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Kulturpresseschau | Beitrag vom 08.06.2018

Aus den FeuilletonsDer letzte große Entertainer des 20. Jahrhunderts

Von Klaus Pokatzky

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Der französische Chansonnier Charles Aznavour bei einem Auftritt am 7.5.2015 im Sportpalast in Madrid, Spanien (picture-alliance / dpa / Luca Piergiovanni)
Der französische Chansonnier Charles Aznavour (picture-alliance / dpa / Luca Piergiovanni)

"Poesie ist das, was in unseren Köpfen spazieren geht. Wenn wir die Probleme des Lebens hinter uns lassen", erklärt der Sänger und Schauspieler Charles Aznavour im "Spiegel"-Interview. Mit 94 fühle er sich nicht alt, sondern "nur reich an Jahren".

"Ich bin gar nicht lustig", erzählt uns Gerburg Jahnke – die Frau ist eben Kabarettistin. Und was braucht sie da? "Eine Haltung zur Welt und eine persönliche Sichtweise", sagt sie im Interview mit der Tageszeitung TAZ und erklärt dann noch schön, was Humor ist: "Er unterscheidet uns vom Tier."

Wie die Sprache, könnten wir hinzufügen.

"Wie sehen geschlechtergerechte Schreibweisen aus?", fragt der Berliner TAGESSPIEGEL zu einem Problem, das Tiere nun mal nicht haben.

"Gehört dazu bald auch offiziell das Gendersternchen? Auf Empfehlungen zu diesen Fragen hat sich der Rat für deutsche Rechtschreibung wie erwartet noch nicht einigen können. Das bestätigte das Gremium am Freitag."

Und wenn man und frau nicht mehr weiterweiß, dann bilden sie einen Arbeitskreis.

"Nun soll eine Arbeitsgruppe bis zum November Meinungen und Daten sammeln", heißt es in der Tageszeitung DIE WELT. "In Deutschland herrscht seit Wilhelm von Humboldt der quasireligiöse Glaube, Sprache lenke unsere Sicht auf die Welt", meint Matthias Heine.

"Es gibt aber Grund zu der Annahme, dass auch hier – marxistisch gesprochen – die Basis den Überbau bestimmt. Wenn also Kinder sich unter Astronauten auch Frauen vorstellen sollen, müssten mehr Astronautinnen ins All geschickt werden, statt sie sprachlich hervorzuheben. Bei den Pluralen Lehrer oder Bundeskanzler denken Kinder schon jetzt vor allem an Frauen." Kinder sind eben kluge Menschen.

Etwas finden, was uns atmen lässt

"Für Märchen habe ich kein Talent", lesen wir im SPIEGEL. "Ich schreibe für Erwachsene. Ich weiß nur, wie man Kinder macht, immerhin habe ich einige, dazu noch die Enkel", erzählt im Interview Charles Aznavour: "der letzte der großen Entertainer des 20. Jahrhunderts, 94 Jahre alt", so der SPIEGEL.

"Neulich kam meine jüngste Enkelin mit einer Aufgabe nach Hause: 'Wir müssen erklären, was Poesie ist.' Ich habe es ihr erklärt, und sie bekam die beste Note in ihrer Klasse", beschreibt Aznavour den guten Opa Charles:

"Poesie ist das, was in unseren Köpfen spazieren geht. Wenn wir die Probleme des Lebens hinter uns lassen, das Komplizierte, Delikate, Familiäre und so weiter, dann ist da immer noch ein Weg, den wir suchen. Und das ist die Poesie. Weil wir etwas finden, immer, was uns atmen lässt, durch die Literatur, das Kino, die Musik. Oder durch die Einbildungskraft eines Kindes."

Vergessen wir das Wichtigste nicht: jedenfalls in den kommenden Wochen. "Ist Fußball nur ein Sport oder eine Wissenschaft für sich?" fragt DIE WELT – bevor am kommenden Donnerstag die Weltmeisterschaft des Balltretens in Russland beginnt.

Fußball - das Drama des Lebens

"Gerade weil Fußball vermeintlich das Gegenteil geistiger Betätigung ist, eignet er sich zur totalen Projektion und Überhöhung", findet Richard Kämmerlings. "Diese Faszination für das belanglose Geschehen namens Fußball ist", steht in der NEUEN ZÜRCHER ZEITUNG, "weltumspannend geworden – jedenfalls fast, bis auf zwei Kontinente: die Antarktis und die Frauen. Sonst fasziniert Fußball unabhängig von Schicht, Status oder Alter", outet sich als echter Fußball-Macho der emeritierte Philosophie-Professor Paul Hoyningen-Huene. "Fußball stellt das Drama des Lebens nach. Im Fußballspiel finden wir eine Vielzahl genau derjenigen Elemente, die das wirkliche Leben dramatisch machen – aber in Spielform."

Und, wenn es richtig gut läuft, hat das alles ja auch etwas Völkerverbindendes.

"Wir werden alle eines Tages ein Erdenvolk sein, nicht getrennt durch Grenzen oder Religionen," hofft Charles Aznavour im SPIEGEL-Interview und fühlt sich mit seinen 94 nicht alt – sondern "nur reich an Jahren". Denn: "Ich habe noch immer Sprache und Blick der Kindheit. Das muss man sich so lange wie möglich erhalten."

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