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Kulturpresseschau | Beitrag vom 30.05.2018

Aus den FeuilletonsÜber die Vorteile in Europa zu leben

Von Klaus Pokatzky

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Yiwu trug während der Lesung Lieder vor und las Auszüge aus seinem Buch "Die Kugel und das Opium". (picture alliance / dpa / Marc Tirl)
Liao Yiwu lebt sei 2011 in Deutschland: Wirklich zu Hause fühle er sich nur in der Literatur, sagt der chinesische Schriftsteller. (picture alliance / dpa / Marc Tirl)

"Die Welt" und "Der Freitag" zeigen, warum der Schutz der Privatsphäre in Europa besser ist, als in anderen Teilen der Welt: Ein chinesischer Schriftsteller kann darum im deutschen Exil arbeiten, bekennt sich aber zu einem ganz anderen zu Hause.

"Alles wird kürzer", klärt uns die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG auf. "Auch die Sätze", meint Paul Jandl. "Und es wird doch nicht alles kürzer. Die Tage werden wieder länger, und das ist ein Plädoyer, die gewonnene Zeit mit langen Sätzen zu füllen." Also im Sommer bitte ausufernd wärmstens reden, im Winter dann wieder unterkühlt kurz. "Sätze sind Schwingungen, und wenn ihre Teile ineinander und gegeneinander schwingen, dann ist das ein Sound, der anders ist als die Drei-Wort-Welt der Schnellnachrichten."

Ungekürztes Feuilleton

Was Gottlob nicht kürzer wird, ist auf jeden Fall das Feuilleton – wobei es allerdings auch da Ausnahmen gibt: wenn etwa ein Fragenkatalog warm und kurz zu beantworten ist. "Wer oder was hätten Sie gerne sein mögen?", fragt die Wochenzeitung DER FREITAG den Spiegel-Journalisten Jan Fleischhauer. "Eine schwarze, lesbische, muslimische Frau, die das Ende des weißen Mannes einläutet", antwortet der. Da liegt die Frage auf der Hand: "Haben Sie manchmal Angst, etwas Falsches zu sagen?" Antwort: "Laufend." Die Sätze werden eben immer kürzer.

Neue Fußball-Hymne zur WM

"Wir sind zusammen groß/Wir sind zusammen eins/Komm lass ’n bisschen noch zusammenbleib’n", lesen wir im Berliner TAGESSPIEGEL. "Nehmt die Flossen hoch, und die Tassen auch/Wir feiern heute bis zum Morgengrau’n." Das ist der Refrain eines Songs der Combo "Die Fantastischen Vier" – den die ARD nun zu ihrem offiziellen Lied zur Fußball-Weltmeisterschaft in Russland erklärt hat. "Er wird also bei den Übertragungen der Spiele zu hören sein und sich so in den Köpfen von Millionen Zuschauerinnen und Zuschauern festsetzen", droht Nadine Lange im TAGESSPIEGEL.

Alternativen zur Nobelpreis-Akademie

"Einfach beherzt den Reset-Knopf drücken, bitte", heißt es in der NEUEN ZÜRCHER – aber zu einem Thema der Hochkultur schlechthin. "Wird der Nobelpreis abgeschafft oder nur noch einmal erfunden?", ist die Frage nach den Affären in der Schwedischen Akademie, die ja dazu geführt haben, dass die nobelste Literaturauszeichnung zumindest in diesem Jahr nicht vergeben wird. "Der Direktor der Nobelstiftung", schreibt Roman Bucheli, "liess durchblicken, man könnte der Akademie das Recht auf die Verleihung des Literaturnobelpreises auch einfach entziehen." Und: "Andere bringen die 1753 von Königin Lovisa Ulrika gegründete Akademie für Dichtung, Geschichte und Antike ins Spiel: Sie könnte den Nobelpreis ebenso gut verleihen."

Heimat für Exilanten

Da lauschen wir jetzt doch lieber einem ausgezeichneten Literaten.

"Wirklich zu Hause fühle ich mich nur in der Literatur", sagt der chinesische Schriftsteller Liao Yiwu, der zwar noch nicht mit dem Literaturnobelpreis bedacht wurde – dafür aber mit dem Friedenspreis des deutschen Buchhandels. Seit 2011 lebt er im deutschen Exil. "China tritt Menschenrechte und Humanität mit Füßen", meint Liao Yiwu im Interview mit dem FREITAG: "In China passieren Dinge, die jenseits der Fantasie des besten Schriftstellers sind. Nehmen wir das Wetter: In vielen Städten gibt es ein Smog-Problem, dauernd ist der Himmel bedeckt. Aber wenn eine wichtige Persönlichkeit aus dem Ausland zu Besuch kommt, sorgt die Regierung mithilfe von Chemikalien dafür, dass der Smog sich verzieht und die Sonne scheint."

Die Vorzüge Europas

Und damit lieber in die digitale Welt. "Die beste Arbeit sehe ich derzeit in Europa", findet der amerikanische Schriftsteller Walter Isaacson, wenn er an den Datenschutz im Internet denkt. "Die Europäische Union schützt vor allem die Privatsphäre ihrer Bürger besser, als die USA das tun", sagt er im Interview mit der Tageszeitung DIE WELT. "Vielleicht kommt das nächste große Digitalunternehmen ja aus Europa. Was die Welt jetzt braucht, sind ein gutes soziales Netzwerk und eine gute Suchmaschine, die nicht die Privatsphäre ihrer Nutzer verletzen."

Fazit

Ai Weiwei in MarseilleFranzösisch-chinesischer Dialog
(Deutschlandradio / Kathrin Hondl)

Der chinesische Künstler Ai Weiwei tritt in Dialog mit den Ausstellungsstücken des "Museums der Zivilisationen Europas und des Mittelmeers". Und das an einem besonderen Ort: 1929 landete sein Vater auf dem Weg in den Westen genau hier, am Hafen von Marseille. Mehr

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