Seit 20:03 Uhr Konzert
 

Dienstag, 21.11.2017

Kulturpresseschau / Archiv | Beitrag vom 18.05.2017

Aus den FeuilletonsDeutschland Architektenland

Von Gregor Sander

Beitrag hören Podcast abonnieren
Das Projekt "Auf der Flucht", das in der Uni vorgestellt wurde, schlägt Strategien vor, wie Lebensraum für Asylbewerber menschenfreundlicher gestaltet werden kann. (picture alliance / dpa / Jochen Lübke)
Die Architekturstudenten Malte Tams (r) und Julian Martitz betrachten in der Fakultät für Architektur und Landschaft der Leibniz Universität Hannover ihren Entwurf zum alternativen Wohnraum für Flüchtlinge. (picture alliance / dpa / Jochen Lübke)

Die "Süddeutsche Zeitung" informiert über einen erstaunlichen Fakt: Allein in Bayern leben fast so viele Architekten wie in ganz Frankreich. Trotzdem suchten die deutschen Büros nach immer mehr Arbeitskräften. Und die Baumeister hätten dazugelernt.

"Deutschland ist ein Hauptproduzent von architektonischem Nachwuchs",

stellt Gerhard Matzig in der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG fest und untermauert diesen kryptischen Satz mit klaren Vergleichszahlen.

"Hierzulande gibt es so viele Architekten wie – zusammengezählt – in Österreich, Spanien, Portugal, Griechenland, Niederlande, Schweden und Belgien. Allein in Bayern leben fast so viele Architekten wie in ganz Frankreich. Und trotzdem dürsten die deutschen Büros nach immer mehr Arbeitskräften. Seltsam",

findet Matzig. Seltsam vor allem, weil die Branche vor ein paar Jahren noch am Boden lag. Aber der anhaltende Bauboom hat den Architekten geholfen und sie haben dazugelernt:

"Wurden früher vor allem kreative Entwerfer an den Architekturabteilungen der Hochschulen ausgebildet, die im Zweifel später mal Kathedralen oder wenigstens das Wohnen von morgen gestalten würden, so sind das heute auch Klimadesigner, Baurechtler oder Immobilien-Ökonomen. Das Studium der Architektur wurde geerdet."

Das Buch als erneutes Zentrum der französischen Kulturpolitik

Einen neuen Aufgabenbereich hat auch die Verlegerin des französischen Actes Sud Verlags gefunden. Sie ist nun Kulturministerin und in der FRANKFURTER ALLGEMEINEN ZEITUNG jubelt Jürg Altweg:

"Mit Françoise Nyssen rückt das Buch aufs Neue ins Zentrum der Kulturpolitik."

Überhaupt scheint die ganze neue französische Regierung sehr literarisch zu sein, denn in der TAZ ist zu lesen:

"Frankreich streitet über einen alten Roman des neuen Premiers Édouard Philippe."

2011 hat der Premier diesen Roman gemeinsam mit einem Co-Autor veröffentlicht. Die Handlung spielt natürlich hinter den Kulissen der Macht, aber natürlich nicht nur, denn im Roman "Im Schatten"

"lässt Philippe jemand über die Pressesprecherin einer Partei sagen: "Marilyn hat einen kleinen Busen. Normalerweise mag ich das nicht so. Mein Ding sind, ich gebe es zu, eher etwas füllige Brüste. Nicht erdrückend und schlaff, nein, nicht so schwer, dass sie hängen, sondern irgendwie erhaben."

Sexismus oder Nichtsexismus, das ist nun die Frage im Nachbarland. Die Kritikerin der LIBERATION stellt sich laut TAZ entschieden auf die Seite des Regierungschefs:

"Es nicht zwingend, dass eine Romanfigur zwangsläufig alle Gedanken, Ideen und die ganze Ideologie ihres Autors wiedergibt." Philippes Roman befasse sich mit dem politischen Leben in Frankreich, und das komme eben 'nicht ohne Macho-Gehabe aus'."

Vorschlaghammerlob für Schweizer Autor Peter von Matt

Ganz anders ist das beim Schweizer Autor und Germanisten Peter von Matt, der am Samstag 80 Jahre alt wird, und dem Martin Ebel in der SZ mit diesem ersten Satz gratuliert:

"Niemand in der Schweiz schreibe so gut wie er, hat Marcel Reich-Ranicki einmal gesagt."

Das ist natürlich ein Vorschlaghammerlob und so ganz wohl scheint sich auch Ebel damit nicht zu fühlen, wenn er fragt:

"Stimmt der Superlativ also? Müßige Frage. Wichtiger, als dass er gut schreibt – und er schreibt wirklich sehr gut – ist, was und wie er schreibt über Literatur. Die erzählt er auf eine Weise nach, dass uns die bekanntesten Werke, von Homer bis zu einer Innerschweizer Sage, wie neu vor Augen treten."

Der ehemalige Verleger des Schweizer Jubilars, Ex-Hanserchef Michael Krüger, glaubt das Rätsel des Erzählers Peter von Matt entschlüsselt zu haben. Der Zauber liege in den ersten Sätzen der Bücher und Aufsätze:

"Ein paar Beispiele: 'Es gehört zu den Merkwürdigkeiten der Gegenwart, dass die Dichter nicht mehr als Rätsel gelten.' Oder: 'Lyriker gelten als haltlos. Lyrikerinnen nicht minder.' Oder schließlich: 'Ein ungebrochenes Verhältnis zur Geschichte haben heute nur noch die Sportreporter'."

Wer nun schnöde fragt: Aber warum haben denn nur Sportreporter ein ungebrochenes Verhältnis zur Geschichte, dem antwortet Krüger in der NEUEN ZÜRCHER ZEITUNG:

"Wer so fragt, ist natürlich schon verloren an die Erzählfreude von Peter dem Türsteher, man bezahlt ohne zu knurren und zu murren das Billett und geht hochgestimmt hinter ihm her durch das Labyrinth der merkwürdigen Rätsel, das die Schriftsteller für uns aufgebaut haben."

Fazit

weitere Beiträge

Kompressor

Diebesgut in Berlin sichergestelltJohn Lennons Brille wiedergefunden
John Lennons Brille  (picture alliance/dpa/Foto: Maurizio Gambarini)

Über Jahre galten private Gegenstände von John Lennon, die einst aus seiner New Yorker Wohnung gestohlen wurden, als verschollen. Jetzt ist das Diebesgut in Berlin sichergestellt worden. Am Dienstag präsentierte die Polizei Brillen, Notenblätter und Tagebücher des ehemaligen Beatles-Sängers. Mehr

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur