Seit 14:00 Uhr Nachrichten
 

Mittwoch, 13.12.2017

Kulturpresseschau | Beitrag vom 05.12.2017

Aus den FeuilletonsWie groß ist Russlands Einfluss auf unsere Meinung?

Von Adelheid Wedel

Beitrag hören Podcast abonnieren
Manipulationen in sozialen Medien im Sinne des Kremls tragen laut "Die Welt" dazu bei, dass gesellschaftliche Kontroversen verstärkt werden. (dpa picture alliance / Evgeny Biyatov/Sputnik)
Manipulationen in sozialen Medien im Sinne des Kremls tragen laut "Die Welt" dazu bei, dass gesellschaftliche Kontroversen verstärkt werden. (dpa picture alliance / Evgeny Biyatov/Sputnik)

Die Feuilletons reflektieren Russlands Wirken. "Die Welt" untersucht den Einfluss russischer Staatsmedien auf deutsche Links- und Rechtsextremisten. Der "Tagesspiegel" berichtet über US-Medien, die von Russland zu ausländischen Agenten erklärt werden.

Finnland feiert 100 Jahre Unabhängigkeit. Lasst uns mitfeiern, rät Tilman Krause in der Tageszeitung DIE WELT. Und erbittet Aufmerksamkeit für seine Festtagsempfehlung. Es ist die Lektüre von Frans Eemil Sillanpääs Roman "Silja, die Magd". 1931 in Finnland erschienen, kurz darauf in Deutsch, "ist er viel mehr als ein Dienstmädchenroman. Das ganze wunderbare, ländliche, atmende, blühende Finnland ist nämlich in diesem Buch", schwärmt Krause.

Und weiter: "Siljas Geschichte ist die Geschichte eines Menschen, der bei allen sozialen, zwischenmenschlichen und dann auch irgendwann gesundheitlichen Schwierigkeiten im Einklang mit sich selber bleibt. Sillanpääs feiner Humor, seine schlackenlose Sprache, seine immer ein wenig spitzbübische Lakonie bannen alle Kitschgefahr. Es ist der schönste, finnsche Roman des 20. Jahrhunderts", fasst Tilman Krause seine Empfehlung zusammen.

Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG hingegen würdigt vielstimmig das finnische Jubiläum und unterstreicht, dass Finnland "vor genau 100 Jahren ein selbstbewusster Staat wurde". Dabei spielte das Epos "Kalevala" eine entscheidende Rolle. Vier Autoren rekonstruieren unter der Überschrift "Ein Monument des Eigensinns" in der F.A.Z. "die Geburt einer Nation aus dem Geiste der Kultur".

Misstrauen gegen demokratische Institutionen geschürt

Ebenfalls aus unterschiedlichen Blickwinkeln reflektieren die Feuilletons vom Mittwoch Russlands Wirken in Kultur und Philosophie. DIE WELT titelt "Moskau mischt sich ein" und untersucht, "wie russische Staatsmedien in Deutschland Bewegungen auf der extremen Linken und der extremen Rechten gegen das 'Establishment' unterstützen. Im Gegenzug folgen diese der Agenda des Kreml", schreiben die polnisch-US-amerikanische Historikerin Anne Applebaum und der britische Journalist Peter Pomeranzew.

Sie kommen zu dem Schluss: "Die Mischung aus unzutreffenden Nachrichten in russischen Staatsmedien und Manipulation der sozialen Medien im Sinne des Kreml sorgen dafür, dass gesellschaftliche Kontroversen - etwa über die Zuwanderung - verstärkt und das Misstrauen in die demokratischen Institutionen Deutschlands geschürt werden. Mit dem Ziel", so die Meinung der Autoren, "die AfD zu unterstützen". Auf speziellen Plattformen wie 4chan und Discord böten "Alt-Right"-Webkonten aus den USA deutschen Aktivisten der rechtsextremen Szene "taktische Hinweise zur memetischen Kriegsführung, zur Schaffung gefälschter Konten ... und zur Verwirrung".

Der TAGESSPIEGEL informiert über eine Verlautbarung des russischen Innenministeriums vom Dienstag, demzufolge neun US-Medien zu ausländischen Agenten erklärt werden. Die Maßnahme folgt dem umstrittenen Mediengesetz, das Präsident Putin im November unterzeichnet hatte. "Reporter ohne Grenzen verurteilt die Entscheidung des russischen Justizministeriums", berichtet Markus Ehrenberg.

Es sei "äußerst bedauerlich, dass die USA diesen Schlagabtausch von wechselseitigen repressiven Maßnahmen gestartet haben", wird Vorstandssprecher Michael Rediske zitiert. Viele NGOs in Russland haben ihre Aktivitäten wegen der intensiven Überwachung inzwischen eingestellt, schreibt Ehrenberg und gibt zu bedenken: In der Rangliste der Pressefreiheit steht Russland derzeit auf Platz 148 von 180 Staaten.

Was bleibt von Niklas Luhmann?

Eine ganze Zeitungsseite widmet die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG dem - wie sie schreibt - "Genie der Gesellschaftstheorie" Niklas Luhmann. Vor neunzig Jahren "kam der deutsche Kultautor zur Welt. Was bleibt?", fragt Norbert Bolz, Professor für Medienwissenschaften an der TU Berlin. Wir erfahren, "nun legt der Suhrkamp-Verlag unter dem Titel 'Systemtheorie der Gesellschaft' erstmals die ursprüngliche Fassung eines Manuskripts aus den 70er Jahren vor. Es ist Luhmanns Opus magnum, das er im Laufe von 30 Jahren immer wieder umgeschrieben hat, eine", wie Bolz meint, "nicht nur für Luhmann-Fans äußerst interessante Lektüre".

Fazit

weitere Beiträge

Kompressor

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur