgreiche Schriftstellerin und die von Krankheiten gepeinigte Frau.

Seit der ersten Lektüre vor mehr als zwei Jahrzehnten habe McCullers sie begleitet und literarisch geprägt, hheißt es im Klappentext über Barbara Landes. Die Autorin hat sich eindrucksvoll in Leben und Werk der Bewunderten vertieft. Wer zu dieser Romanbio­graphie greift, wird deswegen hoffentlich angesteckt von der Begeisterung und greift zum Werk der großartigen Carson McCullers. Weil das aus der Lektüre folgen kann, sei dieses Buch am Ende gelobt.

Barbara Landes: Die Ballade vom Wunderkind Carson McCullers
Verlag ebersbach & simon, Berlin 2016
220 Seiten, 19,95 EUR

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