Seit 19:30 Uhr Zeitfragen. Feature
 

Donnerstag, 14.12.2017
 
Seit 19:30 Uhr Zeitfragen. Feature

Fazit | Beitrag vom 03.12.2017

August-Macke-Haus wiedereröffnetGrößer, schöner, freundlicher

Von Michael Köhler

Beitrag hören Podcast abonnieren
Ein Portrait von August Macke ist in Bonn an einer Glaswand des August Macke Hauses in Bonn zu sehen. (picture alliance / dpa / Henning Kaiser)
Das August-Macke-Haus in Bonn (picture alliance / dpa / Henning Kaiser)

Die Werke des bedeutendsten deutschen Expressionisten erstrahlen im neuen Glanz: August Mackes Wohn- und Atelierhaus ist wiedereröffnet - es wurde mit einem Anbau erweitert, der neue Zugänge zum Werk des Künstlers gestattet.

Nicht nur der Erweiterungsbau und das renovierte Künstlerhaus sind neugestaltet, auch der Name der Einrichtung ist neu, sagt Museums-Chefin Klara Drenker-Nagels.

"Bei uns steht das authentische, das ehemalige Wohn- und Atelierhaus, das einzige, was Macke je hatte, im Zentrum. Das wollen wir mit dem neuen Namen 'Museum August Macke Haus' auch verdeutlichen."

Das klassizistische Wohnhaus in der nördlichen Bonner Altstadt ist um einen modernen Anbau ergänzt worden. Architekt Karl-Heinz Schommer wollte kein auftrumpfendes Bauwerk.

"Künstlerhäuser sind national und international sehr, sehr selten. Es konnte erweitert werden. Der Garten, wo Macke ja herrliche Bilder gemalt hat, stand im Vordergrund. Also blieb der Garten frei. Wir haben ihn L – förmig umschlossen. Und das Wesentliche war, dass wir keine Konkurrenz mit der Architektur aufbauen wollten, sondern wir haben eine gläserne Antwort gegeben, aber doch bei diesem internationalen Künstler einen Wiedererkennungswert, eine Adresse in diesem feinen Gesamtkompositum."

Im alten Wohnhaus, das zuvor beengt war und gerade mal 50 Besuchern Platz bot, ist nun eine moderne, multimediale Dauerausstellung zum Leben August Mackes und seiner Familie eingerichtet. Großformatige Fotografien zur Familie und aus dem Bonn um 1900 zieren die Wände. Mackes geliebte Ehefrau führt per Audioguide durch die Räume. Eine Schauspielerin hat die Selbstaussagen und Briefe von Elisabeth Macke eingelesen.

Unermüdlicher Netzwerker der Moderne

Zudem wird aber auch deutlich, wie sehr Macke kunstpolitisch aktiv war. Kuratorin der Sonderausstellung ist Ina Ewers Schultz

"Macke war Netzwerker. Er war ja eine Persönlichkeit, die unheimlich viel dafür gearbeitet hat, dass die Moderne, die damals keinen Fuß in die Tür kriegte, nicht bekannt war, abgelehnt wurde, weil sie zu neu, zu bunt war, dass die sich durchsetzen konnte, daran hat er langsam und mühselig gearbeitet. Das war sein Ziel. Und er war Netzwerker auch über nationale Grenzen hinaus, nicht nur regional, sondern national, aber auch international. Die haben ja auch in Russland ausgestellt, französische Künstler eingeladen. Das gehört alles dazu."

In der Ausstellung "August Macke und Freunde" werden Leihgaben gezeigt, wunderbare Werke von Malerkollegen wie Ludwig Kirchner, Heinrich Campendonk, Carlo Mense, Hans Thuar, Franz Marc, Heinrich Nauen oder auch Maria Franck, der späteren Ehefrau von Franz Marc. Tuschezeichnungen, Aquarelle und Ölgemälde aus den ersten Jahren des letzten Jahrhunderts bereichern die Schau.

Macke überrascht auch als abstrakter Maler

Überraschend auch ein ganzer Themenkreis zum Thema Familie und Kinder. In den Kinderbildern wurde das Schöpferische gesehen, das Potential für Neues, der Einklang von Mensch und Natur.

"Es geht nicht nur um Malerei, es geht auch um Kunsthandwerk und um da die Ebenen aufzulösen, machen sie ganz neue Dinge. Und das ist ein Teil auch Kulturkritik."

Neu ist auch der große Komplex zum Thema Bühne und Bohème, denn Macke war als junger Mann Bühnen- und Kostümbildner am Düsseldorfer Schauspielhaus. So sind auch Textilentwürfe zu sehen und bemalte Holzpaneele für Bühnenbilder.

Überraschend auch, wie abstrakt der späte Macke wurde. Unter dem Einfluss von Robert Delaunay malte er Quadrate, Dreiecke und Ellipsen.

Fesselnd aber sind nach wie vor seine kräftig farbigen Landschafts- und Gartenbilder, die den Einklang von Mensch und Natur zeigen. Kleine Paradiese in kräftigsten Farben. Klara Drenker-Nagles auf die Frage, ob August´Macke der Vater des Rheinischen Expressionismus ist.

"Ja, der war er durchaus. Er war derjenige, der die avantgardistischen Kräfte im Rheinland gebündelt hat und ganz dezidiert als rheinische Expressionisten auch an den Start gebracht hat, um eben auch im Kontrast zum "Blauen Reiter" oder zur "Brücke" und zum "Ersten deutschen Herbstsalon" sich zu behaupten in Berlin. Also die Kunstmetropolen Berlin und München im Grunde genommen um das Rheinland zu erweitern."

Der neue, moderne Anbau hat die gemütliche Kleinteiligkeit und Wohnlichkeit des Künstlerhauses übernommen. Der Garten ist zu seinem  Recht gekommen.

Modernisierungen haben das Gebäude nach vorne katapultiert

Neue Aufzüge, Licht-, Klimaanlagen, ein Shop, ein Café, Veranstaltungsräume und eine begehbare Dachterrasse haben das "Museum August Macke Haus" nach vorn katapultiert.

Jetzt sollte es nur noch zur Forschungsstelle für die Moderne im Rheinland und die geistesgeschichtliche Bedeutung des frühen Expressionismus werden. Denn in dieser Rolle ist der früh verstorbene August Macke wichtiger als bislang angenommen. Aber das ist Zukunftsmusik und kann ja noch werden.

Glücklich und zufrieden nach zwei Jahren Umbau ist jetzt erstmal die Museumschefin.

"Auf jeden Fall, wenn auch ein bisschen geschafft."

Mehr zum Thema

Maria Marc: "Mein Leben mit Franz Marc" - Unverblümte Einblicke in ein Künstlerleben
(Deutschlandfunk Kultur, Buchkritik, 04.03.2016)

Kulturpresseschau

weitere Beiträge

Fazit

Filmfestival HavannaKubaner lassen sich den Spiegel vorhalten
Vor einem Kino in der kubanischen Hauptstadt Havanna fährt ein alter grüner Straßenkreuzer. (Deutschlandradio / Burkhard Birke)

Beim Internationalen Festival des neuen lateinamerikanischen Kinos in Havanna herrscht großer Andrang. Die Filme sind ein Fenster zur Welt und gleichzeitig ein Spiegel der kubanischen Gesellschaft. Deutschland ist bei der 39. Ausgabe mit besonderen Filmen vertreten.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur