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Studio 9 | Beitrag vom 16.05.2018

Ausstellung "Relikte des Kalten Krieges" in BonnSowjets in schillernden Farben und graue Militärbasen

Von Henning Hübert

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Ein rostiger Panzer auf einem ehemaligen Sowjetischen Truppenübungsplatz in Sachsen-Anhalt. (Martin Roemers)
So sieht der Rest des Kalten Krieges heute aus: Ein rostiger Panzer auf einem ehemaligen sowjetischen Truppenübungsplatz in Altengrabow in Sachsen-Anhalt, fotografiert von Martin Roemers im Jahr 2004. (Martin Roemers)

Der niederländische Fotograf Martin Roemers hat die baulichen und topografischen Hinterlassenschaften des Ost-West-Konflikts dokumentiert. Das Bonner Haus der Geschichte zeigt rund 70 Fotografien, etwa von Tunneln und Bunkern.

Zu Beginn ein Foto von einem Gynäkologiestuhl vor blau-grünen Fliesen. Er steht in einem nur halb leer geräumten Untersuchungszimmer des einstigen Militärhospitals der Sowjetarmee. Entstanden ist das Foto im ostdeutschen Städtchen Jüterbog. Daneben: Ein Lenin-Porträt mit abblätternder Farbe. Der mehrfach ausgezeichnete niederländische Fotograf Marin Roemers hat die Bilder auf seinen vielen Recherchereisen gemacht. In zehn Staaten Europas war er auf der Suche nach den Relikten des Kalten Krieges. Nun präsentiert Ausstellungsdirektor Thorsten Smidt die großen Objekt-Fotos im Bonner Haus der Geschichte:

"Also teilweise ist es wirklich gruselig. Am farbigsten und damit vielleicht für den Einstieg in diese Ausstellung am attraktivsten sind die Hinterlassenschaften der Roten Armee in der ehemaligen DDR. Da wurde wirklich mit einem Ausstattungsfuror um sich geschmissen. Und der sowjetische neue Mensch dann in schillernden Farben dargestellt. Also das ist schon wirklich beeindruckend - vor allem, wenn man dann heute sieht, wie sehr dieses wunderbare Bild bröckelt. Und wie vergänglich doch diese Vorstellungen sind."

Eine Menge alter Schrott - aus heutiger Sicht

Bunker der Nato können es in ihrer betongrauen Schlichtheit locker aufnehmen mit den Raketenabschussrampen des Warschauer Paktes. In der Ausstellung hängen die Werke so, dass immer die Ähnlichkeiten betont werden: Verstecke für Marschflugkörper lagen hüben wie drüben in hohen Nadelwäldern. So wie die U-Boot-Verstecke auf der Krim wurden auch die Bauten auf dem Atom-Testgelände in Ostengland lange nicht zurück gebaut - beides mögliche Kulissen für James-Bond-Filme. Fast immer fehlen Menschen. Martin Roemers war oft ganz allein unterwegs auf den alten Militärbasen:

"Es gibt eine Menge alten Schrotts zu sehen. Natürlich auch das: Relikte des Kalten Krieges, Waffen und Militäranlagen, die zur Vorbereitung auf einen heißen Krieg angeschafft wurden. Aber ja, es blieb zum Glück beim Kalten Krieg."

Einige seiner Fotos aus unterirdischen Bunkeranlagen hängen jetzt neben den Rolltreppen der nächsten Bonner U-Bahn-Station. Martin Roemers Serie von etwa 70 Fotos entstand zwischen 1998 und 2009. Er war dafür in zehn Ländern. Nur in seiner Heimat, den Niederlanden, kam er nicht immer ans Ziel:

"Die Amerikaner sagten: 'Herzlich Willkommen, gehen Sie rein.' Aber es waren die niederländischen Behörden, die sagten: 'Das wollen wir nicht.' Warum? Da ist doch nichts Geheimes mehr drin in den amerikanischen Kasernen. Ich bekam keine Erklärung für ihr Verbot. Ausgerechnet in meinem Land wurde mir an mehreren Stellen der Zutritt verwehrt. Andernorts war es kein Problem, nachdem ich mit den neuen Eigentümern gesprochen hatte. Hatte ich die Objekte einmal gefunden, kam ich auch rein."

So zum Beispiel auf sowjetischen Militärfriedhöfe in Ostdeutschland und Polen. Was Martin Roemers dort auf den Grabsteinen fand: Fotos von Soldaten und einer Soldatin, ganz junge Gesichter. Verunglückt im Dienst. Es gab doch Tote im Kalten Krieg, bis vor 30 Jahren, mitten in Europa.

Die Ausstellung "Relikte des Kalten Krieges" ist noch bis zum 26. August 2018 im Bonner Haus der Geschichte zu sehen.

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