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Lesart / Archiv | Beitrag vom 12.10.2015

Ausstellung "Comic-Transfer“Den Strich vor Ort setzen können

Von Norbert Zeeb

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Eine Frau mit einem Zeichenblock (picture alliance / dpa / Sandra Gätke)
Eine Frau mit einem Zeichenblock (picture alliance / dpa / Sandra Gätke)

Wie sehen deutsche Comic-Künstler Lissabon oder Paris? Was entdecken italienische Comic-Zeichner in Berlin? Um die internationale Comic-Szene stärker zu vernetzen, initiierte das Goethe-Institut das Austauschprogramm "Comic-Transfer". Die Ergebnisse sind nun in Hamburg zu sehen.

20 Comic-Zeichnerinnen und Zeichner aus Italien, Frankreich, Spanien, Belgien, Portugal, dem Libanon, Marokko und Deutschland hat das Geothe-Institut auf Reisen geschickt, um sich gegenseitig zu besuchen und die von ihnen bereisten Städte zu porträtieren. Herausgekommen sind unzählige Comic-Strips, Einzelimpressionen und Skizzen, die nun erstmals gemeinsam auf der Ausstellung "Comic-Transfer" in der Hamburger Zentralbibliothek zu sehen sind.

"Ich war fasziniert von der Stadt, sie ist so unterschiedlich in sich selbst. Altes und Neues prallt aufeinander, die Leute bewegen und kleiden sich auffällig.] Ich war dort im Sommer und das Leben auf der Straße pulsierte. Den ersten Tag als ich ankam, ging ich durch einen Park und eine Band hatte sich offenbar einen Stromgenerator für ihre Verstärker besorgt und spielte da einfach mitten im Park ein Konzert, es war großartig."

Ricardo Cabral, Comic-Künstler und Illustrator aus Lissabon, schwärmt von seinem Aufenthalt in Berlin, der ihm durch das Projekt "Comic-Transfer" des Goethe-Instituts ermöglicht wurde. Nun steht er vor einer großen Ausstellungswand in der Hamburger Zentralbibliothek und blickt auf seine Berliner Zeichnungen und Skizzen. Zu sehen sind Kneipengänger am Kicker-Tisch, eine Rockband im Park, Touries vor dem Reichstag – realistische Zeichnungen und Szenen, die Cabral quasi im Vorbeigehen, direkt vor Ort gezeichnet und später mit Hilfe eigener Fotos koloriert hat:

"Das sind alles Dinge, die ich interessant finde, Gebäude, Menschen. Das Leben, wie es ist, das ist es, was mich interessiert."

***

"Hempelchen und Pempelchen, die fanden einen Sarg,
sie wollten beide wissen, was sich darin verbarg,
sie konnten es kaum glauben, lauter tote Tauben - also relativ sinnbefreit, aber lustig irgendwie..."

Till Laßmann, Comiczeichner aus Hamburg, Kennern vor allem bekannt durch die irrwitzige Comic-Strip-Serie "Hempelchen und Pempelchen". Das "Comic-Transfer"- Projekt führte Laßmann nach Portugal, wo er zunächst Porto und später das Atelier von Comic-Künstler Ricardo Cabral in Lissabon besuchte:

"Ja, der Blick aus Ricardos Studio ist also eine Häuserfront oder ein Ausblick aus dem Atelier, halt über die Dächer, im Vordergrund ein kleines Haus, was schon bisschen zerfallen ist, wo der Zahn der Zeit dran nagt..."

Laßmanns Lissabon-Zeichnungen sind realistische, mit schnellen, wie er selber sagt, ungeduldigen Strichen gezogene Abbildungen des zunehmenden Zerfalls der städtischen Substanz:

"Der Zerfall, der da stattfindet, fand ich sehr erschreckend, aber auch berührend irgendwie. Ich war vorher mal in Osteuropa unterwegs gewesen und da hat sich das ein bisschen natürlicher angefühlt, also man wusste, dass dieses Sowjetsystem im Prinzip zerfällt. Da hat man einen Grund, aber hier in Portugal, da denkt man, hey, wir sind hier in Europa und da sollte eigentlich Geld dafür da sein, diese schönen Gebäude zu erhalten. Ja, das war schon erstaunlich, wie marode das teilweise da so aussieht."

***

"Also mein letztes veröffentlichtes Buch war "Brigitte und der Perlenhort", ist bei Reprodukt erschienen. Also das war eine Comicserie und da gab es auch eine Figur, Brigitte, eine Hündin. Allerdings gibt es keine Figur, die ich immer so weiterführe, sondern das sind eigentlich alles so Alter Egos von mir selber, also im Grunde bin ich schon immer die Figur, würde ich sagen."

Aisha Franz, Comiczeichnerin aus Berlin. Via Comic-Transfer reiste sie nach Bologna. Und da sie in ihren Geschichten im Grunde immer von sich selbst erzählt, ist es kaum erstaunlich, dass sie in Bologna auch gleich sich selbst gezeichnet hat, um ihre Erlebnisse dort festzuhalten. In einer Szene ist Aisha Franz bei der Vorbereitung einer Ausstellung für Comic-Künstler zu sehen.

"Also eine konkrete Szene, die ich sehr mag, ist quasi:Ich im leeren Galerieraum, den ich bestücken soll. Und das sind sechs Panels und in jedem Panel stehe ich vor einer weißen Wand, grübelnd, in verschiedenen Outfits, woran man wohl erkennen kann, dass Tage verstreichen, und erst am letzten Tag hänge ich ein Bild auf (lacht). So ungefähr war das auch."

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