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Samstag, 20.01.2018

Kulturpresseschau | Beitrag vom 12.01.2018

Aus den FeuilletonsNeuer Zündstoff für die #MeToo-Debatte

Von Adelheid Wedel

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Oprah Winfrey hält bei der Golden-Globes-Verleihung eine bewegende Rede (7. Januar 2018). (dpa / Paul Drinkwater)
Oprah Winfrey hält bei der Golden-Globes-Verleihung eine bewegende Rede. (dpa / Paul Drinkwater)

In den Feuilletons beschäftigt man sich weiter mit der #MeToo-Debatte: In der "TAZ" gibt es Oprah Winfreys fulminante Rede bei den Golden Globes in Gänze nachzulesen, in der "FAZ" geht es um die Reaktionen auf den französischen Aufruf und der "Spiegel" konfrontiert Woody Allen.

"Ihre Zeit ist abgelaufen" titelt die Tageszeitung TAZ am Wochenende und übernimmt damit einen Satz aus der Rede von Oprah Winfrey, die sie bei den Golden Globes hielt.

"Eine fulminante Rede über Rassismus und Sexismus" war das, meint die Zeitung und gibt nun uns Lesern die Gelegenheit, das zu prüfen. Sie druckt die Rede ab, leicht gekürzt.

Kritik an Catherine Deneuve und Co.

Aber damit ist die #Metoo-Debatte noch lange nicht vom Tisch, im Gegenteil, sie erhält – auch in den Zeitungen vom Wochenende – neuen Zündstoff. In der FAZ fasst Jürg Altwegg Beifall wie heftige Kritik zum Aufruf der französischen Frauen zusammen,

"die in einer Petition ein Ende der Kampagne gegen die Männer fordern. Ein bisschen Belästigung dürfe durchaus sein, schreiben die Frauen, die sich weigern, in der Pose des unschuldigen Opfers sexgieriger Monstren zu erstarren".

Nils Minkmar geht auf Distanz zum Aufruf aus Frankreich, auch wenn er Catherine Deneuves Haltung zu verstehen versucht:

"Besonders empathisch oder sozial ist die Haltung nicht, denn nicht alle Frauen haben die Möglichkeit, sich zur Wehr zu setzen", meint der Autor. Und weiter:

"Deneuves Anliegen ist radikal französisch: Sie möchte das Wesen der Sexualität zurückführen auf die erste Tugend der Republik und in ihr eine Manifestation der existentiellen Menschheitstugend erkennen, der Freiheit."

Adoptivtochter von Woody Allen prangert an

Erschütternd liest sich der Bericht von Philipp Oehmke im SPIEGEL, der nach New York aufbrach, um mit Woody Allen über seinen neuen Film und die #Metoo-Debatte zu sprechen.

Seit "1992 stehen die Vorwürfe gegen Allen im Raum", er habe seine Adoptivtochter Dylan Farrow, "als sie 7 Jahre alt war, sexuell missbraucht. Allen streitet die Vorwürfe ab, es wurde gegen ihn nie Anklage erhoben".

Inzwischen klagt Dylan Farrow die Journalisten an. Es gibt bis heute so gut wie kein Interview, in dem Allen auf die Vorwürfe angesprochen wird.

Jene, "die das Thema meiden, seien Teil des Systems und somit mitschuldig. Ihr Stiefvater", schreibt Farrow in der "Los Angeles Times" weiter, "werde von einem ähnlichen Netz von Rechtsanwälten und PR-Profis beschützt wie Harvey Weinstein", das sich aber, so darf man hier ergänzen, so dicht dann doch nicht war, um Weinstein vor dem Fall zu bewahren.

Journalistin Meşale Tolu berührt von Unterstützung 

"Auf freiem Fuß, aber nicht frei" – so lässt sich der Zustand beschreiben, in dem sich die deutsche Übersetzerin Meşale Tolu derzeit befindet.

"Wir müssen unsere Familie erst mal wieder aufbauen", gibt sie dem TAGESSPIEGEL zu Protokoll, nachdem sie "acht Monate im Gefängnis gesessen hat und neun Monate lang durch Gefängnismauern von ihrem Mann getrennt war."

Vorläufig lebt die Familie Tolu mit dem dreijährigen Sohn Serkan in Istanbul, solange die Gerichtsverfahren andauern, wurden sie mit Ausreiseverbot belegt. Dabei fühlt sich vor allem Mesale, die in Ulm ihr Abitur gemacht hat, in Deutschland zu Hause.

"Mehr denn je zuvor fühlt sich die 33-jährige als Ulmerin, seit sie die Welle von Solidarität erlebt hat, die aus ihrer Heimatstadt bis in die türkische Gefängniszelle rollte. Die Türkei habe wohl nicht damit gerechnet, dass Deutschland so stark für seine Bürger mit Migrationshintergrund eintreten werde", sagt Mesale Tolu im Gespräch mit Susanne Güsten in Istanbul.

"Da habe sich etwas getan, was auch ihr Mut mache."

Navid Kermani berichtet über Iranreise 

Über den Mut zu protestieren, spricht der Schriftsteller Navid Kermani im neuen SPIEGEL. Dort heißt es: 

"Es berührt mich sehr, dass Menschen trotz der Repressionen, der wirklich konkreten Gefahren für jeden einzelnen Demonstranten, immer wieder und in so großer Zahl den Mut finden, für ihre Rechte auf die Straße zu gehen."

In einer 13-teiligen Reportage hat er seine Beobachtungen aufgeschrieben, die er während seiner Reise ins Land seiner Eltern, in den Iran, machte. Ende Januar erscheint die vollständige Fassung als Buch unter dem Titel "Entlang den Gräben – Eine Reise durch das östliche Europa bis nach Isfahan" bei C.H. Beck. Der in Köln lebende Autor gibt zu bedenken:

"Das (zu beobachten) macht auch demütig, weil wir den Preis der Freiheit kaum noch kennen, so billig ist sie für uns."

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