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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 26.05.2016

Autor Yosef SimsekAls Tabubrecher in einer arabischen Großfamilie

Moderation: Matthias Hanselmann

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Yosef Simsek (Erhat Simsek )
Yosef Simsek (Erhat Simsek )

Yosef Simsek wuchs zwischen zwei Welten auf und hat seine Kindheit nun in einem Buch verarbeitet. Der 26-Jährige schreibt darüber, wie es ist, als arabisch-türkischer Jugendlicher in Deutschland aufzuwachsen.

Mit 14 brach Yosef Simsek alle Tabus seiner arabischen Großfamilie: Er zeigte seinen Vater an, der ihn und andere Familienmitglieder jahrelang geschlagen hatte.

"Für mich selber glaube ich nicht, dass ich jemals zur Polizei gegangen wäre. Es war dann so, dass er einmal, als ich von der Schule zurückgekommen bin, auf meine Mutter eingeschlagen hat und das war zu viel für mich. Meine Mutter stand immer auf meiner Seite und hat mir immer geholfen – sie jetzt so erniedrigt auf dem Boden liegen zu sehen, das habe ich nicht ertragen. Ich habe das mehr für meine Mutter gemacht als für mich."

"Das ist vielleicht diese Religiöse, das in mir drin geblieben ist"

Die Folgen dieser mutigen Tat waren fatal: Die Behörden nahmen es zum Anlass, seine gesamte türkisch-arabische Familie von Norddeutschland in die Südosttürkei abzuschieben - auch, weil sie über ihre wahre Herkunft gelogen hatten.

Heute ist er 26 Jahre alt und lebt bei seinen Eltern in der Türkei. Seinem Vater, der inzwischen schwer krank ist, hat er verziehen.

"Ich hatte einfach niemals einen Vater und wenn ich ihn jetzt so habe, reicht mir das. Es ist nicht so, dass wir ein supertolles Verhältnis haben wie andere Väter und Söhne, aber so, wie es ist, reicht es mir vollkommen und macht mich glücklich. Das ist vielleicht diese Religiöse, das in mir drin geblieben ist, dieses Traditionelle, dass man einfach die Eltern verehrt."

Irgendwann will Yosef Simsek seinen Traum leben und als Modemacher nach Istanbul gehen.

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