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Kompressor | Beitrag vom 19.05.2017

Ausstellung "Luther und die Avantgarde" Der Reformator als "Mutbürger"

Mischa Kuball im Gespräch mit Stephan Karkowsky

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Eine von Jonathan Meese gestaltete Haftzelle in der Ausstellung "Luther und die Avantgarde" in Lutherstadt Wittenberg, aufgenommen am 18.05.2017". Die Schau zeigt Kunst in einem alten Gefängnis. (picture alliance / dpa / Jan Woitas)
Eine von Jonathan Meese gestaltete Haftzelle in der Ausstellung "Luther und die Avantgarde" in Lutherstadt Wittenberg, aufgenommen am 18.05.2017". Die Schau zeigt Kunst in einem alten Gefängnis. (picture alliance / dpa / Jan Woitas)

Im ehemaligen Gefängnis in Wittenberg ist ab seit Freitag die Ausstellung "Luther und die Avantgarde" zu sehen. Der Düsseldorfer Künstler Mischa Kuball würdigte den Reformator als jemanden, der in seiner Zeit viel riskiert habe.

In der Ausstellung "Luther und die Avantgarde" im ehemaligen Gefängnis in Wittenberg setzen sich 66 Künstlerinnen und Künstler mit dem streitbaren Reformator Martin Luther auseinander. Beteiligt sind unter anderen international bekannte Künstler wie Ai Weiwei, Monica Bonvicini, Markus Lüpertz und Jonathan Meese, die ihre Werke präsentieren.

"Ich glaube, dass der Ort hier, die Arbeiten sehr, sehr fokussiert, weil man sich darüber Gedanken macht, wo bin ich eigentlich, wo ich Kunst schaue", sagte der mitwirkende Düsseldorfer Künstler Mischa Kuball im Deutschlandfunk Kultur über den besonderen Ausstellungsort. Wenn Besucher die Räume des früheren Gefängnisses beträten, würden sie sehr stark mit der Frage konfrontiert, wie heute Strafvollzug funktioniere und wie man mit Menschen umgehe, die aus der Gesellschaft herausstächen.

Asyl und Schutz für Luther

"Das sind ja nicht nur Straftäter, es sind auch Menschen, die uns auffallen, die weggesperrt werden, weil sie Dinge behaupten oder auf Dinge sich beziehen, denen wir eher einen gesellschaftlichen Schaden zusprechen als einen Nutzen", sagte Kuball. Luther sei damals ins Gefängnis gekommen, weil der Nutzen seiner kritischen Haltung nicht geschätzt worden sei. "Er brauchte ja auch Asyl und Schutz, um seine Thesen und seine Ideen weiter zu entwickeln." Es habe sich damals um einen Kerker gehandelt.

Der Konzeptkünstler Mischa Kuball posiert in seinem Atelier in Düsseldorf. (dpa / picture alliance / Rolf Vennenbernd)Der Konzeptkünstler Mischa Kuball ist an der Ausstellung "Luther und die Avantgarde" im früheren Gefängnis Wittenberg beteiligt (dpa / picture alliance / Rolf Vennenbernd)

Kuball würdigte Luther als jemanden, der sich individuell als Person bewegt habe. "Das macht ihn vielleicht insoweit zu einem Avantgardisten, dass er sehr radikale Formulierungen gewählt hat, die ihn heute vielleicht angreifbar machen, aber in seiner Zeit hat er sehr viel riskiert", sagte Kuball. "Er war eben ein Mutbürger, nicht so sehr ein Wutbürger."

Drei Ausstellungsorte

Die Wittenberger Ausstellung ist Teil der Schau "Luther und die Avantgarde", die an drei Ausstellungsorten präsentiert wird. Das ehemalige Gefängnis wurde dafür eigens renoviert und öffentlich zugänglich gemacht. Andere Ausstellungsorte sind die St. Matthäus-Kirche in Berlin und die Karlskirche in Kassel. Das Projekt wird von der EKD unterstützt und in Zusammenarbeit mit dem Reformationsjubiläum e.V. 2017 realisiert.   

Die Ausstellung "Luther und die Avantgarde" ist vom 19. Mai bis 17. September 2017 in Wittenberg, Kassel und Berlin zu sehen.

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