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Kompressor | Beitrag vom 14.09.2017

Ausstellung "Ganz Wien. Eine Pop-Tour"Vienna calling

Austro-Pop-Manager Stefan Redelsteiner im Gespräch mit Stephan Karkowsky

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Die Wiener Musikerin "Gustav" (Thomas Degen / Wien Museum)
Die Wiener Musikerin "Gustav" (Thomas Degen / Wien Museum)

Die Ausstellung "Ganz Wien" zeigt 60 Jahre Popgeschichte der österreichischen Hauptstadt. Von Falco bis zu aktuellen Musikgruppen wie Gustav, Bilderbuch - oder Wanda. Deren Entdecker und Ex-Manager, Stefan Redelsteiner, hat das Museum Wien besucht – und sich selbst als Ausstellungsstück wiedergefunden.

Kaum ist Pop-Geschichte geschrieben, schon landet sie im Museum: David-Bowie- Ausstellungen gebe es schon lange. "Und jetzt ist es auch in Wien so weit, dass wir alle ausgestopft im Museum hinter Glasvitrinen stehen", sagt Musikmanager Stefan Redelsteiner, der als Entdecker von österreichischen Bands wie Voodoo Jürgens und Wanda gilt.

In der Ausstellung "Ganz Wien" sind 60 Jahre Popgeschichte der österreichischen Hauptstadt zu sehen. Anhand von 13 Clubs, Musikstudios und anderer Orte wird im Museum Wien vom Nachtleben der 50er-Jahre erzählt, von Falcos Nächten im Club U4 und dem Erfolg aktueller Musikgruppen wie Bilderbuch, Gustav oder Wanda. Und Stefan Redelsteiner gehört als Austro-Pop-Manager quasi als Ausstellungsobjekt dazu.

"Ich mag ja an Pop überhaupt nicht, dass er jetzt langsam ins Museum rein kommt", sagt Redelsteiner.

"Aber es war sehr erfrischend, weil diese Ausstellung einen sehr anti-intellektuellen Ansatz hat."

Stattdessen setzte sie mit zahlreichen Hörbeispielen und persönlichen Ausstellungsstücken - wie beispielsweise alten Briefen des Sängers Falco - auf Emotionen.

"Es ist sehr frisch, nicht altbacken, dieses alte Wien-Klischee."

Die Ausstellung würde nicht nur die musikalischen Größen, sondern auch eher unbekannte Wiener Bands vorstellen, wie beispielsweise die erste Psychedelic-Rock-Band Novak's Kapelle. Es sei "recht cool", dass diese Bands durch die Ausstellung "auch eine Plattform im Feuilleton bekommen".

Österreichische Band machen "ihr eigenes Ding"

Warum die österreichische Musikszene heute gerade so erfolgreich ist – dafür hat Redelsteiner eine ziemlich einfache Erklärung: Sie würden halt einfach "ihr eigenes Ding" machen. Vor einigen Jahren hätten sich die meisten Musiker noch "angebiedert" an englische und US-amerikanische Originale.

"Dann ist so eine Zeit gekommen, wo Leute – unter anderem ich – gesagt haben: Wieso machen wir nicht Musik in der Sprache, in der wir denken, sprechen, fühlen, träumen? Und das ist dann kulminiert."

Ein Erfolgsrezept, das Redelsteiner schließlich selbst ins Museum, hinter die Glasvitrine gebracht hat: Am Ende der Ausstellung, ganz unten auf einem Plakat des Liedermachers Voodoo Jürgens steht sein Name: Redelsteiner.

(lk)


Ausgewählte Bilder der Ausstellung:

Friedensreich Hundertwasser 1953 im Strohkoffer (Lessing / Bildarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek)Friedensreich Hundertwasser 1953 im Strohkoffer (Lessing / Bildarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek)

Der Art-Club – wegen seiner mit Schilfrohr verzierten Wänden auch "Strohkoffer" genannt – eröffnete 1951. Tagsüber war er Galerie, abends ein Ort der Begegnung, an dem diskutiert wurde und junge Autoren aus ihren Werken vorlasen: Friedensreich Hundertwasser stellte hier aus, zu den Stammgästen zählten unter anderen Friederike Mayröcker und Ernst Jandl. Auch Carl Zuckmayer, Jean Cocteau und Benjamin Britten schauten im Club vorbei.

Falco, 1985  (Didi Sattmann / Wien Museum)Falco, 1985 (Didi Sattmann / Wien Museum)

In Liedern wie "Wiener Blut" oder "Ganz Wien" besingt Falco seine Geburts- und Heimatstadt. "Wien, nur Wien, du kennst mich up, kennst mich down", bekennt er in "Vienna Calling". Seine Würdigung des "Superstars" Wolfgang Amadeus Mozart, der einen großen Teil seines Lebens in Wien verbrachte, wurde zum internationalen Hit. Kurzum: Falco ohne Wien, das ist kaum denkbar.            

Im U4, 1980er-Jahre  (Privatsammlung Conny De Beauclair / Wiener Museum)Der Wiener Club U4 - Treffpunkt der Punk- und New-Wave-Szene. (Privatsammlung Conny De Beauclair / Wiener Museum)

"Und Donau außer Rand und Band, Im U4 geigen die Goldfisch'", besingt Falco im Song "Ganz Wien" das U4. Er selbst war der berühmteste Stammgast des Lokals. 1980 eröffnet wurde das U4 zum Treffpunkt der Punk- und New-Wave-Szene. Wer dazugehören wollte, musste einfach dabei sein: Blümchen Blau, Tom Pettings Herzattacken, Hansi Lang, Drahdiwaberl - sie alle waren Stammgäste.

Heute gebe es den Club noch, erzählt Austro-Pop-Manager Stefan Redelsteiner. Er sei aber extrem verschlafen. "Die Szene ist da schon lange nicht mehr." Insofern passe es schon, dass der Club jetzt in einem Museum thematisiert werde. Er sei eine Art "museales Relikt".  

Die Band Bilderbuch, 2017 (Heribert Corn / Wien Museum)Seit 2008 leben die Bandmitglieder der österreichischen Gruppe "Bilderbuch" in Wien. (Heribert Corn / Wien Museum)

Der "Rolling Stone" bezeichnet sie als die Erben Falcos, die an die alten Zeiten des Austro-Pops anknüpfen: die Band Bilderbuch. Auch wenn die Mitglieder der Band seit etlichen Jahren schon in Wien leben – ihr Blick auf die Stadt ist dann doch sehr viel distanzierter als der Falcos. "Einmal willst du nach Berlin. Einmal willst du leben auf Hawaii. Sterben wirst du leider in Wien. Da g'hörst du hin", singen sie in "Bleib, wo du warst".

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Bilderbuch-Sänger Maurice Ernst - "Künstler verführen dich"
(Deutschlandfunk Kultur, Tonart, 20.02.2017)

Austropop-Produzent Stefan Redelsteiner - "Jeder soll Wanda hören"
(Deutschlandfunk Kultur, Tonart, 19.07.2016)

Sänger Voodoo Jürgens - Musikalische 1A-Ware aus Wiener Beisln
(Deutschlandfunk, Corso, 27.10.2016)

Fazit

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